Politik

Bio-Etikettenschwindel in Niedersachsen Das Problem mit der Ei-Kontrolle

340e2400.jpg2563777948833613155.jpg

(Foto: dpa)

Der Bio-Eier-Betrug in Niedersachsen löst Fassungslosigkeit aus. Wie konnte das passieren? Als eine Ursache gelten die laschen Kontrollen der Hühnerfarmen. Ein Problem ist: Die Kontrolleure werden von den Bauern bezahlt, deren Eier sie überprüfen sollen.

Der Skandal um die Bio-Eier in Niedersachsen hat Forderungen nach verschärften Kontrollen laut werden lassen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner forderte sie ebenso wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Die Kontrollen sind angesichts des Ausmaßes des Eierbetruges offenbar unzureichend. Immerhin brachten nicht Kontrolleure die Staatsanwaltschaft auf die Spur des Betrugsskandals, sondern die Aussage eines Bauern während eines Zivilprozesses.

Auch die Verbraucherzentrale NRW (VZ) fordert nun eine Verbesserung der Kontrollen. Es müsse klare gesetzliche Vorgaben für die betrieblichen Eigenkontrollen geben, da diese und die amtliche Überwachung flächendeckend versagt hätten, teilt die VZ auf ihrer Homepage mit. "Die Überwachung muss mit erheblich verbesserten personellen und technischen Kapazitäten die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sicherstellen."

Eine der wichtigsten Kontrollinstanzen ist derzeit der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT). Der Verein zertifiziert Boden- und Freilandhaltung. "Tatsache ist, dass KAT bei der Einstallung nicht jedes einzelne Tier zählt", heißt es auf der Homepage des Vereins. Dafür werde aber die tägliche Legeleistung mit den Einstallungsnachweisen abgeglichen.

Keine Verdachtsmomente in Niedersachsen

Bio-Eier werden zudem von privaten Prüfstellen kontrolliert, die vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zugelassen werden. Die Bundesländer kontrollieren diese privaten Prüfstellen. In Niedersachsen führt das Landesamt für Verbraucherschutz (LAVES) die Aufsicht. "Uns sind in der Vergangenheit keine Verdachtsmomente gemeldet worden", sagt LAVES-Sprecherin Silke Klotzhuber n-tv.de.

Bio-Betriebe müssen laut BLE nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau mindestens einmal jährlich von den Kontrollstellen überprüft werden. Bei Öko-Geflügelhaltern mit einer durchschnittlichen Bestandsgröße von mehr als 3000 Tieren müssen mindestens zwei Inspektionen, davon eine unangekündigt durchgeführt werden. Bei einer Bestandsgröße von mehr als 10.000 Tieren mindestens vier, davon drei unangekündigt.

Betrug hat sich gelohnt

Problematisch ist, dass die Kontrolleure, die die Bauernhöfe überprüfen, von den Bauern selbst bezahlt werden. Eine Gefahr für Ihre Unabhängigkeit? Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale NRW sieht darin nicht das wesentliche Problem: "In den meisten Fällen funktioniert das ganz gut", sagte sie n-tv.de. Schließlich hätten die Prüfstellen einen guten Ruf zu verlieren.

Klar ist, dass sich der Betrug gelohnt haben dürfte. Die Nachfrage nach Bioeiern steigt seit Jahren kontinuierlich – während immer weniger konventionelle Eier verkauft werden. Wurden 2006 noch 351 Millionen Bioeier produziert, waren es laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft 2011 bereits 783 Millionen. Der Marktanteil der Bio-Eier kletterte im Jahr 2011 auf 16,6 Prozent. Die Nachfrage ist so groß, dass deutsche Betriebe sie nicht allein decken können. 20 Prozent des gesamten Eierverbrauchs wird aus dem Ausland, meist aus den Niederlanden importiert. In Deutschland wurden 2011 laut Statistischem Bundesamt 9,7 Milliarden Eier produziert.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

Mehr zum Thema