Politik

"Keine akute Gefahr" Decke in Asse eingestürzt

Im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ist eine Decke eingestürzt. Experten prüfen, ob Stabilisierungsmaßnahmen sinnvoll sind.

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Ein verbogener Stahlträger im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse deutet daraufhin, wie stark der Berg auf das ehemalige Salz-Bergwerk drückt.

(Foto: dpa)

Das teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter mit. Die Decke sei zwischen zwei Hohlräumen eingestürzt, in denen keine radioaktiven Abfälle lagern.

Da die beiden 15 Meter hohen Kammern bereits mit gemahlenem Salz gefüllt seien, sei die Decke nicht tief gestürzt, teilte das BfS mit. "Es besteht keine akute Gefahr. Es wurde keine seismische Aktivität festgestellt."

Anders als im aktuellen Fall kann es aber auch bei Kammern mit eingelagertem Atommüll zu Deckeneinbrüchen kommen. Im April drohten größere Gesteinsbrocken auf gelagerte Fässer zu fallen.

Untersuchungsausschuss tagt

Im Untersuchungsausschuss des Landtages zur Asse wurde in Hannover deutlich, dass Fachleute schon früh Zweifel hatten, ob die Asse zur Atommüll-Endlagerung geeignet ist. Grund für die Bedenken seien Probleme mit der Standsicherheit und der Wasserzutritt, sagte der ehemalige Präsident der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, Dieter Kind, als Zeuge im Ausschuss. Vor 30 Jahren hätten aber andere Maßstäbe gegolten.

Der frühere Asse-Betreiber wies jedoch Kritik zurück. Nach Pannen und Ungereimtheiten in dem Salzbergwerk hatte das Helmholtz Zentrum allerdings die Zuständigkeit verloren, Betreiber der Asse ist seit Jahresanfang das Bundesamt für Strahlenschutz.

Stark einsturzgefährdet

Die gesamte Schachtanlage ist stark einsturzgefährdet. Seit Jahren dringt Wasser in das ehemalige Salzbergwerk ein. Unter Tage wurden von 1967 bis 1978 rund 126.000 Fässer mit leicht- und mittelschwer radioaktiv belastetem Atommüll eingelagert.

Die instabile Schachtanlage soll dauerhaft geschlossen werden, aber noch ist unklar, was mit dem Atommüll passiert. In der Diskussion sind drei Möglichkeiten für die zeitaufwendige Schließung der Anlage. Eine Entscheidung soll es im Dezember geben.

Drei Varianten für Stilllegung der Asse

- Der Atommüll wird herausgeholt: Dabei müssen die Kammern mit den Abfällen maschinell geöffnet und die Fässer über Tage transportiert werden. Die Bergung der Behälter würde überwiegend mit ferngesteuerten Geräten erfolgen. Über Tage ist ein Zwischenlager notwendig, bis der Atommüll abtransportiert und endgelagert werden kann.

- Die Fässer werden umgelagert: Hierbei werden die Fässer aus den Kammern geborgen und in tiefere Bereiche des Salzstocks gebracht. Das Bergwerk muss dafür mit neuen Schächten um mehrere hundert Meter in die Tiefe erweitert werden. Leer geräumte Kammern müssen sofort wieder verschlossen werden, um die Grube zu stabilisieren.

- Die Vollverfüllung mit Spezialbeton: Der Atommüll bleibt bei dieser Option unter Tage. Hohlräume in den Kammern mit dem eingelagerten Atommüll werden mit einem speziellen Mörtel verschlossen, dann werden die Kammern mit Barrierebauwerken eingekapselt. Schließlich muss das gesamte Grubengebäude mit Sorelbeton verfüllt und die Schächte verschlossen werden.

Quelle: ntv.de, dpa

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