Politik
Vor der niederländischen Botschaft in Moskau gedenken Menschen mit Blumen und Kerzen der Opfer des Flugzeugabsturzes.
Vor der niederländischen Botschaft in Moskau gedenken Menschen mit Blumen und Kerzen der Opfer des Flugzeugabsturzes.(Foto: dpa)
Freitag, 18. Juli 2014

"Wenn ich heute geflogen wäre ...": Dem Tod in MH17 knapp entgangen

Von Markus Lippold

Man kommt zu spät zum Flughafen oder muss kurzfristig umbuchen: Es gibt viele Gründe, einen Flug zu verpassen. Einige Menschen entgingen so der Katastrophe von MH17. Einer von ihnen hat sogar einen Bezug zum verschwundenen Flug MH370.

Fast 300 Menschen sind beim Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine ums Leben gekommen. Einige Menschen hatten jedoch Glück im Unglück - sie verpassten die Maschine und entgingen so dem Tod.

Video

Barry Sim etwa wollte mit seiner Familie von Amsterdam nach Kuala Lumpur fliegen. Seine Frau und das drei Monate alte Baby hatten bereits Tickets für Flug MH17. "Ich habe also mein Reisebüro gebeten, mich auf denselben Flug wie meine Familie zu buchen", erzählte Sim der niederländischen Zeitung "Algemeen Dagblad".

Allerdings gab es im Mittagsflug keinen Platz mehr - es war jenes Flugzeug, das über der Ukraine vermutlich abgeschossen wurde. Also buchte Sim ein Ticket für den Abendflug - die Plätze für Frau und Kind wurden ebenfalls umgebucht: "Wir wollten nicht getrennt reisen", sagt Sim. Das rettete seiner Familie das Leben.

"Es ist ein bisschen unwirklich"

Seine Gedanken seien jetzt bei den Familien der vielen Opfer, sagt der Mann. Auch wenn er selbst "erleichtert" sei und sich "gesegnet" fühle, dass er und seine Familie nicht an Bord von MH17 waren.

Datenschutz

Eine andere Familie, die über Kuala Lumpur zu einer Beerdigung nach Australien reisen wollte, kam derweil zu spät zum Flughafen. Deshalb konnten sie keine Tickets für Flug MH17 mehr kaufen. "Es ist ein bisschen unwirklich", sagte die Frau, mit einem kleinen Mädchen mit blonden Locken im Arm, dem Lokalfernsehsender AT5. "Ich kann es kaum glauben."

Der niederländische Radprofi Maarten de Jonge schließlich stieg wegen seiner Sparsamkeit nicht ins abgestürzte Flugzeug. "Im letzten Moment habe ich beschlossen, einen Flug am Sonntag zu nehmen, weil er 300 Euro billiger war", erklärte er mehreren niederländischen Medien, darunter dem "Algemeen Dagblad". Er buchte also seinen Platz in MH17 um.

"Wenn ich heute geflogen wäre ..."

Im neuen Flug habe es nur noch einen freien Platz gegeben, den er dann sofort reserviert habe. "Es hat mir das Leben gerettet, dass ich Geld sparen wollte", sagte de Jonge. Auf Twitter schrieb er mit Verweis auf die Katastrophe: "Wenn ich heute geflogen wäre, dann..."

Das Besondere: De Jonge hat auch einen Bezug zur Katastrophe von Flug MH370 - jenem Flugzeug von Malaysia Airlines, dass auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking am 8. März diesen Jahres verschwand.

De Jonge, der für ein malaysisches Team fährt und deshalb oft im ostasiatischen Raum unterwegs ist, wollte Anfang März ebenfalls von Kuala Lumpur nach Peking fliegen. Zufällig saß er dabei in derselben Wartehalle wie die Passagiere von MH370, deren Schicksal bis heute nicht geklärt ist. Sein Flug startete vom selben Gate, allerdings 50 Minuten nach der Unglücksmaschine, schreibt das "Algemeen Dagblad".

Die aktuelle Entwicklung zu Flug MH17 im Liveticker verfolgen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de