Politik

Angeblich in Syrien gestorben Denis Cuspert könnte noch leben

Denis Cuspert lebt in Berlin und tritt unter dem Namen "Deso Dogg" als Rapper auf - bis er ein radikaler Islamist wird. Er zieht nach Syrien, um für die Isis-Gruppe im "heiligen Krieg" zu kämpfen. Jetzt ist er angeblich getötet worden - seine Gesinnungsbrüder dementieren.

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Das Foto wurde angeblich aufgenommen, nachdem die Todesnachricht schon verbreitet worden war - und zeigt einen sehr lebendigen Abu Talha al-Almani mit zwei "Brüdern".

(Foto: Twitter)

In Syrien ist offenbar ein aus Deutschland kommender Islamist getötet worden. Der Berliner E x-Rapper und mutmaßliche Islamist Denis Cuspert alias Deso Dogg sei bei einem Selbstmordanschlag "rivalisierender Kämpfer" ums Leben gekommen, heißt es in islamistischen Internetforen. Der unter dem Namen Abu Talha al-Almani in dem Bürgerkriegsland kämpfende Deutsche kämpfte für die Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis). Der Berliner "Tagesspiegel" bezeichnet Cuspert als den bekanntesten deutschen Islamisten.

Islamisten der Al-Nusra-Front hätten am Sonntag einen Doppel-Selbstmordanschlag auf ein Haus im Osten des Landes verübt, in dem sich Isis-Kämpfer aufgehalten hätten, hieß es in einem Beitrag auf den islamistischen Seiten. Der Anschlag soll sich in der Provinz Deir Ez-Zor ereignet haben, wie die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Insgesamt seien 16 Isis-Kämpfer getötet worden, unter ihnen Abu Talha. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz aus Informanten in Syrien, überprüfbar sind ihre Angaben jedoch kaum.

Andere islamistische Quellen bestreiten, dass Cuspert in Syrien getötet wurde. Es handele sich um eine Verwechslung. Nicht er, Abu Talha al-Almani, sondern zwei andere "Brüder" mit ähnlichen Namen seien den Märtyrertod gestorben. Sie hießen Abu Ibrahim al-Almani und Abu Talha al-Maghribi.

Rund 2500 gewaltbereite Islamisten in Deutschland

Der in der Islamistenszene seit Jahren bekannte Cuspert soll im Juni 2012 abgetaucht sein, nachdem die salafistische Vereinigung Millatu Ibrahim in Deutschland verboten worden war. Danach veröffentlichte er Drohvideos, Anfang September 2013 wurde er angeblich verwundet. Im November warnte das Auswärtige Amt, dass Cuspert einen Anschlag in der Türkei plane.

Laut Verfassungsschutz gibt es in Deutschland rund 40.000 Islamisten von denen die meisten allerdings Gewalt ablehnten. Als gewaltbereit werden rund 2500 Menschen eingeschätzt. Für junge Leute scheinen besonders die Salafisten attraktiv zu sein. Da Propagandamaterial rund um die Uhr im Internet verfügbar ist, übernehmen Heranwachsende teils überraschend schnell extreme Positionen. In diesem Zusammenhang ist daher von "Turbo-Radikalisierungen" die Rede.

Rund 300 deutsche Islamisten sollen laut Verfassungsschutz in Syrien aktiv sein - etwa 20 seien bereits getötet worden, sagte sagte Verfassungsschutz-Präsident Georg Maaßen im März der "FAZ". Diese hohe Zahl deute darauf hin, dass die Reisenden aus Deutschland unvorbereitet in Kämpfe geschickt würden, die sie nicht erfolgreich bestehen könnten. "Man könnte sagen: Sie werden verheizt", sagte er.

Quelle: n-tv.de, nsc/vpe/AFP

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