Politik

Castor-Transporte Der Kampf gegen die Strahlung

Erstmals rollen jetzt wieder Castoren mit radioaktivem Abfall durch das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Im Mai 1998 waren die Transporte mit sofortiger Wirkung gestoppt worden, nachdem grenzwertüberschreitende radioaktive Kontaminationen auf der Behälteroberfläche nachgewiesen worden waren. Das Verbot galt auch für Lieferungen ins Ausland.

Wie erste Untersuchungen der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) ergaben, überschritt seit 1995 zum Beispiel jeder vierte Transport abgebrannter Brennelemente nach La Hague den zulässigen Grenzwert von vier Becquerel pro Quadratzentimeter - vereinzelt um mehr als das Tausendfache. Um die Kontamination der Behälter, die abgebrannte Brennelemente vom Atomkraftwerk in die Wiederaufarbeitungsanlagen oder die Zwischenlager bringen, künftig zu verhindern, haben Wissenschaftler untersucht, wie es zur Kontamination kommen konnte und was man dagegen tun kann.

Das Ergebnis: Eine der Hauptursachen war radioaktiv kontaminiertes Wasser in den Be- und Entladebecken der Kraftwerke und Wiederaufarbeitungsanlagen. Allerdings gibt es zum Be- und Entladen von Behältern mit abgebrannten Brennelementen unter Wasser bisher keine Alternative.

Wunderwaffe "Ganzkörperkondom "

Die Lösung ist das so genannte Kontaminationsschutzhemd. "Es soll verhindern, dass radioaktives Wasser an die Oberfläche des Transportbehälters gelangt", so Dr. Heinz-Peter Butz, Pressesprecher der GRS gegenüber n-tv.de. Dieses Hemd wird um den Behälter gelegt, der Zwischenraum mit sauberem Wasser gefüllt. "So kann kein radioaktiv kontaminiertes Wasser zwischen das Kontaminationsschutzhemd und den Behälter gelangen", meint Butz. Lediglich die notwendige Öffnung zum Befüllen der Behälter bleibe offen.

Nach dem Verladevorgang werde das Kontaminationsschutzhemd gründlich gereinigt und vom Behälter entfernt. Sollte durch eine undichte Stelle dennoch kontaminiertes Wasser an den Behälter (z. B. ein Castor) gelangt sein, werde dieser so lange gereinigt, bis der Grenzwert eingehalten werde.

"Ich sehe an unserem Verfahren keinerlei Schwachstellen". Allerdings könne man nicht mit absoluter Gewissheit ausschließen, dass künftig noch vereinzelt Kontaminationen auftreten könnten. Das wäre vermessen, so Butz.

Doch Greenpeace hat Zweifel

"Der Castor ist nicht so sicher, wie immer behauptet wird", meint Energieexperte Veit Bürger gegenüber n-tv.de. Er bemängelt zum einen, die Sicherheitstests, denen die Castoren unterzogen würden, wären "modelliert". "Sie wurden teilweise nicht maßstabsgetreu durchgeführt - die Testcastoren waren bespielsweise kleiner und entsprachen nicht denen, die nach Gorleben oder Ahaus gehen oder die für den Transport von Glaskokillen dienen." Außerdem werde bei der Herstellung des Castors lediglich der Rohling mit Ultraschall auf Risse untersucht. Dieser werde aber noch weiter verarbeitet - der fertige Castor dann nicht mehr auf Risse geprüft.

Bauchschmerzen hat Greenpeace auch bei den Sicherheitstests an den Glaskokillen, die beim bevorstehenden Transport eingesetzt werden. Glaskokillen sind zylindrische Behälter aus Glas, das mit dem radiaktiven Abfall verschmolzen wurde. "Wir kritisieren die Qualitätskontrollen der Firma Cogma. Diese macht zwar während der Herstellung der Glaskokillen Untersuchungen. Am Endprodukt werden aber keine Kontrollen mehr vorgenommen." Das sei aber wichtig, weil verschiedene Faktoren die Qualität und Langlebigkeit einer Glaskokille beeinträchtigen können.

"Vor allem die Homogenität ist wichtig. Der radioaktive Abfall muss gleichmäßig mit dem Glas verbunden sein, sonst könnte es dort, wo die Konzentration der radioaktiven Substanzen zu groß ist, zu hohe Temperaturen geben." Das Rückhaltevermögen der radioaktiven Substanzen in den Kokillen sei dann unter Umständen nicht mehr gegeben. Auch Luftblasen und Risse in den Kokillen beeinträchtigten die Sicherheit.

Und die ist oberstes Gebot - schließlich müssen die Glaskokillen 30 bis 40 Jahre im Zwischenlager - und danach mehrere tausend Jahre im Endlager dicht halten.

Quelle: ntv.de

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