Politik

SPD-Überraschungsminister Heiko Maas Der Prinz Charles von der Saar

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Saarländer, Jurist, 47 Jahre alt - Heiko Maas ist einer der sechs SPD-Minister.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Zögling Oskar Lafontaines gilt Heiko Maas in den 90ern als eines der größten Talente der SPD. Jetzt wird er Justizminister der Großen Koalition. Für den ewigen Zweiten ist der Ruf nach Berlin ein später Triumph - mit reizvollen Chancen.

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Sigmar Gabriel trat am 8. Dezember bei einer Regionalkonferenz in Saarbrücken auf. Hinter ihm: Heiko Maas.

(Foto: imago stock&people)

Es regnet, als der schwarze Audi A8 zum Stehen kommt. Doch nass wird Sigmar Gabriel nicht. Er hat den Fond seines Dienstwagens gerade verlassen, da steht schon ein freundlicher Helfer bereit. Der etwas schüchtern wirkende Mann mit der hohen Stirn, Brille und durchgedrücktem Kreuz spannt den Schirm auf und hält ihn schützend über seinen Parteivorsitzenden.

War es Dankbarkeit oder Zufall? Gut eine Woche ist es her, dass Gabriel zur Regionalkonferenz in Saarbrücken reiste. Vermutlich wusste Heiko Maas damals schon, was der Monat für ihn noch bereithält. In der Großen Koalition wird der Landeschef der Saar-SPD künftig für Justiz und Verbraucherschutz zuständig sein, eine der größten Überraschungen. Der 47-Jährige vertritt die neue SPD-Generation im Kabinett.

Über Umwege ans Ziel

Die Geschichte des Heiko Maas ist in vieler Hinsicht ungewöhnlich. Dem Mann aus Saarlouis haftet ein Image an, das in diesen Tagen eine ungeahnte Wendung nimmt. Seit Jahren genießt er den wenig dankbaren Ruf des ewigen Talents, sogar als "Prinz Charles von der Saar" wurde er verspottet. Mit der Rolle des Hoffnungsträgers kennt sich Maas bestens aus. Einlösen konnte er sie bisher aber nie.

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Maas mit seinem politischen Ziehvater Oskar Lafontaine

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dabei begann seine Karriere steil. Als Zögling von Oskar Lafontaine wurde der Jurist mit 30 Jahren Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium. 1998 übernahm er sogar die Leitung des Ressorts und wurde jüngster deutscher Landesminister. Doch lange hielt das Glück des Aufsteigers nicht. Schon ein Jahr später mussten die Sozialdemokraten die Staatskanzlei verlassen, als sie mit weniger als einem Prozent Unterschied CDU-Herausforderer Peter Müller unterlagen.

Wenn Maas seitdem auf etwas gebucht war, dann aufs Verlieren. Bei der nächsten Wahl 2004 stürzte der Spitzenkandidat der SPD auf 30,8 Prozent ab. Als die Saarländer fünf Jahre später erneut vor die Urne traten, wurde Maas den Erwartungen abermals nicht gerecht. Im Duell mit der amtierenden Ministerpräsidentin Annegret-Kramp-Karrenbauer wurde er erneut nur zweiter Sieger - mit mickrigen 24,5 Prozent. Maas hätte damals gern regiert. Er verhandelte mit Grünen und Linken über eine gemeinsame Regierung, doch die Grünen experimentierten lieber in die andere Richtung und wagten eine Jamaika-Koalition, die bald scheiterte.

Vom beschaulichen Saarland nach Berlin

2012 kam es zu vorgezogenen Neuwahlen und die SPD unterlag zum vierten Mal in Folge. "Heiko Maas gibt dem Drama ein Gesicht", titelte die "Rheinische Post". Sein Schicksal schien besiegelt zu sein, aber der Landeschef bewies Zähigkeit. Er verhandelte mit der CDU über eine Koalition und führte seine Partei schließlich von der Opposition zurück in die Landesregierung. Seitdem ist Maas Superminister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Energie und stellvertretender Ministerpräsident.

Das Jahr 2013 markiert nun eine Zäsur. Nach mehr als 15 Jahren wechselt Maas vom beschaulichen Saarland in den hektischen Politbetrieb der Hauptstadt. Durch seine Erfahrungen mit der Großen Koalition dürfte er für SPD-Chef Gabriel schon in den letzten Monaten ein gefragter Gesprächspartner gewesen sein. Der Parteilinke gilt als ruhiger und besonnener Fachmann und ist bestens vernetzt. Schon seit 2001 ist er Mitglied des SPD-Bundesvorstands.

Eine von Maas' größten Herausforderungen als Justizminister dürfte die Vorratsdatenspeicherung sein. Durch die neue Zuständigkeit für Verbraucherschutz wird das Amt zwar aufgewertet, gilt insgesamt jedoch eher als glanzlos. Der Saarländer dürfte seine Nominierung dennoch als ungewohnte Genugtuung empfinden. Bisher war seine Karriere eben ausschließlich von Niederlagen geprägt. Aber das Verlierer-Image muss nicht für die Ewigkeit sein. Die SPD braucht neue Köpfe für die Zeit nach der Generation Steinmeier. Der Anfang ist jedenfalls gemacht und Maas ja erst 47.

Quelle: ntv.de