Politik
AfD-Vorstand Lucke hat den "Alternativen Newsletter" immer wieder kritisiert.
AfD-Vorstand Lucke hat den "Alternativen Newsletter" immer wieder kritisiert.(Foto: REUTERS)
Freitag, 25. April 2014

Wer ist "Andreas Hofer"?: Die AfD jagt einen Spion

Von Issio Ehrich

Der "Alternative Newsletter" hat Skandale in der AfD enthüllt. Oft veröffentlichte er aber auch Falschmeldungen. Der Partei war das Internetportal so oder so ein Ärgernis. Bis jetzt. Sie hat den Urheber enttarnt. Das glaubt zumindest der Parteivorstand.

Der Mann, der sich Andreas Hofer nennt, hat der "Alternative für Deutschland" (AfD) oft übel mitgespielt - mit seinem Blog "Alternativer Newsletter". Dort berichtete er über die angebliche rechtsextreme Vergangenheit von Parteimitgliedern. Er schrieb über Kredite, die sich die AfD vor der Bundestagswahl bei einem Hamburger Reeder besorgte - möglicherweise eine verschleierte Parteispende.

Auch vor Polemik, die wohl strafrechtliche Tatbestände erfüllt, schreckte er nicht zurück. Hofers Ziel: verhindern, dass gefährliches Gedankengut durch die AfD einen bürgerlichen Anschein bekommt. Oft stimmten seine Berichte, aber nicht immer. Der Spitze der AfD ist er so oder so seit Langem ein Ärgernis. Jetzt allerdings hat die Parteiführung den Mann identifiziert. Das behauptet sie zumindest.

Der Bundesvorstand hat am Donnerstagabend die Parteimitglieder darüber informiert, dass es einen "Tatverdacht gegen ein namentlich bekanntes ehemaliges AfD-Mitglied" gibt. In dem Schreiben, das n-tv.de vorliegt, fordert die Spitze der Partei Vergeltung. "Die AfD wird unter allen rechtlichen Gesichtspunkten weitere Schritte prüfen." Gegen Hofer liegen schon jetzt mehrere Strafanzeigen wegen Verleumdung vor. Aber hat die Partei wirklich den richtigen erwischt?

Wie aus einem Agentenfilm

Der Mann, der sich in Anlehnung an einen Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer nennt, hat sich vor einer Woche der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung anvertraut und über sein Wirken berichtet. Das Blatt, das auch zuerst darüber berichtete, dass der Bundesvorstand den Übeltäter angeblich enttarnt hat, schildert ein Vorgehen, das gut in einen Agentenfilm passen würde.

Hofer hat sich demnach ein Netz von Vertrauten gesponnen, das bis in Parteivorstand und Bundesgeschäftsstelle der AfD reicht. Die Mitglieder dieses Netzwerkes liefern ihm Dokumente, Informationen und Tratsch aus den Schaltzentren der Partei.

Zum eigenen Schutz tritt Hofer mit immer wechselnden E-Mail-Adressen mit seinen Quellen in Kontakt. Er nutzt offene Wlan-Netze und ändert regelmäßig seine Telefonnummer. Erhascht er eine brisante Information, publiziert er sie in bissigen Berichten auf seinem Blog. Und schickt sie eigenen Angaben zufolge per Newsletter an 117 Redaktionen, vier Nachrichtenagenturen und 32 namentlichen Redakteuren großer Zeitungen, die sich dafür angemeldet haben.

Einzeltäter oder Netzwerk

Ein entscheidendes Detail, über das Hofer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtet, ist, dass er nicht der Einzige ist, der hinter dem Newsletter steckt. Er hat demnach drei Mitstreiter, die sich Melanie Jacob, Jochen Schroeder und Soeren Hinrichsen nennen. Von einem "konspirativen Quartett" ist die Rede. Um sich zu schützen, kommunizieren sie angeblich nur unter Pseudonym miteinander und haben sich bisher nie getroffen.

Genau an dieser Stelle klafft eine Lücke zwischen der Erzählung Hofers und der Darstellung der AfD-Führung. Die behauptet, dass eine IT-Sicherheitsfirma, die die Partei mit der Suche des Übeltäters beauftragt hat, den Urheber des Newsletters ausfindig gemacht hat. Und von der AfD-Spitze heißt es: "Diese Person handelt nach unserer Auffassung als Einzelperson." Dass eine ganze "Redaktion" hinter dem Newsletter stecke, hält die AfD für falsch. Es ist in dem Schreiben lediglich von anderen Personen die Rede, die dem Alternativen Newsletter "wissentlich oder unwissentlich assistieren". Ansonsten fallen Sätze wie: "Der Autor hetzt aus dem Dunkel des Internets. Er ist zu feige, sich der direkten Konfrontation in einer öffentlichen Diskussion zu stellen."

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist die Person, die die AfD als alleinigen Urheber enttarnt zu haben glaubt, eigenen Angaben zufolge bekannt. Sie bestätigt nicht, dass es sich dabei um jenen Andreas Hofer handelt. Immer wieder ist von Saboteuren in der Mehrzahl die Rede. In einem Bericht beschreibt das Blatt Hofer als den Chef einer Gruppe.

Auf Anfrage von n-tv.de räumt die Pressestelle der AfD ein, dass es nicht zu "100 Prozent gesichert" sei, dass sie Andreas Hofer entdeckt habe. Auch, dass es womöglich Mitstreiter gibt, sei nicht restlos auszuschließen. Erklärend hieß es, man habe nicht über mögliche Netzwerke spekulieren, sondern sich lediglich auf die Fakten berufen wollen, die von der IT-Sicherheitsfirma und der Staatsanwaltschaft gekommen seien. Es ist also ungewiss, ob der AfD der lang ersehnte Fang geglückt ist. Vielleicht hat die AfD Hofer enttarnt und kann das Treiben auf dem Alternativen Newsletter nun eindämmen. Vielleicht hat sie aber auch nur ein Mitglied eines Netzwerkes entdeckt - und der Rest der Truppe enthüllt und schimpft weiter.

Quelle: n-tv.de

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