Politik

Nach Putschversuch in der Türkei Ditib soll sich von Erdogan distanzieren

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Vor einer Woche gingen in Köln Zehntausende Erdogan-Anhänger auf die Straße.

(Foto: imago/Bettina Strenske)

900 Gemeinden gehören dem Moscheenverband Ditib an. Einige Bundesländer arbeiten mit dem Verein zusammen, der der türkischen Religionsbehörde nahe steht. Politiker aus CSU und SPD fordern nun eine Distanzierung von der türkischen Regierung.

Angesichts der Repressionen gegen Regierungskritiker in der Türkei haben Bundespolitiker von Union und SPD gefordert, dass sich der türkisch-islamische Verband Ditib klar von der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan distanziert. Eine Zusammenarbeit mit Ditib als dem größten deutschen Moscheenverband könne nur fortgesetzt werden, wenn sich der Verband nicht von Erdogan "als unkritisches Sprachrohr instrumentalisieren lässt", sagte der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer der "Welt".

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion forderte, dass Ditib seine Eigenständigkeit unter Beweis stellen müsse, "bevor weitere Kooperationsgespräche" fortgeführt würden.

Ähnlich äußerte sich die kirchen- und religionspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese. Sie erwarte von Ditib, dass der Verband "die Verhaftungswelle sowie die Einschränkungen von Demokratie und Meinungsfreiheit in der Türkei nicht rechtfertigt oder gar unterstützt".

"Notfalls auch Imame ausweisen"

"Wir können nicht dulden, dass Erdogans Politik in deutsche Moscheegemeinden hineingetragen wird", sagte Griese der "Welt". "Gerade Ditib muss man kritische Fragen stellen, zumal wegen problematischer Freitagspredigten oder in den Fällen, in denen zu Hass und Gewalt aufgerufen wird", sagte Griese. "Da müssen notfalls auch Imame ausgewiesen werden."

Zwar sprach Griese sich dafür aus, weiterhin "mit Ditib im Gespräch" zu bleiben. Das gelte schon deshalb, weil der Islam in Deutschland bislang keine repräsentativen Vertretungsformen herausgebildet habe und Verbände wie Ditib die einzigen Gesprächspartner seien, "die wir beim Thema Islam hier haben". Doch sei es "völlig falsch" zu behaupten, dass der Islam sich "überhaupt nicht demokratisch repräsentativ organisieren" könne. Daher müssten auch die islamischen Verbände an demokratischen Kriterien gemessen werden.

Etwa 900 Gemeinden organisiert

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist der größte islamische Verband in Deutschland. Laut Selbstdarstellung gehören der Ditib bundesweit rund 900 Moscheegemeinden an. Der Dachverband ist personell und organisatorisch eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara verwoben. Mehrere Bundesländer überprüfen angesichts der Entwicklung in der Türkei die Zusammenarbeit mit Vereinen wie Ditib, die etwa beim Religionsunterreicht kooperieren.

Die türkische Regierung geht seit dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli massiv gegen Armeeangehörige, Staatsbedienstete, Journalisten und Wissenschaftler vor, die der Nähe zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen bezichtigt werden. Ankara macht Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Gülen, einst enger Verbündeter Erdogans und nun dessen Erzfeind, weist eine Verwicklung in den Putschversuch entschieden zurück.

Quelle: ntv.de, mli/AFP

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