Politik

"Alarmierender Trend" in Afghanistan Drei Bundeswehrsoldaten verletzt

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(Foto: dpa)

Ein UN-Bericht zur Lage in Afghanistan zeichnet ein düsteres Bild: Jede Woche drei Selbstmordattentate. Jeden Monat zwei schwere Anschläge. Jedes Jahr Hunderte Tote. Bei Feisabad werden bei einem Sprengstoffanschlag auf die Bundeswehr wieder drei Soldaten verletzt.

Bei einem Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan sind drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer verletzt worden. Die Verwundungen seien nicht lebensgefährlich, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mit. Bei dem Anschlag mit einem behelfsmäßigen Sprengsatz sei das Fahrzeug der Patrouille vom Typ "Dingo" schwer beschädigt worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am Samstag rund 60 Kilometer südlich von Feisabad.

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Vorbereitung auf Afghanistan: Lehrübung auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern).

(Foto: dpa)

Nach Angaben der Bundeswehr wurde kurz zuvor bereits in der Nähe von Kundus eine Patrouille mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen. Die Soldaten hätten jedoch ausweichen können. Niemand sei verletzt worden. Derzeit sind im Rahmen der NATO-Truppe ISAF rund 4300 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz.

UN zeichnet düsteres Bild

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen hat sich die Zahl der Bombenanschläge in Afghanistan fast verdoppelt. In den ersten vier Monaten sei die Zahl der Angriffe mit Sprengsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 94 Prozent gestiegen, heißt es in einem Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Bericht spricht von einem "alarmierenden Trend".

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Jede Woche drei Selbstmordattentate...

(Foto: REUTERS)

Jede Woche gebe es drei Selbstmordattentate, die Hälfte davon im Süden des Landes. Zwei dieser Anschläge im Monat müssten als "umfassend" gelten, also mit zahlreichen Toten und Verletzten. Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt nur einen größeren Anschlag pro Monat. Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild von Afghanistan. Während die USA von einem "langsamen, aber stetigen Fortschritt" sprechen, hat sich die Sicherheitslage nach Auffassung der UN "nicht verbessert". Allerdings sehen auch die Vereinten Nationen einen Zusammenhang zu der Offensive der NATO- und USA-Truppen im Süden des Landes.

"Im Ganzen hat sich die Zahl der Zwischenfälle im Vergleich zu den Vorjahren signifikant erhöht", heißt es in dem Bericht. "Die Verschiebung zu komplexeren Selbstmordangriffen zeigt die wachsende Fähigkeit der mit Al-Kaida verbundenen örtlichen Terrornetzwerke."

Dennoch "einige positive Entwicklungen"

Der UN-Bericht sieht aber auch "trotz der instabilen Sicherheitslage einige positive Entwicklungen" im zivilen Bereich. Seit die afghanische Regierung die Führung beim Aufbau des Landes übernommen habe, gebe es sichtbare Erfolge. Deshalb müsse die "Afghanisierung" in den Bereichen Sicherheit, Verwaltung und Entwicklung das Hauptziel aller bleiben.

Zivile Opfer bei NATO-Angriff

Bei einem Luftangriff der NATO im Osten Afghanistans sind nach afghanischen Angaben fünf Zivilisten getötet worden. Der Leiter der Gesundheitsbehörde der Provinz Chost, Rahmazai Mangal, sagte, im Provinzkrankenhaus seien die Leichen von fünf Zivilisten eingeliefert worden. Unter den Todesopfern seien zwei Mädchen im Alter von sieben und acht Jahren. Ein 14-jähriger Junge sei bei dem Angriff verletzt worden. Der Polizeichef von Chost, Abdul Hakim Ischaksai, erklärte, das Bombardement sei gegen Stellungen der radikalislamischen Taliban im Bezirk Mussa Chel gerichtet gewesen. Außer den Zivilisten seien 38 Taliban-Kämpfer getötet worden.

Das afghanische Innenministerium und die NATO bestätigten den Vorfall zunächst nicht. Die Angaben würden überprüft, hieß es in Erklärungen.

Der Befehlshaber der NATO-Truppe in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, hatte das Ziel ausgegeben, die Zahl ziviler Opfer bei NATO-Angriffen zu verringern. Laut einer UN-Studie nahm die Zahl ziviler Todesopfer im vergangenen Jahr um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. Die meisten der 2142 Todesfälle bei Kämpfen im Jahr 2009 haben demnach die Taliban zu verantworten.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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