Politik

Zwischenbilanz Ein Jahr Green Card

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung die so genannte Green Card eingeführt. Mit ihr sollten ausländische Computer-Spezialisten ins Land geholt werden, die hier dringend benötigt werden.

Die Gesellschaft für Informatik (GI) zieht eine positive Zwischenbilanz. Die bisher angeworbenen 8.550 Informatikfachleute übertreffen zahlenmäßig einen gesamten Absolventenjahrgang an deutschen Hochschulen, sagte GI-Geschäftsführer Jörg Maas in Bonn. Es könne davon ausgegangen werden, dass weitere 20.000 Arbeitsplätze daraus entstanden seien.

Allerdings ist die Zahl der Bewerber aus dem Ausland deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Schon vor der Einführung der Green Card hatten Kritiker bemängelt, dass der deutsche Arbeitsmarkt und die auf fünf Jahre beschränkte deutsche Green Card für hochqualifizierte IT-Spezialisten im Vergleich zu anderen Ländern nicht attraktiv genug sei.

Mit den ins Land gekommenen 8.550 Fachkräften wurde nicht einmal das erste von zwei Teilkontingenten über jeweils 10.000 Green Cards ausgeschöpft.

Riester: Green Card hat Diskussion angestoßen

Dennoch zogen Bundesregierung und Arbeitgeber eine positive Bilanz. Bundesarbeitsminister Walter Riester sagte, die Green-Card-Regelung habe "eine sehr konstruktive gesellschaftliche Diskussion" über eine neue Einwanderungspolitik in Gang gebracht.

Riester unterstrich, von der Green Card profitierten neben den direkt Angeworbenen auch viele andere, weil zusätzliche neue Stellen entstanden seien. Auch die Ausbildungszahlen im IT-Bereich seien deutlich gestiegen, die Verbesserung der Studienbedingungen für IT-Kräfte in Deutschland sei eingeleitet.

Hundt: Fachkräftemangel wurde gemildert

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die angeworbenen Spezialisten aus dem Ausland hätten dazu beigetragen, den Fachkräftemangel bei den Firmen der Informationstechnologie zu mildern. "Das gilt insbesondere für mittelständische Firmen, in denen zwei Drittel der angeworbenen Arbeitskräfte tätig sind."

Engelen-Kefer: Ausbildung ausweiten

Dagegen äußerte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund skeptisch. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sprach von einer Fehleinschätzung. "Es sieht so aus, dass die Wirtschaft ihren Bedarf weit überschätzt hat", sagte sie. Engelen-Kefer forderte die Unternehmen auf, in ihren Anstrengungen zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze nicht nachzulassen. Gleichzeitig verlangte sie, die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen für die naturwissenschaftlichen und technischen Fächern auszubauen.

Quelle: n-tv.de

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