Politik

Gammelfleisch weit geliefert Einheitliche Kontrollen gefordert

Vergammeltes Fleisch und andere Lebensmittel sind aus zwei bayerischen Betrieben nach einem Zeitungsbericht in insgesamt neun EU-Staaten geliefert worden.

"Diese Länder wurden informiert, so dass sie verdächtige Waren aufspüren und vom Markt nehmen können", zitierte die "Bild"-Zeitung am Mittwoch einen EU-Sprecher. In einem bayerischen Betrieb sei die Ausfuhr von rund 50 Tonnen Fleisch, Lebensmittel und Gemüse mit abgelaufenem Verfallsdatum gestoppt worden. Lieferungen nach Tschechien, Italien, Dänemark, Frankreich und in die Benelux-Länder seien aber bereits abgeschickt gewesen.

Am Montag waren in mehreren Bundesländern Fleischlieferungen von zwei verdächtigen Händlern in Bayern entdeckt worden. Vergangene Woche hatte die Polizei in Bayern 120 Tonnen Fleisch sichergestellt, das nach bisherigen Untersuchungen ungenießbar ist. Ein in den Skandal verwickelter Großhändler nahm sich am Mittwoch das Leben.

Merkel für einheitliche Kontrollen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach dem jüngsten Gammelfleischskandal einheitliche Standards bei Kontrollen gefordert. Die Regierung wolle nicht die Kontrollen übernehmen, die Länder müssten sich aber zu einer gemeinsamen Informationsplattform bereit erklären, sagte sie am Mittwoch im Bundestag. "Es geht nicht, dass jeder alles für sich behält und sich anschließend wundert, dass flächendeckend Verfehlungen auftreten." Die Länder sollten auch dem Gesetz für mehr Verbraucherinformationen im Bundesrat zustimmen.

Seehofer sieht Chancen für Reform

Zuvor hatte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) trotz des Widerstands aus den Ländern Chancen für eine Reform der Lebensmittelkontrollen nach dem jüngsten Gammelfleischskandal gesehen. "Ich werde nicht ruhen, bevor das nicht erfüllt ist", sagte er in einem Interview. Seehofer strebt eine Koordination der Länderkontrollen auf Bundesebene und einheitliche Standards an. "Ich bin da zuversichtlich", sagte er. Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) hatte seinen Widerstand gegen bundeseinheitliche Standards am Dienstag aufgegeben.

Absatzeinbrüche beim Handel

Der Gammelfleisch-Skandal hat teilweise "zu sehr starken Einbrüchen beim Absatz" geführt. In einem Interview von Deutsche-Welle-TV sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, das gelte vor allem dort, "wo anonym eingekauft wird, wo kein Name dahinter steht". Wo die Verbraucher "den Metzger oder das Lokal kennen und Vertrauen in die Firma, in die Person haben, dort haben wir sogar sehr starke Umsatzzuwächse", sagte der Verbands-Chef im deutschen Auslandsfernsehen.

"Im Zwischenhandel des Fleischhandels werden die Warenströme nicht kontrolliert, die Kontroll- und Prüfsystematik stimmt nicht. Dort wird mit hoher krimineller Energie gehandelt. Dieser Sumpf muss trockengelegt werden", forderte der Bauernpräsident.

Quelle: ntv.de