Politik

Geistlicher spricht von Inszenierung Erdogan will Gülen zur Verantwortung ziehen

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Gülen lebt im US-Staat Pennsylvania

(Foto: dpa)

Erdogan macht seinen Erzfeind Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Jetzt fordert er die Auslieferung des Predigers aus den USA. Der Geistliche hält es sogar für "möglich, dass der Putschversuch inszeniert" war.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei verlangt Präsident Recep Tayyip Erdogan von den USA die Auslieferung oder Festnahme des Predigers Fethullah Gülen. Erdogan hält den im US-Staat Pennsylvania lebenden Gülen für den Drahtzieher der Militäraktion. US-Außenminister John Kerry erklärte, Washington werde ein etwaiges Auslieferungsersuchen prüfen und "angemessen" darüber entscheiden.

Erdogan wandte sich mit seiner Forderung direkt an US-Präsident Barack Obama. Wenn die USA und die Türkei tatsächlich strategische Partner seien, müsse Obama handeln, sagte der türkische Präsident in einer Ansprache am Abend vor Anhängern in Istanbul. "Die USA müssen diese Person ausliefern", sagte er. Die Putschisten hätten in Verbindung "mit äußeren Kräften" gehandelt, sagte Erdogan - ohne weitere Angaben zu machen.

Gülen ist seit einem schweren Zerwürfnis 2013 einer der heutigen Erzfeinde Erdogans. Der islamische Prediger hat den Vorwurf zurückgewiesen und den Putschversuch von Teilen des Militärs scharf verurteilt. Er habe in den vergangenen Jahrzehnten selbst mehrere Militärputsche in seinem Heimatland miterleben müssen, daher sei die Behauptung, er sei in den Staatsstreich verwickelt, "besonders beleidigend", erklärte der Geistliche. Er hält es nach eigenen Angaben sogar für "möglich, dass der Putschversuch inszeniert" war und forderte die Bevölkerung der Türkei auf, eine militärische Intervention nicht in einem positiven Licht zu beurteilen. Eine Demokratie könne durch militärisches Vorgehen nicht erreicht werden, sagt Gülen.

Kerry äußert sich präventiv

Kerry hatte sich - quasi schon präventiv - vor Erdogans Aufforderung bei einem Aufenthalt in Luxemburg geäußert. Die USA seien dazu bereit, Ermittlungen zu unterstützen, um herauszufinden, wer den Putschversuch in der Türkei initiiert habe und woher die Unterstützung gekommen sei, sagte der US-Chefdiplomat. Gehe ein Auslieferungsersuchen ein, werde es "in Betracht gezogen". "Offensichtlich laden wir die Regierung der Türkei ein, wie wir es immer tun, uns jegliche legitime Beweise vorzulegen, die einer Prüfung standhalten", fügte Kerry hinzu.

Am Abend feierten Tausende Anhänger Erdogans auf dem Taksim-Platz in Istanbul den Sieg über die Putschisten. Viele schwenkten die türkische Flagge und riefen "Gott ist groß". Auch auf der Unabhängigkeitsstraße in Istanbul schwenkten die Menschen Fahnen, Autos fuhren laut hupend die Straße entlang. Seit den Protesten in der Türkei im Jahr 2013 sind regierungskritische Demonstrationen auf dem Taksim-Platz grundsätzlich verboten.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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