Politik

"Muslime entdeckten Amerika" Erdogan will Schulbücher ändern lassen

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"Das ist nicht meine eigene Behauptung", verteidigte Erdogan seine Aussage zur muslimischen Entdeckung Amerikas.

(Foto: REUTERS)

Muslimische Seefahrer haben Amerika schon 300 Jahre vor Kolumbus entdeckt: So interpretiert der türkische Präsidenten Erdogan eine umstrittene Aufzeichnung von Kolumbus. Diese Version würde Erdogan auch gerne in türkischen Schulbüchern sehen.

Der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, hat seine Aussage verteidigt, laut welcher muslimische Seefahrer schon über 300 Jahre vor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt haben sollen. Erdogan forderte darüber hinaus, dass dies nun auch in türkischen Schulbüchern festgehalten werde. Das Bildungsministerium trage in der Angelegenheit eine "große Verantwortung", sagte Erdogan in Ankara.

"Das ist nicht meine eigene Behauptung", sagte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu bei der Eröffnung einer religiös geprägten Schule in der türkischen Hauptstadt. "Sehr angesehene Wissenschaftler in der Türkei und in der Welt" teilten seine Ansicht. Wer das bestreite, traue den Muslimen solche Taten nicht zu. Darin zeige sich ein "Mangel an Selbstvertrauen". Der Beitrag des Islams zur Geographie sei "weit größer als allgemein bekannt", unterstrich Erdogan.

Historiker bewerten Passage anders

Erdogan hatte am Samstag bei einem Treffen mit Muslimen aus Lateinamerika in Istanbul gesagt, dass muslimische Seeleute die Neue Welt schon 1178 entdeckt hätten. Der allgemein als Entdecker Amerikas geltende Kolumbus habe in seinen Aufzeichnungen eine Moschee auf einem Hügel an der Küste des heutigen Kuba erwähnt, sagte der türkische Präsident. Anschließend erklärte sich Erdogan, der sich gern als frommer Moslem darstellt, noch bereit, an besagter Stelle eine Moschee errichten zu lassen.

Den Geschichtsbüchern zufolge entdeckte der aus Genua stammende Seefahrer Kolumbus 1492 auf der Suche nach einer westlichen Passage nach Indien den amerikanischen Kontinent. In einem umstrittenen Artikel hatte der Historiker Youssef Mroueh bereits 1996 Kolumbus' Tagebucheintrag zitiert. Seine Kollegen weltweit interpretieren diesen jedoch anders - nach ihrer Auffassung nutzte Kolumbus die Moschee beziehungsweise deren Minarette nur als bildhaften Vergleich zur Beschreibung einer Hügelkette.

Quelle: ntv.de, bwe/AFP/dpa

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