Politik

Wahlen in Bosnien-Herzegowina Erfolge für Nationalisten

Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina am Sonntag haben sich die nationalistischen Parteien der Muslime, Serben und Kroaten durchgesetzt. Gemäßigte bürgerliche Parteien kamen nicht zum Zuge. Für die muslimische Bevölkerungsmehrheit verkündete der frühere Kriegsaußenminister Haris Silajdzic den Sieg seiner Partei SBiH. Bei den Serben als der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe gewann die SNSD des bosnisch-serbischen Ministerpräsidenten Milorad Dodik.

Gewählt wurden das dreiköpfige Staatspräsidium, das Bundesparlament, die Parlamente der zwei Teilstaaten sowie die Vertretungen in zehn Landkreisen und der Präsident des serbischen Landesteils. Im Staatspräsidium wird Silajdzic die Muslime vertreten, wie die zentrale Wahlkommission am Montagabend in Sarajevo mitteilte. Für die serbische Bevölkerungsgruppe rückt den Angaben nach Nebojsa Radmanovic ins Präsidium, für die bosnischen Kroaten Zeljko Komsic.

Bei den gut eine Million zählenden serbischen Wählern hatte Dodik nach seiner Drohung mit einem Abspaltungsreferendum auf allen Ebenen die absolute Mehrheit errungen. Sein Hauptgegner, die nationalistische SDS des als Kriegsverbrecher gesuchten Radovan Karadzic, erkannte am Montag den Dodik-Sieg an.

Nach Angaben der Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung am Sonntag bei 54,8 Prozent. Erste Analysen begründeten das gute Abschneiden von Silajdzic mit dessen Forderung nach Aufhebung des serbischen Teilstaates. Der radikalere Silajdzic hat nach Teilergebnissen die bisher unter den Muslimen Ton angebende SDA des inzwischen gestorbenen ersten Staatspräsidenten Alija Izetbegovic abgelöst. Von den gut vier Millionen Einwohnern Bosniens sind 48 Prozent Muslime, 34 Prozent Serben und 15 Prozent Kroaten.

Nach dem Bürgerkrieg (1992-1995) war eine komplizierte Staatsverwaltung errichtet worden, die heute den weitaus größten Teil des Staatshaushaltes aufzehrt. Die jetzt bestätigten nationalistischen Parteien waren schon in der Vergangenheit für die Selbstblockade des Landes verantwortlich. Obwohl Bosnien pro Kopf der Bevölkerung mehr ausländische Hilfen erhalten hatte als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Marschallplan, steht das Land vor dem Bankrott.

Quelle: ntv.de