Politik

400 Jesiden und Muslime beteiligt Erneute schwere Ausschreitungen in Celle

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Am Anfang der Auseinandersetzung zwischen Jesiden und Muslimen stand offenbar ein banaler Streit zwischen zwei jungen Männern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nur der Einsatz mehrerer hundert Polizisten kann eine verheerende Massenschlägerei in Celle gerade noch verhindern. Nach gescheiterten Verhandlungen sind Jesiden und Muslime in der Stadt weiter gewaltbereit, Radikale heizen die Lage im Internet weiter an.

In Celle ist es erneut zu Ausschreitungen zwischen kurdischen Jesiden und tschetschenischen Muslimen gekommen. Rund 400 Beteiligte konnten erst durch ein Großaufgebot von mehreren hundert Polizisten von einer Massenschlägerei wie am Vortag abgehalten werden.

Ein Polizeisprecher sagte, beide Parteien hätten bis spät in den Abend hinein dennoch die Auseinandersetzung gesucht und versucht, die Polizeiketten zu durchbrechen. Nur das "konsequente polizeiliche Einschreiten" konnte die Parteien davon abhalten, mit Knüppeln, Flaschen und Steinen aufeinander loszugehen. Die Polizei setzte auch Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um die Menge im Zaum zu halten. Vier Beamte und fünf Teilnehmer der Auseinandersetzung wurden verletzt.

Islamisten heizen Konflikt im Netz an

Die Lage in Celle ist ähnlich wie in anderen Städten schon seit Tagen angespannt. Bereits am Montag war es in der niedersächsischen Stadt zu Schlägereien zwischen Jesiden und Tschetschenen gekommen. Wegen der neuen Zuspitzung am Dienstag waren dort zahlreichen Polizisten aus ganz Niedersachsen sowie aus Bremen zusammengezogen worden. Mehrere Schlichtungsversuche von Vertretern beider Lager zusammen mit dem Oberbürgermeister und der Polizei waren zuvor gescheitert.

Angaben der Stadt zufolge habe der Aufruf radikaler Islamisten in sozialen Medien die Ausschreitungen weiter befeuert. Demnach habe unter anderem der salafistische Prediger Pierre Vogel dazu aufgerufen, den Muslimen zu Hilfe zu eilen, wie eine Sprecherin der Stadt Celle mitteilte.

Das Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in den kurdischen Stammesgebieten in Syrien und dem Irak habe die Jesiden in der knapp 70.000 Einwohner zählenden niedersächsischen Stadt emotional stark aufgewühlt, urteilte die Polizei. Der konkrete Auslöser der Eskalation in Celle, einer Hochburg der jesidischen Gemeinschaft in Deutschland, sei angeblich ein banaler Streit zwischen zwei jungen Männern gewesen. Dies sagte auch der Vertreter des jesidischen Zentrums in Celle, Pashin Ipek. Die angebliche Präsenz tschetschenischer Muslime unter den IS-Angreifern auf die Kurdengebiete habe die Auseinandersetzung dann weiter verschärft und schließlich zu dem Gewaltausbruch geführt.

Quelle: ntv.de, bwe/AFP/dpa