Politik
Freitag, 13. Oktober 2006

München und Karlsruhe: Erste deutsche Elite-Unis

Die beiden Münchner Unis und die TH Karlsruhe sind die ersten deutschen Eliteuniversitäten. Nach Begutachtungen einer hochkarätigen Wissenschaftsjury traf ein Bewilligungsausschuss am Freitag in Bonn diese Entscheidung. Hochschulen aus Bayern und dahinter aus Baden-Württemberg gingen als deutliche Gewinner aus dieser ersten Entscheidungsrunde zur Förderung von Spitzenuniversitäten hervor.

Die drei Unis werden in den nächsten Jahren insgesamt weit über 100 Millionen Euro zusätzlich von Bund und Ländern für den Ausbau ihrer Spitzenforschung und für die Entwicklung zu einer international anerkannten Elitehochschule erhalten. Daneben erhalten im Zuge der so genannten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern viele weitere Hochschulen Fördermittel - insgesamt sollen 18 Graduiertenschulen und 17 Spitzenforschungszentren finanziert werden.

Stoiber: "sensationeller Erfolg für Bayern"

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von einem "sensationellen Erfolg für Bayern". Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, dass einzig wissenschaftliche Leistung das Kriterium für eine Förderung sei und regionale Gesichtspunkte "keine Rolle" spielten. Der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Christian Bode, sagte: "Ich wünschte mir, wir hätten etwas Ähnliches auch für die Lehre."

Neben dem Geld für die beiden Münchner Eliteuniversitäten erhält Bayern zudem Förderung für vier Graduiertenkollegs und fünf neue Spitzenforschungszentren. Baden-Württemberg bekommt vier solcher Kollegs und drei Zentren finanziert. Das hochschulreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt im Mittelfeld. Mit Abstand folgen Hessen und Niedersachsen. Der Osten geht außer Sachsen leer aus, ebenso auch der Norden außer Schleswig-Holstein. Ebenfalls ohne Förderung blieben Hamburg wie auch der übrige Süden mit dem Saarland und Rheinland-Pfalz.

"Wir konnten das nur noch abnicken"

Der schleswig-holsteinische Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) erhob nach dem Wettbewerb schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihren Präsidenten Ernst-Ludwig Winnacker: Das Entscheidungsverfahren sei erst kurz vor der Sitzung des Bewilligungsausschusses so verändert worden, dass die Wissenschaftsminister praktisch keinen Einfluss mehr auf den Ausgang gehabt hätten. "Wir konnten das nur noch abnicken", sagte Austermann.

Zum Konzept des Wettbewerbs gehöre, dass Bund und Länder am Ende gemeinsam mit den 27 wissenschaftlichen Gutachtern die Entscheidung fällen. Dagegen habe Winnacker jedoch verstoßen. Austermann sagte weiter, es habe eine "zweistündige erregte Diskussion" gegeben, in deren Verlauf einige Minister beinahe den Rücktritt Winnackers vom Vorsitz des Gremiums gefordert hätten.

"Respekt vor der Wissenschaft"

Schavan sagte, dass die "ausschließlich eindeutige" Entscheidung der Wissenschaft zwar überraschend gewesen sei, aber schließlich auch von der Politik einstimmig mitgetragen worden sei. Dies sei "auch ein Signal des Respekts vor der Wissenschaft". Wissenschaft wie Politik hätten ihre Entscheidung mit großer "Gewissenhaftigkeit" getroffen, von einem "Eklat" könne keine Rede sein. Schavan sagte, die Exzellenzinitiative sei ein "wichtiges Signal an unsere Hochschulen für die Stärkung der universitären Forschung". Die stellvertretende Vorsitzende Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer sagte: "International konkurrenzfähige Leuchtturmunis stehen künftig schlecht finanzierten Hochschulen für die Massenabfertigung von Studierenden gegenüber."

Mit Graduiertenschulen gefördert werden die RWTH Aachen, die FU Berlin, die Humboldt Uni Berlin, die TU Berlin, die Ruhr Uni Bochum, die Uni Bonn, die Uni Bremen, die TU Dresden, die Uni Erlangen/Nürnberg, die Uni Gießen, die Medizinische Hochschule Hannover, die Uni Heidelberg, die Uni Karlsruhe (TH), die Uni Mannheim, die Uni München, die TU München und die Uni Würzburg.

Spitzenforschungszentren (Exzellenzcluster) werden: RWTH Aachen (zwei Mal), Uni Bonn, TU Dresden, Uni Frankfurt/Main, Uni Gießen, Uni Göttingen, Medizinische Hochschule Hannover, Uni Heidelberg, Uni Karlsruhe (TH), Uni Kiel, Uni Konstanz, Uni München (drei Mal) und die TU München (zwei Mal).

Mit den Entscheidungen endete die erste Runde in dem Programm zum Ausbau der universitären Spitzenforschung. Das Programm ist mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro ausgestattet. Der Bund trägt 75 Prozent der Kosten und die Länder 25 Prozent. Ist eine Hochschule dieses Mal nicht zum Zuge gekommen, kann sie sich in einer der zweiten Runde, die im September eingeläutet wurde, erneut bewerben. Darüber wird endgültig dann im Oktober 2007 entschieden.

Quelle: n-tv.de