Politik

Zehn Tage danach Erster Schultag in Erfurt

Für die Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums hat zehn Tage nach dem Massaker in ihrer Schule, die langsame Rückkehr in die Normalität begonnen. Am Montagmorgen versammelten sie sich in einer ehemaligen Grundschule, die der Gutenberg-Schule vorerst als Ausweichquartier dienen wird.

Dort wird ihnen zunächst vier Stunden Unterricht pro Tag unter psychologischer Betreuung angeboten. Sicherheitspersonal wachte darüber, dass wirklich nur Schüler und Lehrer das Gebäude betraten. Die Schüler, von denen viel noch immer unter Schock stehen, hatten sich gewünscht, in ihren Klassenverbänden zusammen zu bleiben und nicht auf andere Schulen der Stadt verteilt zu werden.

Für die zwölf ermordeten Lehrerinnen und Lehrer springen Kollegen aus Thüringen und von der Mainzer Partnerschule ein. Von den 41 Pädagogen, die das Massaker überlebten, sind einige noch nicht in der Lage, wieder Unterricht zu geben.

Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge (CDU) kündigte an, dass das Gebäude des Gutenberg-Gymnasiums komplett saniert werde. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe zugesagt, dass der Bund die Kosten dafür übernehmen werde.

Der Vorsitzende des Schulvereins, Harald Dörig, sagte, im Mittelpunkt des Unterrichts werde zunächst die Frage stehen, auf welche Weise die zwölften Klassen ihre Abiturprüfungen beenden können. Die Kultusministerkonferenz hatte am Freitag beschlossen, dass die Abiturienten keine weiteren Klausuren schreiben müssen.

Dörig betonte, auch der Unterricht der elften Klassen sei wichtig. Diesen Schülern müsse ermöglicht werden, alle für die Zulassung zum Abitur notwendigen Leistungen erbringen zu können.

Der Erfurter Todesschütze Robert Steinhäuser hat vor seiner Bluttat im rechtlichen Sinne keinen Schulverweis erhalten. Steinhäuser sei vielmehr im Oktober 2001 zu einem Schulwechsel aufgefordert worden, weil das Vertrauensverhältnis zu Schulleitung und Lehrern am Gutenberg-Gymnasium nachhaltig gestört war, sagte Kultusstaatssekretär Hermann Ströbel. Das hätten die Schulakten ergeben. Zunächst war das Ministerium von einem Schulverweis ausgegangen.

Steinhäuser hatte am 26. April zwölf Lehrerinnen und Lehrer, die Sekretärin der Schule, zwei Schüler und einen Polizisten getötet und sich anschließend selbst das Leben genommen.

Quelle: n-tv.de

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