Politik

Drei Fallstricke und diverse Baustellen Es wird eng für Guttenberg

Der Befreiungsschlag ging ins Leere: Mit einer Entschuldigung und dem vorübergehenden Verzicht auf den Doktortitel kann sich Guttenberg in der Schummelaffäre keine Luft verschaffen. Hohn und Spott nehmen zu, immer neue Vorwürfe machen ihm zu schaffen.

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(Foto: AP)

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich entschieden zu kämpfen. In einem am Wochenende verbreiteten Interview beteuerte er, dass er in den letzten Tagen nicht ein einziges Mal an Rücktritt gedacht habe. "Unsinn", antwortete er dem "Focus" kurz und knapp auf eine entsprechende Frage. Die Reaktionen auf seinen versuchten Befreiungsschlag am Freitag dürften ihm aber klar gemacht haben, dass es ein harter Kampf werden wird.

Im Internet tauchen jeden Tag neue Spott-Videos und Karikaturen über ihn auf. "Schummel cum Laude", "Dr. Copy und Paste" und "Googleberg" wird er dort genannt. Doch nicht nur die Blogger-Szene stellt ihn als Witzfigur dar. Auf dem neuen "Spiegel" wird er als Märchenonkel veralbert, der das "Märchen vom ehrlichen Karl" vorträgt. Und in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nehmen die Guttenberg-Biografen Eckart Lohse und Markus Wehner seinen Lebenslauf auseiander. Fazit: "Nicht nur bei seiner Doktorarbeit ist das Prinzip "mehr Schein als Sein" erkennbar."

Falls der Minister gehofft haben sollte, sich mit seiner Entschuldigung und dem vorübergehenden Verzicht auf seinen Doktortitel bis zu einer Entscheidung der Universität Bayreuth Luft zu verschaffen, hat er sich getäuscht. Bis zum akademischen Urteil lauern gleich mehrere Fallstricke auf ihn.

Diebstahl geistigen Eigentums

Der erste sind die immer neuen Plagiatsvorwürfe. Laut "Spiegel" hat er 2004 beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine Ausarbeitung in Auftrag gegeben und das zehnseitige Papier fast unverändert in seine Doktorarbeit übernommen - obwohl Abgeordnete den Dienst nur für mandatsbezogene Arbeit nutzen dürfen. Die SPD forderte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zur Klärung des Vorgangs auf. "Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern in der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden", sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

Die Ghostwriter-These wird auch in den einschlägigen Internet-Foren heiß diskutiert. Viele Kommentatoren können sich nur so erklären, dass es bis zu 120 Textstellen in Guttenbergs Arbeit gibt, die ungekennzeichnet von anderen Autoren stammen sollen. Als potenzielle Hilfsarbeiter Guttenbergs werden vor allem seine damaligen Mitarbeiter im Bundestagsbüro verdächtigt.

Der Minister hat alle Spekulationen in diese Richtung bereits zurückgewiesen. "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung", erklärte er bereits Mitte vergangener Woche. Klarer geht es nicht. Genauso klar ist damit aber auch, dass er um einen Rücktritt kaum herumkommen würde, wenn ihm Fremdhilfe nachgewiesen würde.

Unterdrückte Spannungen

Die Spekulationen über die Hintergründe der Zitierfehler werden Guttenberg mindestens so lange begleiten, bis er selbst eine Erklärung dafür liefert. Der CSU-Politiker ist sie bisher komplett schuldig geblieben.

Der zweite Fallstrick ist ein politischer. Derzeit ist noch völlig offen, wie lange die Solidaritätsfront der Union hält. Öffentlich schert bisher niemand aus. Hinter vorgehaltener Hand wird aber viel Unmut über das Krisenmanagement des Ministers geäußert.

Der dritte Fallstrick für Guttenberg ist sein eigenes Ehrgefühl. Wie lange wird er den Hohn und Spott über sich ergehen lassen? Wieviel Schaden für seine Autorität ist für ihn hinnehmbar? Wann ist das Maß für ihn voll?

Affären und Reformen in der Bundeswehr

Guttenberg ist der Minister mit den größten Baustellen in der Bundesregierung. Er hat die tiefgreifendste Reform der Bundeswehr in ihrer Geschichte auf den Weg gebracht. Der Übergang zur Freiwilligenarmee muss nun organisiert werden, Standorte geschlossen, neue verteidigungspolitische Richtlinien erarbeitet werden. Der Afghanistan-Einsatz ist in einer entscheidenden Phase. Zudem warten drei Bundeswehraffären noch auf Aufklärung.

"Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch", hatte Guttenberg am Freitag gesagt. Unter den Verteidigungspolitikern im Bundestag gibt es einige, die stark bezweifeln, dass ihm die Diskussion um seine Person Luft dafür lässt.

Der Ausgang der Schummelaffäre ist jedenfalls weiter völlig offen. Auf der Internetseite des Guttenbergs - zuguttenberg.de - war am Sonntagnachmittag unter der Rubrik Verteidigungsminister ironischerweise zu lesen: "Diese Seite wird zur Zeit überarbeitet."

Quelle: n-tv.de, Michael Fischer, dpa

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