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Neue Untersuchung zum Fall Barschel Ex-Ermittler zweifelt an DNA-Test

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Muss der Fall Barschel neu aufgerollt werden? DNA-Proben sollen Klarheit bringen.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Was bringt die DNA-Untersuchung von Uwe Barschels Kleidung? Sowohl der ehemalige Barschel-Ermittler Wille als auch der heutige Staatsanwalt Möller sagen: Nichts. Trotzdem muss Möller die Untersuchung machen lassen - weil Leute wie Wille an der Mordtheorie festhalten.

Der frühere Chefermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, hält die geplante DNA-Spurensuche an Barschels Kleidung für wenig erfolgversprechend. Man könne wohl genetisches Material an der Kleidung finden, habe damit aber noch keinen Tatverdächtigen, sagt Wille. "Die mutmaßlichen Täter von damals werden wahrscheinlich nicht in den zur Verfügung stehenden Vergleichsdateien gespeichert sein", sagte der frühere Leiter der Staatsanwaltschaft Lübeck.

Auf Anregung des CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka will die Lübecker Staatsanwaltschaft nun Kleidungsstücke, die Uwe Barschel bei seinem Tod getragen hat, auf mögliche DNA-Spuren untersuchen lassen.

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Die Leiche von Uwe Barschel wird abtransportiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Oberstaatsanwalt Günter Möller ist jedoch skeptisch, ob die erneute Untersuchung zu neuen Erkenntnissen und einer Wiederaufnahme der Ermittlungen führt. Die Kleidung sei bereits durch mehrere Hände gegangen. "Ob man daran überhaupt noch fremde DNA-Spuren feststellen und sie dann auslesen kann, ist fraglich", sagte er.

"Sehr, sehr vage"

Selbst wenn, dann hätten die Ermittler zwar die DNA von irgendeinem fremden Menschen. "Die Frage ist aber, wohin das führt." Die Hoffnung, dass sich eine solche DNA-Probe mit einem gesuchten Verbrecher verbinden lassen könnte, hält Möller auf Nachfrage von n-tv.de für "sehr, sehr vage".

Auf das Ergebnis müsse man nun einige Wochen warten. "Aktuelle Mordfälle in Schleswig-Holstein gehen selbstverständlich vor", sagte Möller. Man wolle sich jedoch nicht vorwerfen lassen, Hinweisen nicht nachgegangen zu sein, erklärt Möller. Sollte die Untersuchung jedoch erwartungsgemäß ausfallen, könne man "mit Fug und Recht behaupten, dass die Ermittlungen nicht wieder aufgenommen werden".

Was die DNA-Untersuchung von Barschels Kleidung kosten wird, wusste Möller nicht. "Aber wenn man allein die Arbeitsstunden zusammenrechnet kommt da schon einiges zusammen."

Mordtheorie wird seit Jahren aufrechterhalten

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Heinrich Wille (M.) war damals einer der Ermittler im Fall Barschel. (rechts: Generalstaatsanwalt Erhard Rex)

(Foto: picture-alliance / dpa)

Ex-Ermittler Wille ist überzeugt, dass Barschel Opfer eines Giftmordes wurde. Der frühere Kieler Regierungschef war am 11. Oktober 1987 tot in einem Genfer Hotel entdeckt worden. Viele Fachleute gehen von Selbstmord aus, doch die Todesumstände wurden nie restlos geklärt.

Mit seiner Mordthese war Wille in der Vergangenheit immer wieder auf Widerstand gestoßen. So untersagte ihm 2007 sein Vorgesetzter, der frühere Generalstaatsanwalt Erhard Rex, die Veröffentlichung eines Buches über den angeblichen Mord an Barschel. Wille hätte damit dienstlich erworbenes Wissen privat vermarktet, so Rex. Seit Herbst 2010 ist Wille im Ruhestand. Sein Buch "Ein Mord, der keiner sein durfte. Der Fall Uwe Barschel und die Grenzen des Rechtsstaates" soll im September erscheinen.

Kalinka, selbst Autor des Buches "Der Fall B. - der Tod, der kein Mord sein darf", hatte im Herbst an das Kieler Justizministerium appelliert, die neuen technischen Möglichkeiten zum DNA-Abgleich zu nutzen. Außerdem hatte Ende vergangenen Jahres ein neues Gutachten die alten Mordspekulationen wieder angeheizt. Als mögliches Mordmotiv wurde immer wieder über Barschels angebliche Verstrickungen in Waffengeschäfte spekuliert.

Barschel war 1987 im Genfer Hotel Beau Rivage in der Badewanne mit einem tödlichen Medikamenten-Cocktail im Blut gestorben. Einige Experten gehen davon aus, dass er sich die Mischung von Betäubungs- und Schlafmitteln nicht habe selbst einflößen können.

Der 43 Jahre alte CDU-Politiker war wenige Tage vor seinem Tod unter großem politischem Druck zurückgetreten. Aus seiner Staatskanzlei heraus hatte in einem skandalösen Landtagswahlkampf der Referent Reiner Pfeiffer verschiedene Kampagnen gegen den damaligen SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm angezettelt.

Quelle: n-tv.de, ssc/dpa

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