Politik

Publizist und Journalist Frank Schirrmacher ist tot

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Frank Schirrmacher (1959-2014).

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Publizist und Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, ist tot. Er wurde 54 Jahre alt. Der herausragende Autor mehrerer Bestseller wie "Das Methusalem-Komplott" prägte die deutsche Debattenkultur entscheidend mit.

Völlig überraschend ist der langjährige Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) Frank Schirrmacher gestorben. Das bestätigte der Verlag. Laut "FAZ" starb er an einem Herzinfarkt - Schirrmacher wurde 54 Jahre alt. Er war mit einer Journalistin verheiratet, Vater von zwei Kindern und wohnte in Potsdam.

Schirrmacher war seit 1985 Redakteur im Feuilleton der "FAZ", vier Jahre später übernahm er die Leitung der FAZ-Redaktion "Literatur und literarisches Leben" - als Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki. 1994 stieg er zum Mitherausgeber der Zeitung auf. Er übernahm den Posten vom Historiker Joachim Fest und gewann dadurch großen Einfluss auf die politische Linie der Zeitung, die vom Herausgebergremium vorgegeben wird.

Wie die "Welt am Sonntag" 2001 schrieb, erwarb sich Schirrmacher den Ruf ein "besessener Zeitungsmacher mit genialem Gespür für Themen" zu sein. Schon 1999 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz - dies wurde mit seinen "wichtigen Anstößen" zur Literatur- und Kunstdebatte" begründet. "Indem er das Feuilleton zu einem Forum der Zeitdiagnose ausbaute, war er ein Aufklärer in der besten Tradition des Wortes", schreibt die "FAZ" in ihrer Online-Ausgabe.

Debatten mit Büchern angestoßen

Schirrmacher sorgte dafür, dass stets auch andere Positionen im Feuilleton vertreten waren, damit eine "Pluralität der Meinungen" gewährleistet war, wie es der einstige Kulturstaatsminister Michael Naumann von der SPD erklärte. Ihm selbst gelangen dabei immer wieder spektakuläre Coups - etwa als der Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass 2006 in einem Interview mit ihm gestand, in der Waffen-SS gewesen zu sein.

Schirrmacher machte jedoch nicht nur über Zeitungsartikel auf sich aufmerksam. Seine Bücher wurden zu Bestsellern. Mit "Das Methusalem-Komplott" (2004) stieß er eine Debatte über die alternde Gesellschaft an. Die Streitschrift gegen den Jugendwahn wurde in 14 Sprachen übersetzt und heiß diskutiert. Zwei Jahre später erschien "Minimum", darin beschäftigte sich der Autor mit der Erosion klassischer Familienstrukturen.

In "Payback" (2009) widmete er sich den Gefahren des Informationszeitalters. Schirrmacher diagnostizierte Überreizung und Überforderung durch Internet und Mobiltelefone - laut "Zeit" sucht das Buch nach "Heilung von der digitalen Droge". Zuletzt veröffentlichte er das Buch "Ego: Das Spiel des Lebens" (2013), in dem er den Siegeszug des Homo Oeconomicus erzählt.

Quelle: n-tv.de, vpe

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