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Mehr Verbrechen geht nicht Frankfurt - Hort des Bösen?

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Werden auch in Frankfurt am Main nicht allzu häufig gebraucht: Spezialeinheiten der Polizei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Führung in der Kriminalitätsstatistik verteidigt: Einmal mehr ist Frankfurt unangefochtener Spitzenreiter. Statt Ruhm und Reichtum erntet die Mainmetropole dafür vor allem ein schlechtes Image - dank etlicher Sonderfälle.

Frankfurt, ein Hort des Bösen, die Heimat von Schrecken und Verdammnis, Hauptstadt des Verbrechens in Deutschland: Pünktlich zum Beginn des Wonnemonats Mai stellt Bundesinnenminister Thomas de Maiziere die Kriminalitätsstatistik des abgelaufenen Jahres vor - und genauso zuverlässig geht ein Rauschen durch den Blätterwald, denn Rekordmeister Frankfurt am Main steht natürlich auch in diesem Jahr mit 16.938 Straftaten pro 100.000 Einwohner als unangefochtener Spitzenreiter fest. Diese Stadt wird es wohl nie lernen, muss sich der geneigte Zeitungsleser am Frühstückstisch denken - vor allem dann, wenn er in München sitzt, wo gerade einmal 7828 Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen.

Aber wie so vieles im Leben ist auch die im Behördenjargon kurz PKS genannte Polizeiliche Kriminalitätsstatistik mit Vorsicht zu genießen: Das Bundeskriminalamt zählt zwar akribisch jede begangene Straftat, gewichtet sie aber nicht. Mord und Totschlag stehen in der Aufzählung also einig neben einfachem Diebstahl und anderen kleinen Delikten. Und genau da steckt der Teufel im Detail.

Nun ist Frankfurt mit seinem berühmt-berüchtigten Rotlichtviertel und einer lebendigen Drogenszene rund um den Hauptbahnhof sicherlich keine Unschuld vom Lande - das sind die anderen Großstädte auf der Liste, allen voran Berlin mit 15.837 Straftaten pro 100.000 Einwohner, allerdings auch nicht. Der Grund für Frankfurts Spitzenplatz ist stattdessen einer ganze Reihe von Sondereffekten geschuldet.

Entspannter Kiffen in Berlin und Hamburg

Mit mehr als 53 Millionen Passagieren ist der Frankfurter Flughafen eines der weltweit bedeutendsten Luftfahrtdrehkreuze überhaupt - und jeder Durchreisende, der dort den Zoll betrügt, seltene Tiere schmuggelt oder einfach nur gegen Einreisebestimmungen verstößt, wird zu einem Strich auf der Liste des BKA. Aber Moment, ließe sich jetzt einwerfen: München fertigt doch jährlich auch 40 Millionen Fluggäste ab. Stimmt zwar, anders als Frankfurt zählt der Flughafen aber schon nicht mehr zum Stadtgebiet und fällt aus der Statistik heraus.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die vergleichsweise restriktive hessische Drogenpolitik: Wer sich an der Zeil einen Joint gönnt, lebt gefährlicher als der gemeine Kiffer im Hamburger Schanzenpark oder der Berliner Hasenheide. Und dann wäre da noch das eigentliche Aushängeschild der einzigen deutschen Großstadt mit Skyline: Frankfurts Banken. Die großen deutschen Kredithäuser haben ihren Hauptsitz zum überwiegenden Teil in der Mainmetropole - und dort werden auch die Verbrechen gezählt, in die sie verwickelt sind. Wer also im großen Stil Kreditkartenbetrug mit Kunden der Deutschen Bank in Buxtehude betreibt, wird trotzdem in der Frankfurter Kriminalitätsstatistik aufgezählt.

Für Polizeipräsident Gerhard Bereswill ist die Statistik deshalb auch schlicht "Humbug": Immerhin hielten sich in der Stadt mit der höchsten Pendlerrate, dem größten Flughafen und einer der größten Messen Deutschlands jeden Tag fast doppelt so viele Menschen wie die rund 700.000 Einwohner auf - runtergerechnet werden die Straftaten am Ende aber doch nur wieder auf die reine Einwohnerzahl. Immerhin, in der aktuellen Statistik konnte Bereswill einen kleinen Sieg erringen: "Regionale Unterschiede werden nicht berücksichtigt", steht dort in einer Fußnote. Mal sehen, wer das im Rauschen des Blätterwalds überhaupt noch mitbekommt.

Quelle: n-tv.de

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