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18 Scheinidentitäten verwendet Freund von Amri soll abgeschoben werden

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Wegen des Verdachts auf Sozialbetrug sitzt Bilel A. in Berlin-Moabit in Haft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch am Abend vor dem Anschlag in Berlin trifft sich Bilel A. mit dem Berlin-Attentäter Anis Amri. Von dessen Terror-Plänen will er aber nichts gewusst haben. Dennoch soll er laut einem Medienbericht nun in seine Heimat abgeschoben werden.

Der Gefährder Bilel A., ein Freund des Berlin-Attentäters Anis Amri, soll so schnell wie möglich abgeschoben werden. Das berichten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR. Nach Möglichkeit soll er in den kommenden Wochen in seine Heimat Tunesien überstellt werden. Seit Anfang Januar sitzt der 26-Jährige in Berlin-Moabit in Haft.

Bei einer Abschiebung nach Tunesien sollen alle in Deutschland laufenden Ermittlungen gegen Bilel A. eingestellt werden. Er sitzt nicht wegen des Anschlags in Haft, sondern wegen des Verdachts des Betruges. Er hatte 18 Identitäten und soll sich Sozialleistungen, die ihm nicht zustanden, im Wert von rund 1500 Euro erschlichen haben. Die tunesischen Behörden sollen den deutschen Behörden für den Fall der Abschiebung ihre Kooperation signalisiert haben.

Verdacht der Anschlagsplanung

Zwischen Amri und Bilel A. hatte es spätestens von Dezember 2015 an Kontakt gegeben. Das geht aus Aufzeichnungen abgehörter Gespräche hervor. Amri soll Bilel A. später in Berlin auch Kokain und Haschisch verkauft haben. Am Vorabend des Anschlags hatte sich Bilel A. mit dem Attentäter Amri in einem Berliner Lokal getroffen und wurde daher der Mitwisserschaft verdächtigt. Allerdings bestritt er, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben. Er hätte Amri eine solche Tat "nicht zugetraut", hatte er bei einer seiner Vernehmungen erklärt. Vielmehr habe er sich mit Amri getroffen, weil sie sich lange nicht gesehen hätten. Bei dem Gespräch in dem Restaurant habe Amri erklärt, er gehe davon aus, dass er bald von den deutschen Behörden nach Italien abgeschoben werde.

Wie der Attentäter Amri war auch Bilel A. eine Figur in der islamistischen Szene. Gegen ihn war Ende 2015 von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat eingeleitet worden. Bilel A. stand im Verdacht, einen Anschlag zu planen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil sich dieser Verdacht nicht erhärten ließ.

Amri war kein V-Mann

Im Fall Amri ist außerdem bekanntgeworden, dass der Attentäter nicht als Informant für die Sicherheitsbehörden des Bundes gearbeitet hatte. Das erklärte das Bundesinnenministerium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag, über die der "Spiegel" berichtet. Auf Fragen der Grünen, ob die Bundesregierung ausschließen könne, dass Amri als V-Mann für das Bundesamt für Verfassungsschutz, den Bundesnachrichtendienst oder das Bundeskriminalamt tätig gewesen sei, lautete die Antwort: "Ja."

Amri fuhr am 19. Dezember mit einem Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, zwölf Menschen kamen ums Leben. Nach mehrtägiger Flucht quer durch Europa erschossen italienische Polizisten ihn in der Nähe von Mailand.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

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