Politik

Fremdenfeindliche Gewalt Friedensgebet in Mügeln

Eine Woche nach der Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln haben rund 250 Einwohner der Kleinstadt gegen Fremdenhass und Rechtsradikalismus protestiert. In einem "Friedensgebet" auf dem Marktplatz, wo der Angriff begonnen hatte, rief Pfarrer Stephan Israel zu einem friedlichen Miteinander auf. Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) sprach sich gegen "Berichte der kollektiven Ausländerfeindlichkeit" aus. "Wir distanzieren uns entschieden von den Randalierern", betonte er zugleich.

Deuse rief dazu auf, bei der Polizei eine Zeugenaussage zu machen, falls man bei den Ausschreitungen vor einer Woche etwas Entscheidendes gesehen habe. Nach dem Friedensgebet marschierten die Bürger mit einer Kerze in der Hand durch den 5.000-Einwohner-Ort. Sie stellten die Kerzen vor der Pizzeria ab, in der die Inder Zuflucht vor ihren rund 50 Verfolgern gesucht hatten.

Festnahmen in Gunterblum

Nach dem Angriff von Rechtsradikalen auf zwei Afrikaner bei einem Weinfest in Guntersblum bei Mainz wurde inzwischen Haftbefehl gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen erlassen. Ein zweiter 26 Jahre alter mutmaßlicher Mittäter, der ebenfalls festgenommen worden war, kam unter Meldeauflagen wieder auf freien Fuß, wie die Staatsanwaltschaft in Mainz mitteilte.

Bei dem Übergriff war ein 26-jähriger Sudanese schwer am Kopf verletzt worden. Sein Freund, ein 39 Jahre alter Ägypter, erlitt Schnittwunden an der Hand. Nach ersten Ermittlungen hatten sich die mutmaßlichen Täter in einer sechsköpfigen Gruppe mit den Worten "Wir machen die Neger platt" auf die beiden gestürzt und unter anderem mit einer Weinflasche attackiert.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach nach den Übergriffen auf Ausländer von einem "gesamtdeutschen Problem". In der ARD sagte Beck: "Es ist eindeutig so, dass wir nicht einfach nach Osten gucken dürfen. Das ist ein gesamtdeutsches Problem, vielleicht in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich deutlich ausgeprägt. Aber es ist ein gemeinsames Problem."

"Gaffer" verfolgen

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), forderte, "Gaffer" bei ausländerfeindlichen Ausschreitungen wegen unterlassener Hilfeleistung zu verfolgen. Wenn "so unfassbar viele Zuschauer wie in Mügeln tatenlos bleiben und hinterher eine Mauer des Schweigens bilden", müssten auch gegen diese "Gaffer" Verfahren geprüft werden, sagte Edathy der "B.Z. am Sonntag".

Das Magazin "Focus" berichtet, die Polizei prüfe im Fall Mügeln, ob auch gegen Inder ermittelt werden müsse. Einige Inder hätten bei dem Altstadtfest mit abgebrochenen Glasflaschen zugestochen, bevor sie von einem Mob gejagt wurden, schreibt das Blatt unter Berufung auf die Polizei. Einer der deutschen Besucher habe Stiche in die Leistengegend und das Gesäß erlitten. "Wir sind dabei herauszufinden, was davon Angriff und was Notwehr war", sagte einer der Ermittler dem "Focus".

Quelle: ntv.de