Politik

Abschaffung der Stadion-Stehplätze Friedrich droht mit Abrissbirne

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Platzsturm vor dem Ende der Spielzeit in Düsseldorf - nur mit Mühe kann schlimmeres verhindert werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn in deutschen Stadien weiter Böller fliegen und bunte Feuer brennen, dann will Bundesinnenminister Friedrich sämtliche Fan-Privilegien auf den Prüfstand stellen, darunter auch die Stehplätze. Als Fußballfan hofft er allerdings, dass sich die Hooligans befrieden lassen. Die Ligavertreter winken ab und sprechen von populistischen Maßnahmen.

Angesichts der kann sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich die Abschaffung von Stehplätzen vorstellen. Wenn die Fans nicht vernünftig würden, bleibe nichts anders übrig, als das Thema anzusprechen, sagte Friedrich bei n-tv. "Die Vereine wissen genau, was wir von ihnen erwarten, nämlich erstens, dass sie ihr Hausrecht in den Stadien ganz konsequent ausüben – das heißt also kontrollieren, Pyrotechnik untersagen, auch verhindern - aber auch, dass sie mit den Fans sprechen."

Es gebe bereits über 50 Fanprojekte, in denen deeskalierend auf die Fans eingewirkt werde. "Wir haben allerdings den Eindruck, dass der eine oder andere Verein da nicht sehr konsequent vorgeht und das muss sich ändern. Das liegt jetzt in der Hand der Fans selber", drohte Friedrich am Rande der Innenministerkonferenz im mecklenburgischen Göhren-Lebbin. In einigen Ländern Europas gebe es schon heute keine Stehplätze in den Fußballstadien mehr.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hatte in der Diskussion um Gewalt im Fußball neben der Abschaffung der Stehplätze auch höhere Zäune und Bußgelder für die Vereine in Höhe von 100.000 Euro bei Ausschreitungen gefordert.

Bundesligavertreter winken ab

Harald Strutz, Vizepräsident des Ligaverbandes, sprach von "populistischen Forderungen seitens der Politik und der Polizei. Die Umwandlung in reine Sitzplatzstadien sei kein Allheilmittel, um die Probleme in den Griff zu bekommen. "Wir dürfen nicht in Hysterie verfallen und den Chaoten so die Chance geben, noch mehr Druck aufzubauen", sagte der Präsident des Bundesligisten FSV Mainz 05.

Auf Ablehnung stießen die Forderungen auch bei seinem Kollegen Peter Fischer vom Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt. "Natürlich müssen wir an der Situation, die momentan hoch politisiert ist und überhitzt diskutiert wird, einiges ändern. Aber jeden Tag mit Forderungen zu kommen nach höheren Zäunen, Personenkontrollen oder Fußfesseln halte ich für total übertrieben", sagte der Eintracht-Präsident im Hessischen Rundfunk.

Friedrich hatte bei n-tv den Vorschlag der Fußfesseln für gewalttätige Fans relativiert: "Dies wäre natürlich ein sehr starker Eingriff in den präventiven Bereich." Eine solche Maßnahme könne auch nur in wirklich extremen Fällen angewendet werden. Zudem müssten dafür "erst die Gesetze geändert werden, insbesondere die Polizeiaufgabengesetz". Aber als Möglichkeit müsse man dies durchaus in Betracht ziehen.

Zuletzt war es bei der Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC am 15. Mai in der Nachspielzeit zu chaotischen Szenen gekommen, als Anhänger des Zweitliga-Dritten schon vor dem Abpfiff auf das Spielfeld stürmten. Friedrich sagte, er erwarte, dass alle 56 Vereine der ersten drei Fußball-Ligen sich ein einheitliches und klares Regelwerk gäben und es bundesweit umsetzten. Es könne nicht sein, dass einige Vereine Fanprojekte und das Thema Sicherheit in Stadien sehr ernst nähmen, während andere augenzwinkernd "so ein bisschen Pyrotechnik und Fankultur" durchgehen ließen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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