Politik

Castor-Behälter werden verladen Gespannte Ruhe im Wendland

Germany_Nuclear_Waste_PDAN103.jpg9216871764977618231.jpg

Mit einer Verspätung von rund 24 Stunden kommt die heiße Fracht in Dannenberg an.

(Foto: AP)

Begleitet von Pfiffen tausender Atomkraftgegner sowie nach massiven Protesten und Gleisblockaden trifft der Castor-Transport einen Tag verspätet in Dannenberg ein. Dort werden bis zum Abend die Behälter mit hochradioaktivem Atommüll für die letzte Etappe auf Tieflader umgesetzt. Auf der letzten Strecke ist dann wieder mit Blockaden zu rechnen.

081110HAM103_081110HAM103.jpg5803597205891423898.jpg

Das Verladen der strahlenden Fracht kann bis zum späten Abend dauern.

(Foto: dapd)

Der Castor-Transport hat mit einem Tag Verspätung den Verladebahnhof in Dannenberg erreicht. Dort werden die Behälter mit Atommüll für die letzte Etappe auf Tieflader umgesetzt. Das Umsetzen kann bis zum Abend dauern. Die letzten 20 Kilometer ins Zwischenlager Gorleben müssen die Castor-Behälter dann auf der Straße transportiert werden. Bis die Behälter, die insgesamt 154 Tonnen hochradioaktiven Atommüll enthalten, auf den Lkw liegen, können bis zu 15 Stunden vergehen. Auch beim Transport auf der Straße ist mit Sitzblockaden der Atomkraftgegner zu rechnen. Schon jetzt wurden zwei Blockaden errichtet – eine an der Ausfahrt des Verladebahnhofs, eine weitere vor dem Eingang zum Zwischenlager.

Über Nacht war der Castor-Zug von Atom-Gegnern blockiert worden. Bei Harlingen hatte die Polizei bis zum Morgen rund 3000 Menschen von den Gleisen räumen müssen. Sie hatten dort stundenlang ausgeharrt und die Weiterfahrt des Zuges erheblich verzögert.

Proteste in nächtlicher Ruhe

Die nächtliche Gleisräumung verlief abgesehen von kleineren Rempeleien friedlich und ruhig. Die Demonstranten seien in der Regel aufgestanden, wenn sie dazu aufgefordert wurden, sagte ein Sprecher der Polizei. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte dazu bei n-tv: "Die Polizei ist sehr sensibel vorgegangen und wir haben ja auch heute Nacht erlebt, dass die Einsatzleitung mit den Kräften eine richtige Entscheidung getroffen hat, nämlich die Personen dort wegzutragen. So aufwendig wie das ist, so notwendig ist es aber, denn das waren friedliche Demonstranten." Aber dort, wo Gewalt gegen Polizisten ausgeübt wird, müsse die Polizei natürlich auch entsprechend reagieren. Das habe sie sehr angemessen gemacht, ihr sei der schwierige Spagat gelungen: "Nämlich einerseits Straftaten zu verhindern, andererseits aber auch die friedlichen Proteste zur Geltung kommen zu lassen."

081110hal101_081110hal101.jpg8653260285717157616.jpg

Bei Harlingen mussten die Atomkraftgegner nicht laufen, sie wurden getragen.

(Foto: dapd)

Jochen Stay, Anti-Atom-Aktivist, sprach bei n-tv von einer "Sternstunde des gewaltfreien Widerstands". "Nach der größten Demonstration in der Gorleben-Geschichte, die wir Samstag erlebt haben, haben wir jetzt heute Nacht wirklich die größte Sitzblockade auf Schienen erlebt, die es je gegeben hat. Letztendlich haben wir eine Sternstunde des gewaltfreien Widerstandes erlebt. Und das ist ein ganz wichtiges Zeichen nach außen. Diese Region wehrt sich weiter und viele Menschen werden sich der Atompolitik der Bundesregierung weiter in den Weg stellen."

Am Sonntag hatte es hingegen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten gegeben. Dabei setzten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas gegen Aktivisten ein, die bei Dannenberg eine Bahnstrecke unterhöhlten. Stay sprach von "einzelnen heftigen Szenen". "Aber es gab auch gestern Tausende, die gewaltfrei protestiert haben. Einige wenige haben sich anders verhalten, das müssen wir klären, was da tatsächlich stattgefunden hat." Der Sprecher der Widerständler wollte die Ereignisse in dem Gespräch mit n-tv nicht überbewerten. Entscheidend sei vielmehr, wie viele Menschen "hier sich querstellten, sich diesem Castor sich in den Weg stellten, mit gewaltfreiem Widerstand."

071110HAM335_071110HAM335.jpg8900675319801290418.jpg

Diese Castor-Gegner sind auf dem Weg zu neuen Herausforderungen.

(Foto: dapd)

Der Zug war am Freitagnachmittag in Valognes im Nordwesten Frankreichs aufgebrochen. Bereits kurz nach der Abfahrt hatten ihn Atomkraftgegner bei Caen für mehrere Stunden aufgehalten. Auch auf der Strecke in Deutschland hatten ihn Atomkraftgegner mehrfach zum Stehen gebracht, indem sie sich an den Gleisen anketteten oder sich von einer Brücke über die Bahnstrecke abseilten.

Polizei behindert Greenpeace

Nach der vollständigen Räumung muss die Strecke den Angaben zufolge nochmals überprüft werden, weil von Protestteilnehmern teilweise Gleisschotter entfernt wurde. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace teilte unterdessen mit, die Polizei habe sie an einer Strahlenmessung in der Umgebung des vorerst in Dahlenburg gestoppten Castor-Zuges gehindert. Greenpeace-Experten seien nicht zu einem Haus vorgelassen worden, an dem der Zug seit Sonntagabend in nur zehn Meter Entfernung stehe und dessen Bewohner sich über eine mögliche Strahlenbelastung besorgt gezeigt hätten.

Bayern verweigert Kostenverteilung

Bayern hat Forderungen aus Niedersachsen nach einer gerechteren Verteilung der Kosten für den massiven Polizeieinsatz beim Castor-Transport abgelehnt. Es gelte die Regel, dass die Bundesländer sich gegenseitig die Kosten für ihre eingesetzten Polizisten in Rechnung stellten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Deutschlandfunk. Niedersachsen müsse für die rund 500 eingesetzten bayerischen Polizisten zahlen.

2ube4740.jpg8002902439311957519.jpg

Bayern möchte keinen Atommüll bei sich einlagern und auch keine Kosten für den Transport übernehmen.

(Foto: dpa)

Niedersachsen hatte eine gerechtere Verteilung der Lasten gefordert, die durch die Absicherung der Transporte entstehen. Ministerpräsident David McAllister beklagte, dass sein Land zwar eine nationale Aufgabe erfülle, aber allein für die 20 bis 25 Millionen Euro aufkommen müsse, die der Polizeieinsatz je Castor-Transport koste. "Das ist und bleibt eine Ungerechtigkeit", sagte der CDU-Politiker.

Herrmann hielt dagegen, man sollte nicht über die Verteilung der Kosten streiten, sondern klar machen: "Gäbe es diese illegalen, gewalttätigen Demonstranten nicht, gäbe es die Kosten nicht." Sie seien die Verursacher der Kosten. "Man muss sich eher fragen, warum die nicht die Kosten zahlen."

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen