Politik

Selbstmordanschläge in Irak Gewalt zum Aschura-Fest

Bei zwei neuen Selbstmordanschlägen im Irak sind am Samstag sieben Menschen getötet worden. Außerdem wurde ein hoher kurdischer Geistlicher ermordet.

In Bagdad fuhr ein Attentäter mit einem Motorrad an eine Menge von Trauernden im Stadtteil Baja heran und zündete einen Sprengstoffgürtel, sagte ein Polizeisprecher. Drei Schiiten seien getötet und weitere 13 Menschen verletzt worden. Die Gläubigen hatten sich in der Nähe einer Moschee zur Beerdigung einer Frau eingefunden.

Ein zweiter Selbstmordattentäter griff eine Armeepatrouille vor dem Verwaltungsgebäude des Gouverneurs der Stadt Bakuba an. Er riss mit der Autobombe einen Soldaten und einen Zivilisten mit in den Tod. In der Stadt Kirkuk ermordete eine Gruppe von Bewaffneten den hohen kurdischen Geistlichen Mullah Mohammed Rustum.

Terror zum Aschura-Fest

Iraks nationaler Sicherheitsberater, Mowaffak al-Rubaie, sagte dem n-tv Partnersender CNN, er vermute den Moslem-Extremisten Abu Mussab Al-Sarkawi als Drahtzieher hinter den Anschlägen. Der Jordanier ist der Anführer der Extremistengruppe El Kaida im Irak, die sich zu zahlreichen Anschlägen bekannt hat. Aufständische versuchten offenbar, den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten im Land zu schüren.

Bereits seit einigen Tagen gibt es die Angst vor Anschlägen während der Feierlichkeiten zum Aschura-Fest, die sich über mehrere Tage hinziehen und in diesem Jahr am Samstag ihren Höhepunkt erreichten. Große Pilgerströme wurden aus Bagdad und Kerbela gemeldet. Anlässlich des Festes hatte die Regierung die Grenzen des Landes für fünf Tage geschlossen. Rund 2000 irakische Soldaten und Polizisten sollen in Kerbela die Schiiten-Wallfahrt schützen.

Demonstrationen in Rom

Tausende Menschen haben am Samstag in Rom für die Freilassung der im Irak entführten italienischen Journalistin Giuliana Sgrena demonstriert. Auch die Eltern der Frau sowie Politiker der italienischen Opposition nahmen an der Demonstration teil. Die 56-Jährige, die für die römische Zeitung "Il Manifesto" und die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" arbeitet, ist seit zwei Wochen in den Händen unbekannter Kidnapper. Die Veranstalter der Linkszeitung "Il Manifesto" erwarteten bis zu 200000 Menschen.

Sgrena hatte erst kürzlich auf einem Video die Regierung in Rom unter Tränen aufgerufen, den Forderungen der Kidnapper nachzugeben und die italienischen Truppen aus dem Irak abzuziehen. Politiker des Regierungslagers kritisieren, die Demonstration verbinde das Verlangen nach Freilassung mit der Forderung nach einem Truppenrückzug.

Die genauen Umstände der Entführung liegen im Dunkeln. Unklar ist auch, ob die Regierung in Rom über Mittelsmänner bereits Kontakte zu den Entführern hat. Bisher hatten sich mehrfach vermeintliche islamistische Gruppen per Internet zu Wort gemeldet und den Rückzug der italienischen Truppen verlangt.

Quelle: ntv.de