Politik

Simon-Wiesenthal-Zentrum nimmt Publikation unter die Lupe Glorifiziert "Der Landser" die Nazi-Zeit?

Die Macher des "Landsers" sagen, sie wollen die ganze Dramatik des Zweiten Weltkriegs deutlich machen. Das Dritte Reich werde verherrlicht, lautet dagegen das Urteil des Simon-Wiesenthal-Zentrums über das Heft. Es müsse überprüft werden, fordert es.

Einfach so, für jeden käuflich liege ein Heft in deutschen Bahnhofszeitschriftenläden aus, das jedoch einen gefährlich braunen Inhalt habe. So sieht das Simon-Wiesenthal-Zentrum den "Landser". Die in einem Tochterverlag der Bauer Media Group erscheinende Publikation glorifiziere die Waffen-SS, Nazi-Kriegsverbrecher und das Dritte Reich, heißt es in einem Bericht des Zentrums, über den zuerst die "New York Times" berichtete. Bauer weist die Anschuldigungen scharf zurück.

20130731_200904.jpg

Der Verlag präsentiert seinen "Landser" auch im Internet. (Screenshot)

Eine ganze Reihe von Ausgaben des "Landsers" hat der Historiker Stefan Klemp für die jüdische Menschenrechtsorganisation unter die Lupe genommen. Sein Fazit: Der "Landser" glorifiziere nicht nur die Wehrmacht und das Dritte Reich, sondern sogar die Mitglieder der Waffen-SS. Das schließe auch Nazi-Kriegsverbrecher wie etwa Mitglieder der SS-Totenkopfverbände ein.

Die Rolle der Waffen-SS im Holocaust werde heruntergespielt, ihre Mitglieder als gewöhnliche Soldaten dargestellt. Auf Seite zwei des wöchentlich erscheinenden Heftes seien einzelne Wehrmachtssoldaten und auch 29 SS-Mitglieder als Helden dargestellt worden. "24 der 29 im 'Landser' gezeigten SS-Männer dienten in Einheiten, die sich an Nazi-Kriegsverbrechen beteiligten", schreibt Klemp.

"Authentische Erlebnisberichte" oder Kriegsverherrlichung?

"Der Landser" erscheint bereits seit 1957 wöchentlich und gilt in Deutschland als eine Art Symbol für jene militaristische Erinnerungsliteratur, die sich unkritisch mit den "Leistungen" deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg befasst und sich teils recht hoher Nachfrage erfreut. Die Macher des "Landsers" selbst schreiben auf der Internetseite des Heftes, sie wollten "die größte kriegerische Auseinandersetzung der Weltgeschichte in ihrer ganzen Dramatik deutlich" machen.

Ähnlich die Darstellung der Seite des Pabel-Moewig Verlags: Das Heft enthalte "authentische Erlebnisberichte zur Geschichte des 2. Weltkrieges, die schonungslos die Härte und Grausamkeit des Kampfes und die Entbehrungen des Frontalltages aufzeigen".

Darauf hat Klemp eine Antwort: Zwar behaupte der "Landser", unpolitisch zu sein und berufe sich auf Erfahrungsberichte. Tatsächlich würden die Geschichten das Dritte Reich jedoch "reinwaschen". Sie rissen Berichte über den Krieg aus dem Kontext, reduzierten sie auf Heldengeschichten und ignorierten die Verbrechen, die von den Einheiten der Protagonisten begangen worden seien. "Der Krieg scheint ein Abenteuer zu sein, wenn auch mit einigen Verlusten."

Bauer hält die Vorwürfe für ungerechtfertigt

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum reagierte alarmiert. In einem Schreiben an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte der Leiter des Zentrums, Rabbiner Marvin Hier, eine Überprüfung des Hefts. Dem Zentrum geht es dabei insbesondere um die Darstellung von SS-Mitglieder als "deutsche Helden".

Es müsse untersucht werden, ob Inhalte des "Landsers" gegen Paragraf 86 des deutschen Strafgesetzbuches verstoßen. Dieser stellt die Verbreitung von Propaganda für verfassungswidrige Organisationen unter Strafe. Dazu gehören auch NS-Organisationen wie die SS.

Die Bauer Media Group wehrte sich gegen die Vorwürfe. Alle ihre Publikationen - auch der "Landser" - stünden "im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen", teilte das Unternehmen mit. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften habe die Publikation wiederholt überprüft und nichts beanstandet. Außerdem lasse der Verlag Ausgaben freiwillig presserechtlich überprüfen. "Der Verlag legt größten Wert darauf, dass darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht, noch Naziverbrechen verharmlost werden", betonte Bauer.

Quelle: n-tv.de, hah/AFP