Politik

"VroniPlag"-Gründer outet sich "Goalgetter": Bin grüner Pirat

Ein bisschen Sorgen macht sich "Goalgetter" nach seinem Outing schon, wie es jetzt weitergeht in der Öffentlichkeit. Martin Heidingsfelder jagte monatelang Schummel-Doktoren - und gewann nicht nur Freunde damit. Das Verhältnis zum ertappten FDP-Mann Georgios Chatzimarkakis ist auf jeden Fall nachhaltig gestört.

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Heidingsfelder auf seiner Homepage. (Screenshot)

"Anonymität war für mich persönlich nicht so wichtig, ich habe mich weder gefürchtet noch geschämt für die Arbeit, die wir da machen", sagt Martin Heidingsfelder. "Die Arbeit ist richtig und sinnvoll." Der Erfinder der Internet-Plattform "VroniPlag" machte in den letzten Monaten Jagd auf Schummel-Doktoren. Mehreren Spitzenpolitikern wiesen die anonymen Plagiatsjäger schwere Tricksereien nach – und brachten sie ins Stolpern. Nun outete sich Heidingsfelder, der unter dem Pseudonym "Goalgetter" agierte. Er wollte dem unfreiwilligen Outing durch eine Boulevard-Zeitung zuvorkommen.

Heidingsfelder, der selbst keinen Doktortitel hat, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg, später mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Seit 1988 arbeitet er als Selbständiger, entwickelt Online-Befragungen für Marktforschungsinstitute und Unternehmensberatungen, interessiert sich darüber hinaus für Web-2.0-Projekte. "Ich führe eine kleine Ein-Mann-Firma, sitze zuhause und programmiere", erklärt er. Seine Hobbys: Golf, Laufen. Und Politik. Heidingsfelder ist Mitglied der SPD.

Von den Vorwürfen, er handele aus parteipolitischem Interesse, will Heidingsfelder nichts wissen: "SPD-Mitglied bin ich seit Gerhard Schröders 60. Geburtstag" - also seit 2004. "Da bin ich in einer schwachen Stunde zum Eintritt in die Partei geworben worden. Ansonsten bin ich eher ein sozialdemokratischer, grüner Pirat." Er sei nur ein einfaches Parteimitglied, und "die Plattform ist sicherlich keine Gliederung der SPD".

Allerdings: Er war beteiligt an einer Kampagne gegen Kanzlerin Merkel. "Angela? Nein, danke", hieß die. Buttons mit dem Spruch verteilte er an Parteimitglieder. Es gibt ein Bild, auf dem er mit Andrea Nahles um die Wette strahlt.

Immer mehr Fälle

Weil das GuttenPlag-Wiki nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vom Amt des Verteidigungsministers keine weiteren Fälle bearbeiten wollte, gründete Heidingsfelder das VroniPlag-Wiki - benannt nach einer Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, deren Dissertation unter die Lupe genommen wurde. "Fast im Wochenrhythmus kamen neue Fälle hinzu."

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Chatzimarkakis wurde auch erwischt.

(Foto: dapd)

Der FDP-Europa-Abgeordnete Georgios Chatzimarkakis, dem nach den Recherchen in VroniPlag ebenso wie Silvana Koch-Mehrin der Doktortitel aberkannt wurde, warf Heidingsfelder kommerzielle und parteipolitische Interessen vor. Heidingsfelder reagiert harsch: "Herr Chatzimarkakis soll sich an die eigene Nase fassen. Unerhört finde ich, dass er als überführter Plagiator, der den Doktortitel verloren hat, an seinem Mandat festhält, obwohl er seine Karriere auf diesem Titel aufgebaut hat."

Ganz wohl ist dem Franken die neue, öffentliche Situation dann aber dennoch nicht. Er bekomme nun viel Anerkennung, sagt er. Und räumt dann ein: "Jetzt befürchte ich auch Nachteile und persönliche Angriffe."

Quelle: ntv.de, tes/dpa

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