Politik

"Verschwörungstheorien" beendet? Gorleben sachgerecht ausgewählt

Dem Gorleben-Untersuchungsausschuss wird eine Studie zugeführt, wonach der Standort für das Atom-Zwischenlager in den 70er Jahren unter "fachlichen Bewertungen ausgewählt wurde". Die Opposition hatte eine politische Entscheidung vermutet.

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Sander (r) und Tiggemann stellen die Studie vor.

(Foto: dpa)

Der Atom-Standort Gorleben ist nach einer Studie im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung nach fachlichen Bewertungen ausgewählt worden. Der Historiker Anselm Tiggemann kommt in seinem Gutachten zu dem Schluss, die Entscheidung für Gorleben in den 70er Jahren sei "sachgerecht" gewesen. Die FDP hatte die Expertise in Auftrag gegeben.

Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) sagte in Hannover, nun müssten "Verschwörungstheorien" ein Ende haben, dass Gorleben nicht wissenschaftlich fundiert ausgewählt worden sei. In Berlin versucht ein Bundestags-Untersuchungsausschuss zu klären, wie die Entscheidung für den Salzstock Gorleben zustande kam. Die Opposition vermutet, dass unter der Kohl-Regierung Gutachten politisch beeinflusst wurden.

Röttgen will die Bergung streichen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will nach Darstellung der ARD die Sicherheitsanforderungen für das geplante Atommüll-Endlager senken. Der Sender bezog sich bei seinen Darstellungen auf einen internen Entwurf des Ministeriums. Demnach müsse nach geltenden Sicherheitsanforderungen eine Bergung des radioaktiven Abfalls "noch nach 500 Jahren" möglich sein. In dem nun von Röttgens Ministerium überarbeiteten Entwurf sei die sogenannte Rückholbarkeit komplett gestrichen.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler der Universität im niederländischen Groningen kritisierten eine solche endgültige Endlagerung von hoch radioaktivem Müll. Die Wissenschaftler zögen aus ihren Forschungen den Schluss, dass Salz als Lagerort für hoch radioaktiven Müll generell problematisch sei, berichtet das Magazin. Durch radioaktive Strahlung könne es im schlimmsten Fall zu Erhitzung durch Explosionen auf molekularer Ebene und dadurch zu einer Verseuchung der Umwelt kommen. Besonders brisant könnte die Lage werden, wenn Salzlauge ins Endlager eintritt, wie es in Gorleben der Fall ist.

Kein "zusätzlicher Forschungsbedarf"

Ministeriumssprecherin Christiane Schwarte sagte dagegen, es gebe noch keine neuen Sicherheitsanforderungen. Sie seien zwischen Bund und Ländern noch in der Diskussion. Das Bundesumweltministerium bestehe darauf, "dass die langfristige Rückholbarkeit im neuen Sicherheitskonzept gewährleistet ist". Auch gebe es keinerlei zusätzlichen Forschungsbedarf darüber, ob Salz als Endlager für hoch radioaktiven Müll geeignet sei.

Das Zwischenlager Gorleben wird von der Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG) betrieben, einer hundertprozentigen Tochter der Gesellschaft für Nuklearservice mbH (GNS). Die GNS ist eine Gesellschaft, die die deutschen Atomkraftwerksbetreiber gegründet haben, damit sie sich um ihren Atommüll kümmert.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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