Politik

100.000 Kubikmeter Uran-Abfall Gorleben soll mehr leisten

Um den Salzstock Gorleben als Standort für ein mögliches Atommüll-Endlager wird seit 30 Jahren gestritten. Gutachter widersprechen Gutachtern. Klar ist heute, Gorleben war von Anfang an politisch gewollt. Ein Neustart nach einer Endlager-Suche gilt als wahrscheinlich. Dennoch plant die Bundesregierung weiter mit Gorleben. Dabei treten jetzt ganz neue Dimensionen zutage.

30kb4209.jpg5112241911666128090.jpg

Der Gorleben-Untersuchungsausschuss bei einem Vorort-Termin auf dem Gelände des Salzstocks.

(Foto: dpa)

Ende November könnte der nächste nach Gorleben starten. Im Vorfeld werfen Gegner den Behörden vor, um das Atommülllager verbreitet zu haben. Auch die SPD-Bundestagsfraktion dringt auf eine rasche Begutachtung möglicher Strahlengefahren durch den Bundestags-Umweltausschuss. Dort wiederum tritt zutage, was bisher bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager schief gelaufen ist.

Der Ausschuss zeige die ganzen Fehler bei der bisherigen Endlagersuche auf: Manipulationen, und vor allem mangelnde Transparenz. Die Grünen streiten parteiintern, ob bei einem Neustart neue Standorte mit Gorleben verglichen werden sollen oder ob man das Endlagerprojekt im Wendland gleich beerdigt. Grüne, SPD und Linke wollen zur Durchleuchtung der 90er Jahre auch die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) noch hören, in deren Amtszeit das Projekt vorangetrieben wurde, bevor Rot-Grün einen Erkundungsstopp verfügte. An Gorleben, so heißt es immer wieder, sei aus politischen Gründen und nicht nach wissenschaftlichen Kriterien festgehalten worden.

Während Niedersachsen sich damals bereit erklärte, ein Endlager zu errichten, , wohlwissend, dass bei einem Neustart zwar Gorleben ausscheiden, aber die schon vor 35 Jahren favorisierten anderen 41 Salzstöcke in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wieder zum Thema werden könnten.

Gorleben könnte noch mehr Atommüll aufnehmen

30kb4210.jpg1030374922096805431.jpg

Sylvia Kotting-Uhl erhält die überraschende Antwort.

(Foto: dpa)

Würde die Entscheidung doch auf Gorleben hinauslaufen, könnten dort mehr eingelagert werden als bisher offiziell bekannt. Zu dem hochradioaktiven Müll sollen auch bis zu 100.000 Kubikmeter abgereichertes Uran hinzukommen, das nicht in das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann. Dies geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums an die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl hervor.

Die Mengen würden bei weiten das Volumen hochradioaktiver Abfälle übertreffen, die auf 29.000 Kubikmeter geschätzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnet zudem mit bis zu 5000 Kubikmetern Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung, die nicht für geeignet sind. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht hier von bis zu 8800 Kubikmetern aus. Hinzu kommen graphithaltige Abfälle von 500 bis 1000 Kubikmetern.

14 Kilometer lang und 4 Kilometer breit

26866694.jpg

1983 war entschieden worden, dass Gorleben als Endlager erforscht wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alle anderen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus kerntechnischen Anlagen sollen nach Schacht Konrad gehen. Dieses Lager ist frühestens 2014 startklar. Der Salzstock Gorleben gilt als groß genug, um solche zusätzlichen Mengen aufzunehmen. Allerdings ist bisher unklar, welche zusätzlichen Sicherheitsanforderungen notwendig wären. In der Vergangenheit wurde auch über eine "Ein-Endlager-Lösung" diskutiert - aber letztlich beschlossen, nicht hochradioaktive Abfälle in Schacht Konrad in Salzgitter einzulagern.

Der Salzstock Gorleben galt vielen Experten daher zuletzt als überdimensioniert. Er ist etwa 14 Kilometer lang und bis zu 4 Kilometer breit. Er reicht aus 3,5 Kilometern Tiefe hinauf bis auf etwa 260 Meter unter der Oberfläche. Das "Erkundungsbergwerk" umfasst zwei Schächte von 840 und 940 Metern Tiefe. In seine Erkundung sind bereits mehr als 1,5 Milliarden Euro investiert worden.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.