Politik

408 mögliche CO2-Speicher Greenpeace zeigt CCS-Karte

Die unterirdische Lagerung von CO2 ist hoch umstritten. Auf einer Karte zeigt Greenpeace, wo die Verklappung möglich ist. Die Umweltschützer fordern, die betroffenen Gemeinden zu informieren, bevor das CCS-Gesetz demnächst ins Kabinett eingebracht wird.

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Greenpeace-Protest gegen ein CCS-Projekt von Vattenfall in der brandenburgischen Stadt Beeskow.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland kommen mehr als 400 Standorte als Speicher für Kohlendioxid infrage. Nachdem zunächst der "Spiegel" über eine entsprechende Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)  berichtet hatte, veröffentlichte die Umweltorganisation Greenpeace eine Karte der Standorte.

Danach sind geologisch 408 Standorte vor allem im norddeutschen Raum unter Hamburg, den Nordseeinseln und unter Berlin für die Speicherung von CO2 geeignet. Greenpeace hatte die BGR bereits im Juni 2010 um Auskunft über potenzielle CO2-Endlager gebeten, schreibt die Organisation auf ihrer Website. Offiziell endet das BGR-Projekt "Speicher-Kataster" erst Ende März.

Die Bundesanstalt habe die Daten zwar nach dem Umweltinformationsgesetz herausgeben müssen, wollte aber die Veröffentlichung nach dem Urheberschutzgesetz untersagen. Greenpeace habe daraufhin ein Rechtsguthaben in Auftrag gegeben. "Es kommt zu dem Ergebnis, dass 'harte Fakten' grundsätzlich nicht dem Urheberrechtsschutz unterliegen und eine Tabelle im Excelformat nicht die schöpferische Tiefe erreicht, um urheberrechtlich schützenswert zu sein."

Mit der Karte will Greenpeace betroffenen Landkreisen und Gemeinden die Möglichkeit geben, frühzeitig Einspruch gegen die Pläne zu erheben. Wenn das Bundeskabinett den geplanten Gesetzentwurf zur CO2-Verpressung erst verabschiedet habe, "werden es die Gemeinden schwer haben, sich gegen Endlagerungspläne zur Wehr zu setzen".

Chancen und Gefahren

Mit der sogenannten CCS-Methode wollen Energiekonzerne das Treibhausgas CO2, das vor allem beim Betrieb von Kohlekraftwerken entsteht, unterirdisch speichern. Gegenwärtig ist das Verfahren noch im Entwicklungsstadium; es existieren nur Pilotanlagen mit geringer Kapazität. Bis Kohlendioxid im großen Stil aus den Abgasen der Kraftwerke herausgefiltert und gespeichert werden kann, werden noch mehrere Jahre vergehen.

Probebohrungen für CCS-Anlagen haben bereits zu massiven Bürgerprotesten geführt. Die Anwohner fürchten, das Gas könne das Grundwasser versauern. Da CO2 schwerer als Luft ist, könnten Menschen bei einem großen Leck von CCS-Anlagen theoretisch ersticken. Kritiker wenden zudem ein, CCS diene den Energiekonzernen nur als Ausrede, um weiter auf ihre klimaschädlichen Kohlekraftwerke setzen zu können. Auf der anderen Seite argumentieren Klimaschützer, dass es ohne CCS kaum möglich sein dürfte, das 2-Grad-Ziel einzuhalten.

Greenpeace forderte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf, alle betroffenen Gemeinden und Regionen über die möglichen Endlagerkapazitäten zu informieren, bevor das CCS-Gesetz ins Kabinett eingebracht wird. "Industrie und Politik bereiten systematisch und hinter dem Rücken der Bevölkerung die kommerzielle CO2-Endlagerung vor. Informationen zu den Endlager-Standorten werden wie Staatsgeheimnisse gehütet, das wahre Ausmaß der CO2-Verpressung wird verheimlicht", kritisierte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid.

CCS fast ausschließlich in Norddeutschland

Die Greenpeace-Karte zeigt, dass sich große Endlagerpotentiale vor allem in Ostfriesland von Bremerhaven bis Oldenburg und Emden, unter den ostfriesischen Inseln Spiekeroog und Langeoog sowie im schleswig-holsteinischen Wattenmeer befinden. Weitere potenzielle CO2-Endlagerstätten liegen unter Hamburg-Billstedt, sowie bei Sittensen zwischen Hamburg und Bremen. Auch im Südosten von Berlin bei Königs Wusterhausen, in Nordrhein-Westfalen, zwischen Paderborn und Höxter, in Mecklenburg-Vorpommern in der Nähe von Pasewalk und östlich von München bei Waldkraiburg sind weitere Areale zu finden.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa