Politik

Rechte Kommentare aus Freital Günther will Zyklon B für die Flüchtlinge

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Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration in Freital.

AP

Im sächsischen Freital braut sich was zusammen: Die Bevölkerung protestiert mit aller Gewalt gegen ein Flüchtlingsheim. Viele Menschen lassen ihrem Hass im Netz freien Lauf - das bleibt jedoch nicht undokumentiert.

Als Anja einkaufen ging, waren auch Ausländer da - "mit Kapuzen auf". So schnell, das berichtet Anja, "war ich noch nie aus dem Kaufland raus". Andreas möchte gern die "Treibjagd" eröffnen, Günther hält Zyklon B für das richtige Willkommensgeschenk für Flüchtlinge. Marvin findet, jedes deutsche Kind sollte mit einem Zimmermannshammer die Schädel der Ausländer einschlagen -  denn Kinder seien ja noch strafunmündig. Rene wiederum will die Menschen "kontrolliert abbrennen lassen".

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Proteste gegen das Flüchtlingslager Ende Juni.

(Foto: AP)

Anja, Andreas, Günther, Marvin und Rene eint der Hass auf Fremde. Sie eint, dass sie allesamt aus Freital kommen, einer 40.000-Einwohner-Stadt in Sachsen, die derzeit wohl als der braunste Flecken der Republik gilt. Bewohner demonstrieren dort lautstark gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber. Und noch etwas eint sie: Ihre menschenverachtenden Facebook-Postings wurden mit komplettem Namen auf einem Blog veröffentlicht: "Perlen aus Freital" heißt er.

Wer die Seite unterhält, ist unbekannt. Der Betreiber möchte anonym bleiben. Zu groß ist die Angst vor Angriffen. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er: "Ich wohne selbst in einer dörflichen Umgebung und weiß nur zu gut, wie solche Hetze im Kleinen ihren Anfang nimmt. Ich habe eine kleine Tochter und ich möchte nicht, dass sie in so einer Umgebung oder einem Land aufwächst, wie sich diese Freitaler das vorstellen." Er will mit dem Blog auf die Ausländerfeindlichkeit aufmerksam machen.

Blog zeigt ganze Namen

Die Resonanz auf die Seite überrascht den Betreiber selbst. "Ich muss zugeben, dass ich vom Echo schlichtweg überwältigt bin", schreibt er auf der Seite. Innerhalb eines halben Tages wird die angsteinflößende Sammlung mehr als 10.000 Mal aufgerufen. Der besondere Reiz der Seite könnte darin bestehen, dass die Namen der Kommentatoren nicht verpixelt werden. In der Parallelöffentlichkeit von Facebook kann sich deshalb jeder selbst ein Bild davon machen, wie Anja, Andreas, Günter, Marvin und Rene aus Freital so leben. Die rassistischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen bekommen ein Gesicht.

Für die Autoren der Kommentare stellt das wiederum ein echtes Problem dar. Denn haben ihre Namen und ihre Äußerungen einmal die Welt von Facebook verlassen, verlieren sie die Kontrolle darüber. Sie können sie nicht mehr löschen. Und einige andere Internetnutzer fordern bereits, sie für ihre Äußerungen zur Verantwortung zu ziehen.

Um einen Straftatbestand, etwa den der Volksverhetzung oder des Aufrufes zur Begehung einer Straftat, zu erfüllen, seien viele der Äußerungen allerdings zu unkonkret, sagt der Fachanwalt für Strafrecht, Sascha Böttner. "Es müsste sich dann schon gegen eine konkrete Person richten", gibt er zu bedenken. Auch für den Straftatbestand der Volksverhetzung seien die Äußerungen oft zu unkonkret. Sollte es doch zu einer Klage kommen, könne es dabei nicht bloß um Geldstrafen, sondern im Einzelfall auch um Haftstrafen gehen, so Böttner.

Quelle: n-tv.de

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