Politik
Ein Video soll Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone am 7. Januar 2005 verdeutlichen.
Ein Video soll Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone am 7. Januar 2005 verdeutlichen.(Foto: dpa)
Dienstag, 12. November 2013

Strafanzeige wegen Feuertodes von Asylbewerber: Gutachten: Jalloh wurde ermordet

Fast neun Jahre nach dem Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh wollen Unterstützer den Fall erneut aufrollen. Die These wonach der Asylbewerber das Feuer in der Zelle selbst gelegt hat, soll widerlegt sein.

Ein neues Gutachten zum Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh verweist auf die Beteiligung unbekannter Täter. Jalloh war vor knapp neun Jahren in einer Zelle der Dessauer Polizeiwache gestorben, weil dort ein Feuer ausgebrochen war. Eine Nachstellung der Ereignisse habe gezeigt, dass Jalloh das Feuer nicht selbst gelegt haben könne, sondern mit Benzin übergossen und angezündet worden sein müsse, sagten Vertreter der "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh". Die Initiative stellte Strafanzeige wegen Mordes bei der Generalbundesanwaltschaft, in der sie die Vertreter der Exekutive des Landes Sachsen-Anhalt beschuldigen, Jallohs Tod verursacht zu haben.

Der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann sprach von "sehr ernsten, überraschenden und zum Teil erschreckenden Informationen". Voraussichtlich müsse jetzt ein neues Gutachten durch die Ermittlungsbehörden erstellt werden. Er wies Vorwürfe zurück, dass die Ermittler absichtlich Erkenntnisse ignoriert hätten. Die Justiz hatte in mehreren Prozessen keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeteiligung am Tod des Asylbewerbers im Januar 2005 gefunden.

Das Landgericht Dessau sowie das Landgericht Magdeburg waren zu dem Schluss gekommen, dass der Asylbewerber aus Sierra Leone den Brand selbst legte, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war. Die genauen Umstände konnten aber nie zweifelfrei festgestellt werden. Ein in dem ersten Verfahren in Dessau freigesprochener Polizist war im Dezember 2012 in Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht vertrat die Auffassung, er hätte für die ständige Überwachung der Zelle sorgen müssen. Jalloh war stark betrunken und hatte Drogen genommen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben Revision gegen das Urteil eingelegt.

Quelle: n-tv.de