Politik

Plagiatvorwürfe gegen Ministerin Gutachter: Schavan hat getäuscht

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Schavan ist seit 2009 Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einst schämte sie sich für Guttenberg, nun hat sie selbst mit Plagiatsvorwürfen zu kämpfen: Ein Gutachter kommt zu dem Schluss, dass es in der Dissertation von Bildungsministerin Schavan "eine leitende Täuschungsabsicht" gibt. Schavan teilt mit, die Vorwürfe "schmerzen" sie sehr.

Die gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan erhobenen Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit verdichten sich. Ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität erkennt an etlichen Stellen der Dissertation "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", wie der "Spiegel" berichtet.

In dem vertraulichen 75-seitigen Papier stellt der Gutachter demnach bei der CDU-Politikerin "eine leitende Täuschungsabsicht" fest und beanstandet Textstellen auf 60 der 351 Seiten der Dissertation.

Anfang Mai waren auf der Internetseite Schavanplag anonym Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Schavans erhoben worden. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf kündigte daraufhin eine Prüfung an. Dies geschah auch auf Bitte der Ministerin.

Schavan hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erlangt. Laut Schavanplag gibt es in der Dissertation 92 Seiten, auf denen Übernahmen "nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht werden".

Ausschuss berät wohl am Mittwoch

Verfasser des Gutachtens der Düsseldorfer Universität ist laut "Spiegel" Stefan Rohrbacher, Prodekan des Instituts für Jüdische Studien. Rohrbacher steht auch dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vor. Sein Papier ist die Grundlage für die Beratungen des Promotionsausschusses, die voraussichtlich am Mittwoch stattfinden.

Neben Rohrbacher sitzen im Ausschuss drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

Schavan: Vorwürfe schmerzen mich sehr

Laut "Spiegel" kannte Schavan das Gutachten am Freitagabend noch nicht. Damit konfrontiert, habe sie mitteilen lassen: "Die erhobenen Vorwürfe treffen mich tief und schmerzen mich sehr; soweit die Fakultät mir Gelegenheit dazu gibt, werde ich nach sorgfältiger Prüfung dazu Stellung nehmen."

Später sagte Schavan der Deutschen Presse-Agentur, sie weise die "Unterstellung einer Täuschungsabsicht" entschieden zurück.

Nicht so schlimm wie Guttenberg

Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. "Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein", hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidlingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

Allerdings war das Ausmaß des Plagiats durch Guttenberg weitaus größer als bei Koch-Mehrin und Schavan. Guttenberg habe "relativ großflächig abgeschrieben", sagte der anonyme Betreiber von Schavanplag unlängst der "taz", Schavan dagegen "immer wieder punktuell".

"Scham" für Guttenberg

Schavan gilt als enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im August hatte sie mitgeteilt, dass sie beim CDU-Parteitag Anfang Dezember nicht erneut als stellvertretende Vorsitzende kandidieren werde. Die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan sind seit Mai öffentlich.

In der Guttenberg-Affäre war Schavan zunächst vorgeworfen worden, ihren damaligen Ministerkollegen in Schutz genommen zu haben. In einem Interview sagte sie schließlich, sie schäme sich "nicht nur heimlich" für das Debakel um Guttenbergs Doktorarbeit.

Quelle: ntv.de, hvo/AFP