Politik

Weiterer gezielter Angriff Hamas-Führer el Rul tot

Das israelische Militär hat mit einem gezielten Raketenangriff in Gaza-Stadt ein ranghohes Mitglied der radikalen Palästinenser-Gruppe Hamas getötet. Ein Begleiter des Hamas-Funktionärs Adnan el Rul sei getötet worden, berichteten Ärzte und Augenzeugen.

Als Vergeltung feuerte die Hamas Raketen und Granaten auf israelische Ziele ab und kündigte Selbstmordanschläge an. Im Norden des Gaza-Streifens beschoss das israelische Militär das Haus eines Anführers des Volkswiderstand-Komitees, einer Dachorganisation militanter Palästinenser-Gruppen. Augenzeugen zufolge gab es bei dem Raketenangriff keine Opfer.

Sprengsätze für Anschläge gebastelt

Die israelische Armee erklärte, sie habe in Gaza-Stadt auf das Auto El Ruls gezielt. Der 45-Jährige steht seit rund 15 Jahren als mutmaßlicher Bombenbauer auf der israelischen Fahndungsliste. Er gilt als der "Vater der Kassam-Rakete", mit denen radikale Palästinenser wiederholt Ziele in Israel und jüdische Siedlungen angegriffen haben. El Rul hatte mehrere Anschläge überlebt.

Nach Angaben eines israelischen Militärreporters hat El Rul auch die Sprengsätze für besonders verheerende Anschläge gebastelt. Der Anschlag bei Beth Lid mit 21 Toten im Januar 1995 soll Jigal Amir motiviert haben, Ministerpräsident Jitzhak Rabin zu ermorden, weil dessen Politik des Entgegenkommens an die Palästinenser nur Blutvergießen gebracht habe. Auch die Sprengsätze vom Frühjahr 1996 auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv und in zwei Jerusalemer Bussen mit insgesamt 64 Toten stammten von El Rul.

Tumulte in der Leichenhalle

In der Leichenhalle, wo die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen der beiden Palästinenser aufgebahrt waren, kam es nach Berichten von Augenzeugen zu Tumulten. Wütende Palästinenser feuerten Schüsse in die Luft ab und skandierten dazu "Allahu Akbar " (Gott ist groß). Der palästinensische Minister Saeb Erekat verurteilte die Tötung El Ruls. Sie zeige die Entschlossenheit der israelischen Regierung, an einer militärischen Lösung festzuhalten, anstatt den Verhandlungsweg einzuschlagen.

In jüngster Vergangenheit hatte Israel wiederholt gezielte Schläge gegen Funktionäre extremistischer Palästinenser-Gruppen geführt, die im Verdacht standen, an Terrorakten gegen Israel beteiligt gewesen zu sein. Die Palästinenser hatten diese Angriffe als politisch motivierte Morde verurteilt.

Abstimmung über Abzugsplan

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon plant den Abzug aus dem Gaza-Steifen, will aber zuvor die militanten Gruppen zerschlagen. Damit könnte er das Argument seiner politischen Gegner entkräften, ein Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen mache Angriffe radikaler Palästinenser wahrscheinlicher. Am Dienstag steht eine Abstimmung im Parlament über Scharons Abzugplan an. Scharon dürfte sie - auch gegen den Widerstand von Teilen seiner konservativen Likud-Partei - mit Unterstützung der oppositionellen Arbeitspartei gewinnen.

Quelle: ntv.de