Politik
Henkel stellt sein Buch "Die Euro-Lügner" im Haus der Bundespressekonferenz vor.
Henkel stellt sein Buch "Die Euro-Lügner" im Haus der Bundespressekonferenz vor.(Foto: dpa)
Donnerstag, 18. Juli 2013

"Rentner und Sparer werden enteignet": Hans-Olaf Henkel entlarvt die "Euro-Lügner"

Hans-Olaf Henkel gehörte als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie zu den eifrigsten Befürwortern des Euro. Jahre später änderte er unter dem Eindruck der krisenhaften Entwicklung in der Eurozone seine Meinung und wurde zu einem der schärfsten Gegner des Euro in seiner jetzigen Form. In seinem soeben veröffentlichten Buch "Die Euro-Lügner – Unsinnige Rettungspakete, vertuschte Risiken – So werden wir getäuscht" geht der Autor hart mit dem Krisenmanagement ins Gericht, zeigt Auswege auf und warnt vor der Enteignung der deutschen Sparer und Rentner.

n-tv.de: Sie haben erst vor drei Jahren ein eurokritisches Buch mit dem Titel "Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft - Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet" geschrieben. Warum jetzt dieses neue Buch?

Hans-Olaf Henkel: Weil in den vergangenen drei Jahren nichts geschehen ist, was von dem gegenwärtigen, verheerenden Eurokurs abweicht. Ich beschreibe in meinem Buch, wie wir immer tiefer in diese Situation geritten werden und was jetzt geschehen muss.

Sie gebrauchen harte Worte: Euro-Lügner, Euro-Trickser, Kanzlerin Gespaltene Zunge. Fürchten Sie sich nicht vor juristischen Konsequenzen?

Manfred Bleskin im Gespräch mit dem Autor.
Manfred Bleskin im Gespräch mit dem Autor.(Foto: Manfred Bleskin)

Ich bin mir über das Risiko meiner Aussagen bewusst. Der Verlag hat sehr darauf geachtet, dass alles, was ich schreibe, auch den Tatsachen entspricht. Der Euro konnte bislang nur mit Träumereien, Irrtümern und Lügen gerettet werden. Ich überlasse es dem Leser, in welche Kategorie er die von mir genannten Politiker einordnet. Friedrich Nitzsche hat einmal gesagt: "Der Phantast belügt sich selbst, der Lügner belügt andere." Einen nenne ich in der Tat einen Lügner, und zwar Jean-Claude Juncker, der zwölf Jahre lang Mr. Euro war. Ich mache das ganz unbefangen. Er hat ja selbst gesagt, dass man den Euro nur mit Lügen retten kann. "Wenn es ernst wird, muss man lügen." Das ist ein wörtliches Zitat von Juncker. Ein so anspruchsvolles Projekt wie den Euro nur noch mit Lügen am Leben erhalten zu können, sagt alles über das Projekt selbst.

Nun wollen aber immer mehr Staaten in dieses – ich gebrauche einmal Ihre Worte – "Lügenprojekt" hinein. Nach Estland nun auch Lettland, Litauen will folgen. Allein mit der Absicht, sich noch stärker von Russland zu distanzieren, kann man das doch nicht begründen. Gibt es nicht auch andere, attraktive Gründe?

Die von der EU-Kommission veröffentlichten Umfragen zeigen deutlich, dass von den zehn EU-Ländern, die nicht der Eurozone angehören, nur noch die rumänische Bevölkerung den Euro haben will. Die Menschen in den anderen neun Ländern wollen das nicht. Ich war im letzten Jahr in den meisten dieser Länder, so auch in Schweden. Mein ehemaliger Kollege vom schwedischen Industrieverband musste sich für sein Engagement zugunsten des Euro entschuldigen. Heute lehnen 73 Prozent der schwedischen Unternehmer und 91 Prozent der Schweden überhaupt den Euro ab. Bei den Letten ist das genauso. Die lettische Regierung aber will in den Euro. Das kann ich auch verstehen. Sie nutzt alle Möglichkeiten, sich weiter von Russland abzusetzen, man kann auch sagen, in Sicherheit zu bringen. Aus Sicht der Regierung ist eine Euromitgliedschaft eine weitere Versicherung, die sie bereit ist zu zahlen.

Sie sagen, wenn es mit dem Euro so weitergeht, gefährdet er die Demokratie. Meinen Sie damit solche Situationen, in denen die Bevölkerung gegen den Euro, die Regierung aber dafür ist?

Das ist sicherlich ein Grund. Wir hätten uns diese ganze Misere ersparen können, wenn die Deutschen so wie Schweden oder Dänen und andere in der Lage gewesen wären, selbst über den Euro zu entscheiden. Als die D-Mark aufgegeben wurde, war die Mehrheit der Deutschen gegen den Euro. Selbstkritisch muss ich heute sagen, dass die Mehrheit der 100.000 Mitglieder des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, für den ich damals verantwortlich war, wahrscheinlich auch dagegen gewesen wäre, hätte ich eine anonyme Abstimmung durchgeführt. Es ist nicht immer so, dass die Parlamentarier schlauer sind als das Volk.

Ihre kritischen Aussagen zur Steuerungerechtigkeit gegenüber den Minderbemittelten lesen sich ziemlich radikal.

Das betrifft einige Südländer. Das geht ja so weit, dass der frühere griechische Finanzminister eine ihm übergebene CD-ROM mit den Namen von 2000 Steuersündern erst einmal für zwei Jahre verschwinden ließ. Als die dann wieder auftauchte, fehlten drei Namen, und zwar die von Verwandten des Ministers. In Deutschland kann ich nicht darüber klagen. Es gibt natürlich Auswüchse und Skandale, Stichwort Hoeneß usw. Eine flächendeckende Steuervermeidung durch Reiche gibt es bei uns nicht.

Wie bewerten Sie die andauernde Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank? Welche Auswirkungen hat dies für die kleinen Sparer?

Katastrophale! Man erkennt an der gegenwärtigen Zinspolitik, dass der Euro eine Missgeburt ist. Als Frankreichs Präsident Hollande kürzlich sagte, die Zinsen seien für sein Land zu hoch, erklärte Frau Merkel auf dem Sparkassentag hier in Berlin, für die Deutschen seien die Zinsen zu niedrig. Beide haben Recht: Die für die Franzosen zu hohe Zinsen führen dazu, dass dort die Wirtschaft nicht wächst. In Deutschland führen die zu niedrigen Zinsen dazu, dass der Sparer enteignet wird. Die Inflationsrate beträgt zurzeit 1,7 Prozent. Der Sparer bekommt 0,5 Prozent Zinsen und verliert durch die Inflation 1,7 Prozent. Da kann man sich ausrechnen, wann das Geld weg ist. Der deutsche Sparer und der deutsche Rentner würden von einem aufgewerteten Nord-Euro, wie ich ihn vorschlage, unbedingt profitieren.

Mit Hans-Olaf Henkel sprach Manfred Bleskin

Quelle: n-tv.de