Politik
Ein ukrainischer Soldat gibt Feuerschutz auf dem Flughafen von Kramatorsk.
Ein ukrainischer Soldat gibt Feuerschutz auf dem Flughafen von Kramatorsk.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 15. April 2014

Wieder gibt es Tote in der Ukraine: Heftige Kämpfe um Flugplatz Kramatorsk

In mehreren Städten im Osten der Ukraine haben Separatisten die Macht übernommen. Die Regierung in Kiew schaut dem nicht tatenlos zu und schickt Spezialeinheiten in den "Anti-Terror-Kampf". Noch hält Russland seine Truppen zurück. Aber schon jetzt wird von mehreren Toten berichtet.

Ein Kampfflugzeug SU-27 der ukrainischen Luftwaffe beim Einsatz in der Nähe der ukrainisch-russischen Grenze.
Ein Kampfflugzeug SU-27 der ukrainischen Luftwaffe beim Einsatz in der Nähe der ukrainisch-russischen Grenze.(Foto: AP)

Ukrainische Regierungseinheiten und prorussische Separatisten liefern sich seit Stunden bei der ostukrainischen Stadt Kramatorsk schwere Gefechte um den Flugplatz. Dabei hätten die Sicherheitskräfte den Landeplatz der Stadt rund 80 Kilometer nördlich von Donezk unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow. Das russische Staatsfernsehen berichtete von mindestens vier Toten. Die nach Moskau orientierten Aktivisten sprachen indes von einem Verletzten in ihren Reihen. Andere Quellen sprechen bereits von elf Toten. Eine offizielle Bestätigung für die Opferzahlen gab es zunächst nicht. Das Verteidigungsministerium in Kiew hatte zuvor mitgeteilt, dass in Kramatorsk ein Spezialeinsatz begonnen habe.

Zuvor hatte Turtschinow gesagt, die angekündigte "Anti-Terror-Operation" nach dem Ablauf eines Ultimatums sei angelaufen. Russlands Präsident Wladimir Putin fordert von den Vereinten Nationen und der Staatengemeinschaft eine klare Verurteilung des Vorgehens der ukrainischen Sicherheitskräfte im Osten des Landes. Ministerpräsident Dmitri Medwedew warnte, das Land stehe "am Rande eines Bürgerkriegs".

Die UN reagierten umgehend und wiesen die Anschuldigungen Russlands zurück, die russischsprachige Bevölkerung in der Ostukraine sei Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden. Es gebe "keine glaubhaften Beweise" für Vorfälle, die derlei Befürchtungen rechtfertigten, hieß es in dem Bericht des UN-Menschenrechtsbeamten Gianni Magazzeni. Zwar habe es vereinzelt Angriffe auf russischstämmige Bewohner gegeben, jedoch seien diese "weder systematisch noch weitverbreitet" gewesen.

Kiew schickt weitere Soldaten

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Die Separatisten halten seit Tagen Regierungsgebäude in zehn Städten in der Industrieregion Donezk besetzt. In Kramatorsk verließen die Milizen zwar das Polizeihauptquartier, nahmen nach offiziellen Angaben aber anschließend ein anderes Gebäude ein. Später am Tag zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den ukrainischen Verteidigungsminister mit den Worten, in Kramatorsk habe eine "Spezial-Operation" begonnen. Medien berichteten von Maschinengewehrsalven und einem tief fliegenden Kampfflugzeug. Eine Reuters-Reporterin berichtete, Hubschrauber mit weiteren Soldaten seien in der Stadt gelandet. Ein Ultimatum der Regierung, die Waffen niederzulegen, hatten die Rebellen Montag früh verstreichen lassen.

n-tv Reporter Dirk Emmerich ist in der Ostukraine unterwegs und twittert Eindrück von dort.

Separatisten nehmen Kiew als Vorbild

Turtschinow sagte, die "Anti-Terror"-Operation werde schrittweise und besonnen durchgeführt. Auch 50 Kilometer vor Slawjansk sichteten Augenzeugen gepanzerte Fahrzeuge. Es sei aber nicht erkennbar, dass sich das Militär auf eine Erstürmung vorbereite. Am Sonntag waren beim Kampf um das Polizeihauptquartier von Slawjansk zwei Menschen getötet worden. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew schrieb bei Facebook: "In der Ukraine ist erneut Blut vergossen worden." Die Separatisten fordern nach dem Vorbild der Krim ein Referendum über eine Abspaltung der Region.

USA unterstützen Kiew

Die USA haben das militärische Eingreifen der Ukraine gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes verteidigt. "Die ukrainische Regierung hat die Verantwortung, Recht und Ordnung herzustellen", sagte Regierungssprecher Jay Carney in Washington. Die "Provokationen" prorussischer Kräfte "schaffen eine Situation, in der die Regierung handeln muss". Er bezeichnete die Eskalation als "sehr gefährlich". Russland stehe aber hinter dem Handeln der Separatisten. Man erwarte, dass Kiew "schrittweise und verantwortlich" vorgehe.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte, die Spannungen in der Ost-Ukraine gingen auf das Konto Russlands. "Es ist sehr klar, dass Russland seine Hände im Spiel hat", sagte er bei einem Treffen mit den EU-Verteidigungsministern in Luxemburg. Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte die russische Führung in einem Interview der Wochenzeitung "Zeit" auf, auf Abstand zu den gewaltbereiten Kräften zu gehen. Sie haben die russische Führung wiederholt um Unterstützung gebeten.

Die UN-Menschenrechtsbehörde beurteilte allerdings Berichte, mit denen die Separatisten eine russische Intervention erreichen wollen, als aufgebauscht. "Auch wenn es ein paar Angriffe auf die ethnisch russische Gemeinschaft gab, waren sie weder systematisch noch weit verbreitet", heißt es in dem UN-Bericht.

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Quelle: n-tv.de