Politik

Mittel gegen Leiharbeit und Hartz IV Henkel will leichter entlassen

Er würde lieber eine prekäre Beschäftigung eingehen, als dem Staat auf der Tasche zu liegen, sagt Ex-BDI-Präsident Henkel n-tv.de. Niedriglohn und Leiharbeit ließen sich nach Ansicht des Managers deutlich verringern, wenn der Kündigungsschutz stark gelockert würde.

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Hans-Olaf Henkel rät Deutschland zu einem Prioritäten-Wechsel.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Angesichts der massiven Zunahme von Leiharbeit plädiert Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel für eine weitreichende Lockerung des Kündigungsschutzes. "Leiharbeit ist die Folge eines viel zu blockierten Arbeitsmarktes", sagte Henkel n-tv.de. Bei schwankender Auslastung müsse der Unternehmer oft zur Leiharbeit greifen, weil er nicht wisse, ob er einen Neuangestellten nachhaltig beschäftigen könne. "Hätten wir einen lockereren Kündigungsschutz, gäbe es automatisch mehr Festangestellte und weniger Leiharbeiter", so Henkel, der inzwischen Mitglied einiger Aufsichtsräte und Berater der Bank of America ist.

Den Hauptgrund für die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse sieht Henkel in der Höhe der Abgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. "In den Bruttoarbeitskosten sind die deutschen Arbeitsplätze für Geringqualifizierte viel zu teuer", so Henkel. Ihm persönlich sei jedoch eine prekäre Arbeit lieber, "als, vom Staats bezahlt, nichts zu tun zu haben".

Die Diskussion um die Hartz-IV-Gesetzgebung sieht Henkel auf dem falschen Weg. Es sei nicht nötig, Hartz IV zu verbessern, "sondern dafür zu sorgen, dass immer weniger darauf angewiesen sind". Die Prioritäten müssten neu gesetzt werden. Einen Schlüssel dazu sieht der Manager in besserer Bildung. "Je höher die Bildung, desto weniger das Risiko, zum Hartz-IV-Empfänger zu werden." Zudem müsse der Staat jede politische Entscheidung daraufhin überprüfen, ob sie Arbeitsplätze schaffe oder nicht, forderte Henkel im n-tv.de-Interview.

Die Agenda 2010 des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder beurteilt Henkel als eine "verzweifelte Flucht nach vorn und nicht als eine Demonstration von Mut." Der Mut sei erst hinterher hineininterpretiert worden. "Erst, als offenkundig wurde, dass es mit der Arbeitslosigkeit bergauf und mit Deutschland bergab ging, hat Schröder die Agenda 2010 in Angriff genommen." Da sei er aber bereits fünf Jahre im Amt gewesen. Immerhin habe Schröders Werk jedoch gezeigt, dass "Reformen nur dann Erfolg beim Arbeitsmarkt haben, wenn sie zunächst unpopulär sind", so Henkels Fazit.

Quelle: ntv.de, jmü