Politik
Von 1967 bis 1978 wurden nach bisherigen Erkenntnissen 126.000 Fässer mit schwach und mittelschwer radioaktiv belasteten Müll gelagert.
Von 1967 bis 1978 wurden nach bisherigen Erkenntnissen 126.000 Fässer mit schwach und mittelschwer radioaktiv belasteten Müll gelagert.(Foto: AP)
Donnerstag, 06. August 2009

Asse-Ausschuss: Hinweise auf mehr Plutonium

Die politische Verantwortung für die Zustände im maroden Atommülllager Asse wird im niedersächsischen Landtag untersucht. Ersten Zeugenaussagen zufolge, lagerte in Asse möglicherweise doppelt so viel giftiges Plutonium wie bisher angenommen.

2loc2522.jpg1702024809411296654.jpgDer Ex-Abteilungsleiter für Strahlenschutz beim niedersächsischen Landesbergamt, Jürgen Schubert, sagte vor dem Asse-Untersuchungsausschuss in Hannover, nach den ihm bekannten Unterlagen gehe er von "23 bis 25 Kilogramm Plutonium" aus, die dort zwischen 1967 und 1978 eingelagert worden seien. Bisher waren offiziell stets 11,8 Kilogramm genannt worden.

Schubert trat am ersten Tag der öffentlichen Zeugenvernehmungen des Ausschusses auf. Das Gremium des niedersächsischen Landtags hat den Auftrag, die politischen Verantwortlichkeiten für den maroden Zustand des Lagers bei Wolfenbüttel zu klären. In dem früheren Salzbergwerk wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen meist aus der kerntechnischen Industrie eingelagert. Seit 1988 dringen in über 600 Meter Tiefe täglich rund zwölf Kubikmeter Wasser ein, zudem war erst kürzlich erneut radioaktiv belastete Lauge festgestellt worden.

Hochaktiver Müll?

In den vergangenen Wochen war der Verdacht aufgekommen, dass in dem Lager möglicherweise auch hochradioaktiver Müll deponiert sein könnte. Schubert widersprach allerdings diesen Spekulationen: "Das ist mit Sicherheit zu verneinen". Solch hochradioaktiver Müll brauche eine riesige Abschirmung, dafür hätte die Technik der Asse nicht ausgereicht: "Ich glaube nicht, dass jemand so selbstmörderisch ist, hochaktiven Müll unabgeschirmt in die Grube zu bringen".

2lo50311.jpg5676023885303320055.jpgNicht Stellung nehmen wollte Schubert zu Schriftstücken aus den Jahren 1962 bis 1965, in denen das Landesbergamt die Bundes- und Landesregierung wegen Einsturzgefahr und der Gefahr von Wassereinbrüchen vor der Asse als Endlager gewarnt hatte. Er sei am Verfahren erst ab 1966 beteiligt gewesen, als die Grundsatzentscheidung bereits gefallen war. Schubert bezeichnete es aber als "böse Überraschung", dass dann 1988 der Wasserzutritt von täglich rund zwölf Kubikmetern begann.

Zuvor hatte bereits ein früherer leitender Arzt der Gesellschaft für Strahlenforschung (GFS) ausgesagt. Die GFS war bis Ende 2008 Betreiber des Atomlagers, das in einem alten Salzbergwerk geschaffen wurde. Der frühere GFS-Arzt Karl Niklas sagte, er habe während des gesamten Einlagerungszeitraums von keinerlei "Störfällen oder Unfällen" mit radioaktiver Strahlung erfahren.

Opposition: Schleppende Aufarbeitung

Die Oppositionsparteien in dem Ausschuss kritisieren eine schleppende Überlassung von Akten zur Asse durch das Umweltministerium des Landes, das die Atomaufsicht innehat. Sie kritisieren zudem, dass die Ausschussmehrheit von CDU und FDP auf einer chronologischen Aufarbeitung besteht. Damit ist ausgeschlossen, dass aktuelle Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch vor der Bundestagswahl am 27. September gehört werden können. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace macht Merkel den Vorwurf, sie habe schon 1996 als damalige Bundesumweltministerin von Risiken der Asse gewusst.

Das Atomlager soll geschlossen werden, da die Standsicherheit der Schachtanlage nur noch bis 2020 gewährleistet ist. Bis zum Jahresende will der neue Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), zwischen drei Schließungsoptionen entscheiden. Geprüft werden sollen eine komplette Verfüllung der Hohlräume, die interne Umlagerung oder eine Rückholung der Atomabfälle. Die Kosten der Stilllegung schätzt das Bundesumweltministerium auf bis zu vier Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de