Politik

Flucht aus der Türkei Hochrangige Polizisten beantragen Asyl

imago79892148h.jpg

Die Türkei fordert die Auslieferung der Asylsuchenden.

(Foto: imago/Depo Photos)

Seit dem gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 fliehen immer mehr Türken nach Deutschland - darunter viele ehemalige Staatsdiener. Nun sollen auch ranghohe Polizisten und Geheimdienstler Asyl beantragt haben. Sie befürchten Repressalien.

Mehrere ranghohe türkische Polizeibeamte haben in den vergangenen Monaten in Deutschland Asyl beantragt. Darunter befinden sich nach Informationen der Zeitung "Die Welt" auch ein führender Beamter des türkischen Inlandsgeheimdienstes Istihbarat sowie ein ehemaliger Polizeibeamter, der als Verbindungsmann des BKA in Hessen tätig war.

Die beiden Männer hatten in Nordrhein-Westfalen Asylanträge gestellt und sind dort nun in einer Flüchtlingsunterkunft zusammen untergebracht. Über den Verbleib der anderen hochrangigen Polizeibeamten, die Asyl beantragten, ist nichts bekannt. "Aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes äußern wie uns nicht zu Einzelpersonen", erklärte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der Zeitung.

Seit August 2016 haben mehr als 6700 Türken in Deutschland um politisches Asyl gebeten. Die steigende Zahl von Asylsuchenden steht im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016, für den die Gülen-Bewegung verantwortlich gemacht wird. Weil die AKP-Regierung zudem eine Verschwörung und Unterwanderung des türkischen Staates durch Gülen-Anhänger fürchtet, hat sie seitdem fast 150.000 verdächtige Beamte, Lehrer und Militärangehörige entlassen. Zehntausende Menschen wurden verhaftet. Am vergangenen Freitag erst enthob Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan weitere 928 Staatsdiener des Amtes.

Türkei will Inhaftierte austauschen

Die Entscheidung der Bundesregierung, türkischen Beamten und Soldaten Asyl zu gewähren, belastet die bilateralen Beziehungen zu der Türkei erheblich. Mehrfach forderte Erdogan die Bundesregierung auf, mutmaßlich am Putsch beteiligte Asylsuchende auszuliefern. Zudem reagierte das Land mit der Festnahme mehrerer Bundesbürger - darunter der Journalist Deniz Yücel. Vermutlich steht dahinter die Absicht, die inhaftierten Deutschen gegen die Asylsuchenden "auszutauschen".

Medienberichten zufolge soll Erdogan der Bundesrepublik bereits vor einigen Wochen angeboten haben, den inhaftierten deutsch-türkischen "Welt"-Korrespondenten Yücel gegen zwei nach Deutschland geflohene Ex-Generäle der türkischen Armee auszutauschen.

Quelle: n-tv.de, lou

Mehr zum Thema