Politik
Wenn Politik auf ihre Folgen trifft: Merkel und die Rostocker Schülerin Reem.
Wenn Politik auf ihre Folgen trifft: Merkel und die Rostocker Schülerin Reem.(Foto: Screenshot)
Donnerstag, 16. Juli 2015

Interview mit Felix von KiKA: "Hoffentlich kann Reem in Deutschland bleiben"

Hauptberuflich macht Felix Seibert-Daiker Kinderfernsehen. Am Mittwoch moderierte er eine Diskussionsrunde zwischen der Bundeskanzlerin und Rostocker Schülern. Als es um Flüchtlingspolitik geht, bricht ein palästinensisches Mädchen in Tränen aus. "Ich wünsche mir, dass Reem und ihre Geschichte künftig immer mitschwingt, wenn wir über Flüchtlinge reden", sagt Felix Seibert-Daiker.

n-tv.de: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als das palästinensische Mädchen angefangen hat zu weinen?

Felix Seibert-Daiker mit Bundeskanzlerin Merkel in der Rostocker Paul-Friedrich-Scheel-Schule.
Felix Seibert-Daiker mit Bundeskanzlerin Merkel in der Rostocker Paul-Friedrich-Scheel-Schule.(Foto: Screenshot)

Felix Seibert-Daiker: Das, was ich immer in solch einer Situation denke. Das hat mich sehr berührt. Kinder, die weinen, nehmen mich immer sehr mit.

Was denkst du über die Reaktion von Angela Merkel?

Das war wirklich eine schwierige Situation für Frau Merkel. Um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte nicht mit ihr tauschen wollen. Auf der einen Seite hat sie die Flüchtlingspolitik dargestellt und versucht, sie den Jugendlichen so sachlich wie möglich zu erklären. Ich glaube, dass viele ihrer Kollegen anders reagiert hätten. Auf der anderen Seite saß da ein Mensch, der Angela Merkel mit den Folgen ihrer Politik konfrontiert hat. Der Rahmen war keine politische Debatte im Bundestag, sondern ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht – in diesem Fall zwischen Angela Merkel und Reem. In solch einer Situation hundertprozentig richtig zu reagieren, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Kanzlerin hat argumentiert, Deutschland könne nicht allen Flüchtlingen im Nahen Osten oder in Afrika zuzurufen: "Ihr könnt alle kommen." Hat sie damit Recht?

Das kann ich nicht beurteilen.

Merkel hat Reem mit den Worten getröstet, sie hätte "das doch prima gemacht". Du hast dann gesagt: "Ich glaube nicht, Frau Bundeskanzlerin, dass es da um prima machen geht, sondern das ist natürlich eine sehr belastende Situation ...". Hat dich jemand aus dem Kanzleramt später auf diesen Einwurf, den man ja als Kritik verstehen könnte, angesprochen?

Nein. Die Kinder haben die Themen, über die sie sprechen wollten, selbst in Workshops erarbeitet und über Fragen an Frau Merkel nachgedacht. Das lief komplett autonom und ohne Absprachen.

Normalerweise moderierst du bei KiKA die Sendung "Erde an Zukunft". In welchem Rahmen fand die Veranstaltung in Rostock statt?

Das war ein Gespräch innerhalb des Bürgerdialogs der Bundesregierung unter dem Titel "Gut leben in Deutschland".

Den kenne ich. Aber gibt es nicht auch bei KiKA eine Reihe zu Flüchtlingen?

Ja, auch KiKA richtet im Rahmen eines kleinen Programmschwerpunkts ab Freitag den Blick auf das Thema Flucht. In Rostock ging es aber nicht nur um Flüchtlinge, sondern auch um Umweltschutz, Klimaschutz oder gleichgeschlechtliche Ehen.

Weißt du, ob Reem und ihre Familie selbst von Abschiebung bedroht sind?

Das weiß ich nicht. In den Workshops vor dem Gespräch hat Reem mir erzählt, dass sie aus dem Libanon kommt, aber über die Situation ihrer Familie haben wir nicht gesprochen. Ich würde mich freuen, wenn sie in Deutschland bleiben und ihre Träume verwirklichen könnte.

Dein Fazit?

Mir hat die Situation gezeigt, dass selbst ein Profi wie die Bundeskanzlerin bei der Flüchtlingsdebatte ins Schleudern kommt, wenn sie sieht, dass Flüchtlingspolitik an Einzelschicksale gebunden ist. Mein Appell an die Kanzlerin später in der Veranstaltung war, dass genau das in der Politik ankommt: Ich wünsche mir, dass Reem und ihre Geschichte künftig immer mitschwingt, wenn wir über Flüchtlinge reden.

Mit Felix Seibert-Daiker sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de