Politik
IS-Kämpfer brüsten sich gerne in perfekt inszenierten Videos ihrer besonderen Grausamkeit.
IS-Kämpfer brüsten sich gerne in perfekt inszenierten Videos ihrer besonderen Grausamkeit.
Samstag, 26. Juli 2014

Terroristen eroben Rakka: IS enthauptet 50 syrische Soldaten

Bislang kämpften die Terroristen der Gruppe Islamischer Staat vor allem gegen andere Aufständische und schiitische Gruppen im Irak. Doch nun wenden sie sich auch gegen Kämpfer von Präsident Assad - in gewohnt grausamer Manier.

In Syrien scheinen sich Berichte über eine schwere Niederlage der syrischen Armee gegen radikalislamische Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat (IS) zu bestätigen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zog sich die Armee am Freitagabend komplett aus ihrer Militärbasis in der nördlichen Provinz Rakka zurück. Diese war zuvor von IS-Kämpfern angegriffen worden, mindestens 50 Soldaten wurden dabei laut der oppositionsnahen Beobachtungsstelle getötet. Die IS selbst sprach von 75 getöteten Soldaten.

Rakka ist eine der Hochburgen der sunnitischen Dschihadisten, die mittlerweile weite Teile im Irak und mehrere Provinzen in Syrien kontrollieren und dort einen islamischen Gottesstaat ausgerufen haben. In Rakka stand nur noch die große Basis der 17. Division, eine weitere Basis des 93. Regiments sowie der Flughafen von Tabka unter Kontrolle der syrischen Führung. Was aus der Basis der 17. Division wird, ist noch unklar, die staatlichen Medien schwiegen zu der Niederlage. Es war die erste größere Konfrontation zwischen der syrischen Armee und der IS.

Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, warf den Dschihadisten vor, einen Großteil der 50 Soldaten enthauptet zu haben, nachdem sie ihnen in die Hände gefallen waren. Unklar sei, was aus den anderen Soldaten der Basis geworden sei.

Bei den Kämpfen in der Region wurden demnach seit Donnerstag insgesamt knapp 100 Menschen getötet, darunter 28 sunnitische Kämpfer. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk von Ärzten und Aktivisten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht nachzuprüfen.

Sunniten begehren auf

Die IS hatte sich zuletzt auch vermehrt gegen einstige sunnitische Verbündete gewandt. Im Irak begehren nun, sechs Wochen nach dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dort, sunnitische Stämme auf. Ein Stammesführer in der westirakischen Provinz Al-Anbar, Ahmed Abu Rischa, sagte dem kurdischen Nachrichtenportal Rudaw, dass seine Kämpfer die Dschihadisten aus der Region vertreiben und "die Stadt Falludscha in den kommenden Tagen befreien" wollten. Seinen Angaben nach soll es dafür sogar eine Kooperation mit dem irakischen Militär geben.

Bislang sahen die irakischen Sunniten die Extremisten als ungeliebte, aber wichtige Waffenbrüder im Kampf gegen die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad. Nun betonte Abu Rischa, dass die ebenfalls sunnitischen IS-Kämpfer in Anbar mit Gewalt gegen Stammesführer vorgingen, die sich ihnen nicht unterordnen wollten. Einige seien sogar hingerichtet worden.

Die Terrormiliz, die auch im Bürgerkriegsland Syrien große und strategisch wichtige Landstriche erobert hat, war bereits monatelang in Al-Anbar präsent, bevor sie im Juni ihren Eroberungszug in Richtung Bagdad begann. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind im Irak seit Jahresbeginn rund 5600 Zivilisten getötet worden.

Quelle: n-tv.de