Politik
Auch die Hauptstadt Syriens gerät nun ins Visier des IS. In dem umkämpften Flüchtlingslager sollen sich bis zu 18.000 Menschen aufhalten.
Auch die Hauptstadt Syriens gerät nun ins Visier des IS. In dem umkämpften Flüchtlingslager sollen sich bis zu 18.000 Menschen aufhalten.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 01. April 2015

Flüchtlingslager Jarmuk erobert: IS stößt erstmals nach Damaskus vor

IS-Kämpfer bringen erstmals einen Teil der syrischen Hauptstadt unter ihre Kontrolle. Die Terrormiliz erobert dort ein Flüchtlingslager, in dem sich noch 18.000 Menschen aufhalten sollen. Die Kämpfe im Lager dauern an.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ist erstmals in die syrische Hauptstadt Damaskus vorgerückt. IS-Kämpfer eroberten große Teile des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk im Süden der Stadt, wie ein Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) sagte. In dem Lager werde weiterhin gekämpft. Im Süden Syriens lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen Gefechte um einen Grenzübergang nach Jordanien.

IS-Kämpfer hätten das Flüchtlingslager am Morgen gestürmt und weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der PLO-Vertreter Anuar Abdel Hadi. Die Kämpfe zwischen den Dschihadisten und den Mitgliedern palästinensischer Milizen dauerten an. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Angaben.

Das etwa zwei Quadratkilometer große Lager Jarmuk liegt im Süden der syrischen Hauptstadt. Zeitweise lebten dort bis zu 160.000 Palästinenser und Syrer; derzeit sind es noch etwa 18.000 Flüchtlinge. Das Camp wurde seit Juli 2013 mehr als ein Jahr lang von der syrischen Armee belagert, zahlreiche Menschen kamen durch Mangel an Nahrung und Medizin ums Leben. Nach einem Abkommen mit den bewaffneten Palästinensergruppen zogen sich die syrischen Rebellen im Lager im Februar 2014 zurück.

Jordanien schließt Grenze

Die IS-Miliz hatte im vergangenem Sommer weite Gebiete in Syrien und im benachbarten Irak erobert und dort ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen. Die Dschihadisten bekämpfen die Regierung von Syriens Staatschef Baschar al-Assad, vor allem aber lieferten sie sich bisher Gefechte mit anderen Rebellengruppen.

In der südsyrischen Provinz Daraa attackierten Rebellen den letzten von der Regierung kontrollierten Grenzübergang nach Jordanien. Mehrere bewaffnete Gruppen, unter ihnen die Islamisten der mit dem IS verfeindeten Al-Nusra-Front, starteten am Morgen einen Angriff auf den Kontrollposten in Nassib, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Die Armee warf demnach Fassbomben und Raketen auf Stellungen der Rebellen rund um Nassib ab.

Als Reaktion auf die Kämpfe wurde der Grenzübergang auf jordanischer Seite geschlossen. Der Grenzposten Dschaber sei aus Sicherheitsgründen vorübergehend abgeriegelt worden, teilte das Innenministerium in Amman mit.

Quelle: n-tv.de