Politik

"Nah dran!" in Prag "Ich fühle mich als Europäer"

Kurz vor der Europawahl reist n-tv Reporterin Liv von Boetticher durch die EU, um die politische Gefühlslage der Menschen vor Ort aufzuzeichnen. Nach Stationen in Frankreich, Italien und Ungarn trifft sie in Prag auf pro-europäische Stimmen.

Tschechien profitiert von Europa: Der wirtschaftliche Aufschwung ist im Großraum Prag nicht zu übersehen. Das Nachbarland im Osten weist im europaweiten Vergleich mittlerweile die mit Abstand niedrigste Arbeitslosenquote aus. Die tschechische Wirtschaft zieht längst auch Migranten aus "alten" EU-Staaten wie Italien oder Spanien an.

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Für n-tv unterwegs in Europa: Liv von Boetticher

(Foto: Francisco De La Torre)

Doch wie steht die tschechische Bevölkerung zur Europäischen Union? "In den letzten 15 Jahren hat sich sehr viel verändert", sagt der junge Prager David Hoffelner. "Es ist sehr viel Geld in die Bildung und Infrastruktur geflossen. Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat Tschechien definitiv viel geholfen."

So zuversichtlich wie der Student Hoffelner beurteilen allerdings längst nicht alle Tschechen die Lage. Vor allem unter den Älteren sind EU-skeptische Ansichten weit verbreitet – was auch in Tschechien zu einem Aufschwung rechtspopulisitischer Bewegungen führte. "Ich kann verstehen, dass manche die EU verlassen wollen", meint Hoffelner. "Der Grund sind die Populisten. Sie verdrehen die Tatsachen. Und es ist sehr einfach, die Meinung der Menschen zu beeinflussen."

Auf der weltberühmten Karlsbrücke spricht die n-tv Reporterin Liv von Boetticher den Musiklehrer Rudolf Krula an. Was denkt über den in manchen Kreisen diskutierten EU-Abschied im Rahmen eines sogenannten "Czexit"?

"Ein EU-Austritt Tschechiens ist natürlich für all jene eine Option, die davon profitieren würden", sagt Krula. "Aber ich persönlich glaube, dass es für die meisten Menschen besser ist, wenn wir die EU nicht verlassen. Ich möchte in der EU bleiben, denn das gibt mir gute Perspektiven beim Arbeiten und beim Reisen."

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Die Stationen der Europa-Tour zum Anklicken:

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Hinweis: Die Übersicht zu den einzelnen Stationen der "Nah dran!"-Tour durch Europa wird mit der Ausstrahlung jeder weiteren Sendung laufend ergänzt.

Budapest: "Hass und Angst gehören zum Alltag"

Über viele Jahrhunderte hinweg war Budapest das kulturelle Zentrum des Vielvölkerreichs Österreich-Ungarn. Doch unter Regierungschef Viktor Orban kapselt sich das Land immer mehr ab. Auf ihrer Rundreise durch europäische Nachbarstaaten macht n-tv Reporterin Liv von Boetticher Station in der ungarischen Hauptstadt Budapest, um den politischen Ansichten in der Bevölkerung nachzuspüren.

Ihre Fragen kreisen um die Europawahl, um den international umstrittenen Kurs des seit gut neun Jahren amtierenden Regierungschefs Orban und um die aufkeimende Fremdenfeindlichkeit in dem rund 9,8 Millionen Einwohner zählenden EU-Staat im Südosten Europas. Doch über die Politik Orbans wollen viele Menschen in der Donaumetropole vor laufenden Kameras lieber nicht sprechen.

In einer Arbeitspause willigt schließlich der Bauarbeiter Gyór Lakatos ein, die Fragen der jungen Reporterin aus Deutschland zu beantworten. "Ich sage meine Meinung, ich habe keine Angst", erklärt er. Mit der Politik der herrschenden Partei ist er offenkundig unzufrieden. Orban habe zwar mehrfach die Renten angehoben, sagt Lakatos, aber davon habe er nichts.

Orban müsse den armen Menschen mehr helfen, fordert der Arbeiter aus dem Osten Ungarns. Für einen Stundenlohn von 2,50 Euro muss er Zwölf-Stunden-Schichten in der Hauptstadt ableisten, um seine Familie ernähren zu können. "Orban macht Gesetze für die Reichen, nicht für die Armen", sagt er.

Überall in der Stadt schlägt dem n-tv Team ein Klima des Misstrauens und der Angst entgegen: Passanten wenden sich ab, sobald sie die Kamera und das Mikrofon erblicken. Nur an einem Aussichtspunkt hoch über der Donau trifft die Journalistin eine Budapesterin, die sich freimütig äußern will.

"Ich habe keine Angst, meine Meinung offen zu sagen, denn ich bin schon in Rente", erklärt die pensionierte Lehrerin Márta Pataki. "Ich habe schon immer meine Meinung gesagt, und damit werde ich auch jetzt nicht aufhören." Zwischen den Zeilen offenbart ihre mutige Haltung, wovor sich viele Ungarn offenbar fürchten. "Wenn ich meine Arbeit verlieren würde, weil ich sage, was ich denke, dann würde ich eben als Putzfrau nach Österreich gehen. Es gibt immer einen Weg."

Abseits der Kamera gestehen andere Gesprächspartner der Reporterin ein, dass sie tatsächlich Angst haben müssen, im Anschluss an ein Interview mit Medienvertretern aus dem Ausland Besuch von der Polizei zu bekommen. "Mit seinem gegenwärtigem Rechtssystem und seiner Staatsverfassung käme Ungarn heute nur noch schwer als EU-Beitrittskandidat in Frage", fasst Liv von Boetticher ihre Eindrücke aus Budapest zusammen. "Hass, Rassismus und die Angst vor staatlichen Übergriffen gehören bei vielen Ungarn inzwischen zum Alltag." Dies, so sagt sie, sei eine Entwicklung, "bei der es die Demokratie und Europa am Ende schwer haben werden".

Triest: "So war das auch während des Krieges"

Kurz vor dem großen Wahltermin am 26. Mai rückt die nordostitalienische Hafenstadt Triest weltweit in die Schlagzeilen: Beim örtlichen Halbmarathon, hieß es zunächst, dürften keine Läufer aus afrikanischen Staaten starten. n-tv Reporterin Liv von Boetticher geht den Berichten nach und erlebt auf ihrer "Nah dran!"-Tour in Triest hautnah mit, wie Anwohner und Lokalpolitiker auf den aufkeimenden Rassismus reagieren.

"Es ist einfach eine dumme Entscheidung gewesen, ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht haben, aber es war richtig dumm", meint der Triester Gabriel Glisic im Gespräch mit n-tv. Offiziell begründeten die Veranstalter ihre Aufsehen erregende Startverbot-Entscheidung damit, man habe afrikanische Läufer so vor der Ausbeutung durch skrupellose Manager schützen wollen. Glisic hält das für absurd. Er vermutet stattdessen dumpf-rassistische Überlegungen dahinter. "Es macht einfach keinen Sinn. Wahrscheinlich wollten die Veranstalter die schwarzen Läufer ausschließen, weil sie immer alles gewonnen haben."

Überraschend kommen solche Skandale nicht. Die Vorfälle in Triest reihen sich ein in eine ganze Serie rechter und teils sogar faschistischer Äußerungen in der italienischen Öffentlichkeit. Wie geht das eigentlich weltoffene Italien damit um? An einem Kiosk trifft n-tv Reporterin Liv von Boetticher das Ehepaar Adriana und Isacco Cesana, sie gehören der lokalen jüdischen Gemeinde an. Im Holocaust haben sie einen Großteil ihrer Familie verloren. Der offen zu Schau getragene Rassismus macht ihnen offenkundig große Angst.

"Das weckt schreckliche Erinnerungen", sagt Adriana Cesana mit Blick auf das Erstarken der Rechtspopulisten. "So war es auch während des Zweiten Weltkriegs, den wir noch miterlebt haben. Ich fange an zu zittern, wenn ich daran denke."

Adrianas Mann sieht die Verantwortung dafür ganz klar bei der Politik. Die Rechtspopulisten erzählten "Sachen, die einfach nicht stimmen", sagt Isacco Cesana. Den Trend nach rechts betrachtet der betagte Italiener mit großer Sorge. "Das geht nicht gut", fürchtet er. "Am Ende ist es einfach rassistisches Gerede. In einer Stadt wie Stadt Triest sollte so etwas nicht mehr stattfinden."

"Das ist so eine schreckliche Sache und gibt so ein schlechtes Bild von Triest ab", pflichtet Monica Lonza ihren Nachbarn bei. "Das so etwas im Jahr 2019 passieren kann. Vielleicht ist es eine Strategie der Politik, aber es ist komplett daneben." In der Innenstadt von Triest stößt die n-tv Reporterin auch auf Vertreter jener Partei, die den Rassismus in Italien in den Augen vieler Beobachter erst wieder salonfähig gemacht hat: Matteo Salvinis rechtspopulistische Lega. Wie beurteilt man dort die Lage?

"Eines von Salvinis Zugpferden ist natürlich das Thema der Migration", gesteht die Lega-Wahlkämpferin Antonella Rinaldi auf Nachfrage ein. "Und das ist auch ein Thema, was im Frankreich von Marine Le Pen diskutiert wird, auch in Österreich und auch in Victor Orbans Ungarn. Deshalb ist auch ein Thema für uns. Wir wollen uns zusammenschließen, und so die Mehrheit der Wähler für uns gewinnen."

Mailand: "Europa existiert nicht mehr"

Die pulsierende Handels- und Industriemetropole Mailand liegt im Zentrum des wirtschaftsstarken Nordens Italiens: Hier schlägt das ökonomische Herz der drittgrößten Euro-Wirtschaftsmacht nach Deutschland und Frankreich. Die Region "Milano" bildet mit mehr als sieben Millionen Einwohnern den mit Abstand größte Ballungsraum Italiens.

Während das Land politisch immer weiter nach rechts rückt, gilt Mailand weiter als eine Hochburg der italienischen Linken. "Die Stadt muss zu einer Art Leuchtturm werden", erklärt Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala im Gespräch mit n-tv. "Wir müssen wirklich allen zeigen, dass wir in einer anderen, offenen Art leben können."

Doch selbst im traditionell linksliberalen Mailand treten längst auch Anhänger faschistischen Gedankenguts unverhohlen in aller Öffentlichkeit auf, wie n-tv Reporterin Liv von Boetticher auf ihrer fünften Station der "Nah dran!"-Tour durch Europa erfährt. "Das, was Mussolini vor 70 Jahren gemacht hat, war einfach sehr gut", sagt etwa der frühere Lkw-Fahrer Umberto Goretti.

"Die Politiker von heute müssen Mussolini dankbar sein für das, was er geschafft hat, meint der der 74-Jährige, der seinen Angaben zufolge von seiner Rente kaum leben kann. Die rechtspopulistische Partei Lega unter Innenminister Matteo Salvini bringe Italien "wieder auf den richtigen Kurs", hofft er.

Offen wünscht er Italien zurück in den Faschismus der 1930er und 1940er Jahre. Mussolinis "einziger Fehler", meint Goretti, sei es gewesen, "dass er eine Koalition mit dem Herrn aus Deutschland eingegangen ist". Wenn der "Duce" heute noch leben würde, behauptet der Rentner, dann würde es "diesen ganzen Müll hier nicht geben".

Mit seinen Ansichten steht Goretti in Italien alles andere als alleine da. Eine ähnlich düstere Weltsicht offenbart auch der 84-jährige Mailänder Guiseppe Stella. "Ich sehe die Zukunft von Italien schwarz - und die von Europa auch", sagt er. "Europa existiert nicht mehr, das einzige Europäische ist der Euro. Die Politiker denken nur an die finanzielle Einheit – nicht an die politische Einheit. Das kann nicht funktionieren."

"Die alten Schatten der Vergangenheit erstarken in Italien wieder zu neuen Kräften, auch in einer modernen Stadt wie Mailand", fasst unsere Kollegin die Stimmungslage in Mailand vor der Europawahl zusammen. "Es ist im Moment nicht leicht", konstatiert der Kommunalpolitiker Sala, "ein demokratischer, ein linker Bürgermeister in Italien zu sein – oder sagen wir, in Europa".

Metz: "Diese Menschen wählen nicht mehr"

In Frankreich strahlen die Europawahlen diesmal die Aura einer nationalen Testabstimmung aus: Der Wahl zum EU-Parlament am 26. Mai gingen monatelange Proteste der "Gelbwesten"-Bewegung voraus. Auf ihrer Rundreise durch Europa erfährt n-tv Reporterin Liv von Boetticher in der alten lothringischen Reichsstadt Metz, warum viele Franzosen so tief enttäuscht von der Politik der etablierten Parteien in Paris sind.

"Man kann schon sagen, dass zur Zeit eine Art Französischen Revolution stattfindet", beschreibt Stephan Ulrich, der Küster der altehrwürdigen Kathedrale von Metz, die Stimmung in der Bevölkerung. "Die Protestler kommen viel häufiger und spontaner zusammen als früher. Es gibt wirklich einen Willen, die Dinge zu ändern. Die Menschen sind bereit, etwas zu verändern."

"Frankreich ist ein Land, das die Politik liebt", hält Brasserie-Chef Rafael Müller dagegen. Von seinem Arbeitsplatz im Schatten des Jahrhunderte alten gotischen Bauwerks aus hat er einen guten Überblick über die Stimmungslage seiner Mitbürger. Die "Gelbwesten" sieht er nur als eine Protestbewegung von vielen. "Es ist eine Reaktion auf die Zurückweisung, die die Menschen fühlen."

"Viele meiner Freunde machen bei den 'Gelbwesten' mit", erzählt er. Die Masse der Anhänger kommt seiner Ansicht nach vom Land. "Die Menschen fühlen sich zurückgelassen, abgehängt." Die großen europapolitischen Ideen von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron gehen an den Problemlagen vieler Franzosen offensichtlich vollkommen vorbei.

"Die 'Gelbwesten'-Bewegung ist weder rechts noch links", sagt Müller. "Diese Menschen wählen auch nicht mehr, sie sind zu enttäuscht. Sie gehen jetzt auf die Straße. Diese Menschen fühlen sich vergessen."

Nancy: Warum die Franzosen keine Wunder erwarten

Präsident Macron stellt die Einheit Europas in den Mittelpunkt seiner Politik. Doch erreicht diese Botschaft auch seine Bürger? n-tv Reporterin Liv von Boetticher erlebt auf der "Nah dran!"-Tour durch Europa im französischen Nancy, wie sehr die anstehenden Europawahlen im Schatten der französischen Innenpolitik stehen.

Für viele Franzosen stehen derzeit ganz andere, dringlichere Themen im Vordergrund, wie unsere Kollegin etwa im Gespräch mit dem Straßenarbeiter Charles Monet erfährt. Der junge Mann, der sich selbst als politisch links beschreibt, berichtet von hohen Spritkosten, die er und seine Kollegen für den Betrieb ihrer Maschinen zu tragen hätten. Auch aus diesem Grund habe er sich den Protesten der "Gelbwesten" angeschlossen.

Seine finanziellen Sorgen verbindet er mit der Forderung, die Grenzen für Einwanderer zu schließen. "Sie sehen, dass wir sie mit offenen Armen willkommen heißen", fasst er die Lage aus seiner Sicht zusammen. "Das ist das falsche Signal. Wir arbeiten für diese Menschen mit."

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In Nancy ist spürbar, wie groß der Unmut in der Bevölkerung tatsächlich ist. "Jeder protestiert, der einfach müde ist, der genug davon hat, von der französischen Politik manipuliert und verraten zu werden", erklärt die Anwohnerin Noemie Tartiveau. "Man kann den Menschen in Frankreich keinen politischen Stempel mehr aufdrücken, ob sie rechts oder links sind. Wir denken einfach an uns, was das Beste für uns ist."

Ähnlich nüchtern blickt die französische Rentnerin Christiane Schmitzberger auf die anstehenden Europawahlen. "Ich erwarte von den Wahlen keine Wunder mehr. Europa ist groß und es ist so schwer, dass alle auf der gleichen Seite sind. Wir haben wirklich viel Arbeit vor uns."

Antwerpen: Warum fast alle Belgier wählen gehen

Die Belgier wählen wie die Deutschen am 26. Mai: Bis zur Europawahl sind es damit auch in Antwerpen, der zweiten Station der n-tv "Nah dran"-Tour durch Europa, nur noch elf Tage. Auf ihrer Rundreise spürt Reporterin Liv von Boetticher in der traditionsreichen Hafen- und Handelsmetropole der politischen Stimmungslage vor Ort nach und erfährt dabei mehr über speziell belgische Probleme.

In Belgiens zweitgrößtem Ballungsraum nach Brüssel erlebt die n-tv Reporterin ein Land, das "mit sich selbst so beschäftigt ist, dass Europa fast zur Nebensache wird". Umfragen deuten unterdessen darauf hin, dass sich die politische Landschaft Belgiens dramatisch verändert. Mit der Angst vor Terrorismus und steigender Kriminalität gehen auch in Belgien rechte und EU-skeptische Parteien auf Stimmenfang. Ist Europa mit seinen offenen Grenzen das Problem?

Der Diamantenhändler Peter Poussenier, der vor Jahren Opfer eines Überfalls wurde, glaubt nicht daran, dass Kräfte von außen für die steigende Kriminalität verantwortlich sind. "Das sind unsere eigenen Leute", sagt er.

Wie stark Belgien durch den Konflikt der Flamen und Wallonen gespalten ist, erfährt die n-tv Reporterin im Gespräch mit dem Hotelangestellten Derk Stam, einem jungen Belgier, den sie in einer Bar auf einen Kaffee trifft. "Wir haben zwei Regierungen, eine für die Wallonie und eine für Flandern. Es gibt also keine wirklich übergeordnete Regierung, die sich um die Belange aller Menschen kümmert."

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Liv von Boetticher im Gespräch mit Derk Stam.

(Foto: Gloria Pilima)

Viel Geld aus dem wirtschaftsstarken Flandern fließt demnach in die strukturschwachen Regionen der Wallonie an der französischen Grenze. Dort, sagt Stam, sei die Arbeitslosigkeit ein "sehr großes" Problem. Während sich der niederländische Teil Flandern weiter nach rechts orientiere, gehe der französische Teil, die Wallonie, "den umgekehrten Weg nach links".

Den Eindruck der politischen Spaltung bestätigt auch der Micha Nizowets, der vor mehr als 20 Jahren aus Russland nach Belgien einwanderte. "Belgien ist ein kleines Land. Aber es gibt große Unterschiede zwischen den Menschen und der Mentalität." Bei der Wahl am 26. Mai wird die Wahlbeteiligung in dem Land, in dem viele EU-Institutionen ihren Sitz haben, trotz allem sehr hoch ausfallen. "In Belgien herrscht Wahlpflicht", erklärt Liv von Boetticher. "Wer seine Stimme nicht abgibt, riskiert eine Geldstrafe."

So ticken die Menschen in Eindhoven

Drei Tage vor dem Wahltag in Belgien und Deutschland machen am 23. Mai die Niederländer den Anfang und geben ihre Stimmen bei der Europawahl 2019 ab - und die Zeichen stehen im EU-Land an der Nordsee auf Rechts: Schon aus den Provinzwahlen Mitte März ging die rechtspopulistische Partei "Forum voor Democratie" ("Forum für Demokratie") als stärkste Kraft hervor.

Auf der "Nah dran!"-Tour im Vorfeld der Europawahlen reiste die n-tv Reporterin zuerst in die Niederlande, um dort der politischen Stimmungslage in der Bevölkerung nachzuspüren. Sie erlebt ein Land, das europäischer tickt, als es die Umfrageergebnisse vermuten lassen.

In der Technologie- und Design-Metropole Eindhoven - der ersten Station ihrer Reise durch ausgewählte EU-Länder - ist von der anstehenden Europawahl zwar auf den ersten Blick nicht viel zu sehen. Doch im Gespräch mit der Leiterin einer Bäckerei-Filiale, einem Start-up-Manager, einem Möbeldesigner und einer Rentnerin erfährt sie mehr darüber, was viele Niederländer bewegt und wie die Menschen auf der Straße wirklich denken.

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Quelle: n-tv.de