Politik
(Foto: Twitter)
Donnerstag, 05. September 2013

Sanft, nah, gierig: Internet macht sich über CDU-Kampagne her

Von Christoph Herwartz

Die CDU hat im Wahlkampf nur ein Thema: ihre Kanzlerin. Warum über Inhalte streiten, wenn sich die Deutschen bei Merkel wohlfühlen? Aber die personalisierte Kampagne hat ihre Tücken - jetzt schlägt das Internet zurück.

(Foto: Friedemann Weise)

Die CDU stellt die dritte Charge ihrer Wahlplakate vor, und - oh Wunder - die große Überraschung ist nicht dabei. Angela Merkel lächelt ihrem Volk milde zu. Die Wörter "Kanzlerin" und "Deutschland" umschmiegen sie in leicht verspielter Schrift, die Buchstaben "CDU" treten in den Hintergrund. Die CDU ist ganz Merkel, Merkel ist die CDU. Inhalte braucht es nicht.

Die neuen Plakate gehören zu einer Strategie, die die Opposition verzweifeln lässt: Anstatt für ihre Politik zu streiten, nutzt die Partei die Beliebtheit ihrer Vorsitzenden. Solange sich die Deutschen bei Merkel sicher fühlen, wagen sie keinen Wechsel. Merkel lässt die Öffentlichkeit in diesen Wochen darum so nah an sich heran wie selten zuvor: Sie spricht über ihr Privatleben mit der "Brigitte", gibt für den "Spiesser" eine Schulstunde und plaudert bei RTL über Kartoffelsuppe. Im TV-Spot spricht Merkel mit fester, aber sanfter Stimme. Die Kanzlerin aus allen Perspektiven, nah und in sich selbst ruhend. Der CDU-Wahlkampf lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Merkel, Merkel, Merkel.

(Foto: merkelraute.tumblr.com)

Das über 2000 Quadratmeter große Plakat am Berliner Hauptbahnhof ist die Spitze des entpolitisierten Stimmenfangs. 2150 Hand-Paare sind darauf zu sehen, gemeinsam ergeben sie die Merkel-Raute - die vertraute Geste, an der jeder Fünftklässler seine Kanzlerin mittlerweile erkennen kann. Der Slogan: "Deutschlands Zukunft in guten Händen." Die CDU kämpft nicht, die CDU verwaltet ihren Vorsprung.

Erfolg zieht Neider an und die Fokussierung auf Merkel eignet sich hervorragend zur Persiflage. Wer früher Hitler-Bärtchen auf Plakate malte, lädt nun ein Bild aus dem Internet herunter und montiert es in einen anderen Kontext. Die riesigen Hände sind dafür ein dankbares Motiv: Internet-Nutzer stellen darüber den gefürchteten chinesischen Alleinherrscher Mao Zedong, den "Joker" aus den Batman-Filmen oder den gierigen Atomkraftwerk-Betreiber Montgomery Burns aus der "Simpsons"-Serie. Mittlerweile gibt es auch eine Katze, Gaddafi und Dumbo. Ein Blog sammelt die Ideen.

Schon vor vier Jahren machte ein verändertes Wahlplakat mit Merkel und Burns im Internet die Runde: Merkel strahlt darauf in die Kameras und macht die typische Raute. Mr. Burns' typische Handhaltung ist erstaunlich ähnlich. Gierig schielt er auf den Betrachter. "Wir wählen die Atomkraft", steht auf dem Fake-Plakat. Die Netzgemeinde war begeistert. Den Wahlsieg Merkels hat es nicht verhindert.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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