Politik

Hamburgs Methoden bei Asylverfahren Intim-Kontrolle bestimmt Flüchtlingsalter

3qix3223.jpg1627371561454169525.jpg

Über die radiologische Untersuchung des Handwurzelknochens und der Hand lässt sich das etwaige Alter eines Menschen bestimmen. In Hamburg und Berlin werden bei der Altersbestimmung von jungen Flüchtlingen auch die Genitalien begutachtet, allerdings ohne Zwang.

(Foto: dpa)

Minderjährige Flüchtlinge genießen einen besonderen Schutz. Um einen Missbrauch dieser Gesetze zu verhindern, setzt die Stadt Hamburg bei der Altersbestimmung von Asylbewerbern Untersuchungen ein, die ihr viel Kritik einbringen.

Das Alter von Flüchtlingen spielt im weiteren Verlauf ihres Asylverfahrens eine entscheidende Rolle. Viele jugendlichen Asylbewerber besitzen keine offiziellen Dokumente oder Pässe mit denen sie ihr Geburtsjahr belegen können. Werden Sie von den zuständigen Behörden als volljährig eingestuft, müssen sie in Einrichtungen für Erwachsene. Minderjährige Flüchtlinge hingegen genießen einen Sonderstatus: Sie sind vor einer Abschiebung geschützt, werden von der Jugendhilfe betreut und können sogar ihre Schulausbildung fortsetzen.

Röntgenbilder und Genitalinspektion

Wie die "taz" nun berichtet, werden in Hamburg neben Panoramaschichtaufnahmen der Kieferknochen und Röntgenbilder von Handskelett noch weitere, fragwürdigere Methoden zur Altersfeststellung praktiziert.

"Es erfolgt eine Inaugenscheinnahme der bezüglich einer Abschätzung des Entwicklungs- bzw. Reifezustandes maßgeblichen Partien der Körperoberfläche, insbesondere bei männlichen Probanden der Gesichtsregion und der Achselhöhlen sowie der Genitalregion. Bei weiblichen Probanden erfolgt eine Inspektion des Entwicklungszustandes der Brustdrüsen", heißt es laut der Zeitung in einer Senatsauskunft.

Angebliche Freiwilligkeit

Die Teilnahme an dieser Intimuntersuchung sei demnach freiwillig. Allerdings "wird die Inobhutnahme beendet", sollte sie verweigert werden. Diese Handhabe bewertet Conny Gunßer vom Flüchtlingsrat Hamburg als "skandalös". Für problematisch hält sie auch die Tatsache, dass sowohl die Untersuchung, als auch die anschließende Aufnahme der Minderjährigen von ein und derselben Einrichtung, dem Kinder- und Jugendnotdienst, getragen werde. Gunßer fürchtet deshalb, dass aufgrund mangelnder Kapazitäten im Zweifelsfall zum Nachteil der Jugendlichen entschieden werden könne.

Auch Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Hamburger Ärztekammer, äußert sich gegenüber der "taz" kritisch: "Dass Jugendliche in die Gruppe der Erwachsenen eingeteilt werden, wenn sie an der Untersuchung nicht mitwirken, konterkariert die vorgebliche 'Freiwilligkeit' und ist weder menschlich noch medizinisch gerechtfertigt."  Während sich der Senat darauf beruft, dass dieses Verfahren "auf wissenschaftlichen Standarts basiert", fordert die FDP-Politikerin Jennyfer Dutschke eine Überprüfung mit dem Ziel "die Intimuntersuchung zu unterlassen".

Quelle: n-tv.de, lda

Mehr zum Thema