Politik

"Keine politischen Tricks" Iran warnt Europäer

Das geistige Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, hat die Europäische Union vor "politischen Tricks" bei den Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm des Landes gewarnt. Bislang habe Iran dabei auf Seiten der EU die "notwendige Bereitschaft und Ernsthaftigkeit" vermisst, sagte Chamenei in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede. "Wenn das so weitergeht, würden wir den Verhandlungsprozess überdenken", erklärte er.

Das EU-Trio solle sich nicht von den USA und Israel beeinflussen lassen, mahnte Chamenei. Sein Land werde die friedliche Nutzung der Atomenergie in jedem Fall fortsetzen und sich auch durch amerikanische Drohungen mit einem Militärschlag nicht einschüchtern lassen. Chamenei kommt in allen Staatsfragen das letzte Wort zu.

El Baradei: Nordkorea der schwerwiegendere Fall

Die Vereinten Nationen haben im Konflikt um das iranische Atomprogramm zur Geduld gemahnt. "Wir müssen alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen, bevor die internationale Gemeinschaft an irgendeine andere Option denken kann", sagte der Leiter der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Mohammed el Baradei, in einem Interview mit dem britschen Radiosender BBC.

Iran habe den Kontrollen der UN-Behörde zugestimmt, und dieser Prozess brauche seine Zeit. Eine "unmittelbare Bedrohung" gehe von Iran derzeit nicht aus. "Für mich ist Nordkorea zurzeit ganz klar der schwerwiegendere Fall", sagte El Baradei. "Anders als bei Iran wissen wir da sicher, dass Nuklearmaterial vorhanden ist, das direkt für ein Waffenprogramm verwendet werden könnte."

Rice schlägt moderate Töne an

US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte unterdessen sie halte eine Lösung des Konflikts um das iranische Atomprogramm auf diplomatischem Weg für möglich. Vorbedingung sei jedoch, die Zusicherungen Teherans überprüfen zu können, sagte Rice der Zeitschrift "Figaro Magazine". "Wir müssen überprüfen können, was die Iraner tun, damit sie sich nicht mit Lügen aus der Affäre ziehen können", erklärte sie. Auf die Frage, ob die USA militärisch gegen den Iran vorgehen würden, sagte Rice: "Ich glaube, wir können das auf diplomatischem Wege regeln."

Im Streit um sein Atomprogramm hatte sich Iran in einer Vereinbarung mit der EU im vergangenen November zu einer Aussetzung der Urananreicherung bis März oder längstens Juni dieses Jahres bereit erklärt. Unterdessen gehen die Verhandlungen mit den drei EU-Ländern Großbritannien, Deutschland und Frankreich weiter.

Quelle: n-tv.de