Politik

Reservisten werden mobilisiert Israel bereitet Bodenoffensive vor

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"Iron Dome" heißt das israelische Raketenabwehrsystem.

(Foto: dpa)

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern spitzt sich zu. Die israelische Regierung erlaubt der Armee, Zehntausende Reservisten zu mobilisieren. Man wolle den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen unterbinden, heißt es. Doch dieser hält an.

Israel hat der Armee grünes Licht für die Mobilisierung von 40.000 Reservisten gegeben. Das bestätigte Israels Militärsprecher Arye Shalicar. "Dies ist der erste Schritt, in den kommenden Tagen muss man sehen, ob es dafür Gründe gibt", sagte er. Er sprach von einer so großen Truppenmobilisierung "für den Fall der Fälle" und spielte damit auf eine mögliche Großoffensive gegen den Gazastreifen an. Die Entscheidung fiel wenige Stunden nach einer Serie von Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen.

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Eine israelische Abfangrakete trifft ein Geschoss aus dem Gazastreifen.

(Foto: dpa)

Nach Angaben des israelischen Militärs trägt die Offensive den Namen "Operation Protective Edge" (hebräisch: "Zuk Eitan"). Der israelische Militärsprecher Peter Lerner sagte: "Wir wollen der Hamas im Gazastreifen einen Schlag versetzen und die Raketenangriffe auf Israel verringern." Am Montag seien rund 80 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden. "Wir werden dem ein Ende setzen." Es gebe keine zeitliche Beschränkung der Operation. "Wir stellen uns auf den möglichen Einsatz von Bodentruppen ein", sagte Lerner. "Aber ich denke nicht, dass das sofort passieren wird."

Zwölf Tote, Dutzende Verletzte

Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden bei den Luftattacken in der Nacht mindestens zwölf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Unter den Toten war nach Angaben von Augenzeugen ein Mitglied des bewaffneten Arms der Hamas. Der Mann wurde nach palästinensischen Angaben westlich des Flüchtlingslagers Nusseirat getötet. Im Stadtzentrum von Gaza starben vier Männer, als eine Rakete in ein Auto einschlug. Im Süden des Gazastreifens wurden bei einem Luftangriff sieben weitere Menschen getötet.

Israels Luftwaffe griff nach Angaben eines Militärsprechers etwa 50 Ziele im Gazastreifen an. Darunter seien auch die Wohnhäuser von vier militanten Hamas-Mitgliedern gewesen. Außerdem habe die Luftwaffe Raketenabschussrampen und Trainingslager beschossen. Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen zerstörten israelische Kampfflugzeuge im Süden des Gazastreifens drei Häuser von Hamas-Mitgliedern. Die dort lebenden Familien hätten zuvor einen Warnanruf der israelischen Armee erhalten.

Die Lage in der Region ist seit der Entführung und Ermordung dreier israelischer Schüler im Westjordanland und dem offensichtlichen Racheakt an einem jungen Palästinenser in Ost-Jerusalem höchst angespannt. Bewaffnete Hamas-Brigaden und weitere islamistische Gruppierungen hatten am Montag nach Armeeangaben insgesamt 81 Raketen auf Südisrael abgefeuert, mehr als 30 binnen weniger Minuten am Abend. Nach israelischen Angaben wurden zahlreiche Raketen vom Abwehrsystem "Iron Dome" abgefangen. Trümmerteile von Raketen waren am Montag auch auf das Deck eines Kreuzfahrtschiffes gefallen. Dabei wurde niemand verletzt.

Hamas stellt Forderungen

Dem Militär zufolge gab es am Morgen weitere Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. In dem Umkreis von 40 Kilometern Entfernung wurden die Menschen in Israel angewiesen, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten. Insgesamt verfüge die Hamas über etwa 10.000 Raketen mit verschiedenen Reichweiten bis etwas nördlich von Tel Aviv, sagte Lerner.

Die Hamas stellte ihrerseits Forderungen für eine Waffenruhe mit Israel. Nur wenn die israelische Blockade des Gazastreifens aufgehoben und der Grenzübergang zu Ägypten geöffnet würde, sei die Hamas zu einer Einstellung der Raketenangriffe bereit, hieß es in einer Mitteilung an Journalisten.

US-Präsident Barack Obama rief Israelis und Palästinenser eindringlich zu einer friedlichen Lösung auf. "Frieden ist möglich", schrieb Obama in einem Gastbeitrag für die linksliberale israelische Zeitung "Haaretz". Beide Seiten müssten bereit sein, dafür Risiken einzugehen. "Wenn der politische Wille zu ernsthaften Verhandlungen existiert, werden die USA da sein - bereit, unsere Rolle zu übernehmen."

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP