Politik
Dienstag, 17. Juni 2008

Homosexuelle trauen sich: Ja-Worte in Kalifornien

Nach jahrelangem Rechtsstreit ist in Kalifornien ein Grundsatzurteil in Kraft getreten, das gleichgeschlechtliche Eheschließungen erlaubt. Bereits wenige Minuten später wurden in San Francisco und Los Angeles die ersten lesbischen Paare getraut. Unter den ersten, die unter Jubelrufen und Tränen den Bund fürs Leben schlossen, waren Robin Tyler und Diane Olson in Beverly Hills. Sie waren die ersten Klägerinnen in dem Prozess, der schließlich zur Aufhebung des Verbots der Homo-Ehe führte.

Demonstration gegen Homo-Ehe

Um 17.00 Uhr Ortszeit trat das Gesetz in Kraft, wenige Minuten später erhielten Tyler und Olson im Gericht von Beverly Hills die erforderlichen Dokumente. Kurz darauf versprachen sie sich in einer traditionellen jüdischen Zeremonie vor einer Rabbinerin und unter strahlend blauem Himmel ewige Treue. "Nun ist sie wirklich meine Frau", jubelte die 66-jährige Tylor vor Journalisten, während sie ihre frisch angetraute Ehefrau umarmte. Rund 20 Demonstranten protestierten neben der Festgemeinschaft gegen die gleichgeschlechtliche Ehe.

56 Jahre ohne Trauschein

Zur gleichen Zeit, 600 Kilometer weiter nördlich in San Francisco traute Bürgermeister Gavin Newsom die 87-jährige Del Martin und die 83-jährige Phyllis Lyon, die schon 56 Jahre ohne Trauschein zusammengelebt haben. Das Paar hatte bereits 2004 für Schlagzeilen gesorgt, als es den Bund fürs Leben schloss, der später jedoch für illegal erklärt wurde. Insgesamt wollten am Montag nur rund zwei Dutzend schwule und lesbische Paare in ganz Kalifornien den Bund fürs Leben schließen, wie die Zeitung "Los Angeles Times" berichtete. Für Dienstag rechneten die Behörden mit einem Ansturm tausender Paare.

Den Weg für die gleichgeschlechtliche Eheschließung hatte das Oberste Gericht des größten US-Bundesstaates erst am 15. Mai freigemacht, als es nach einem jahrelangen Rechtsstreit das bislang gültige Verbot für verfassungswidrig erklärte. Nach Massachusetts an der Ostküste ist Kalifornien der zweite US-Bundesstaat, der Partnerschaften von Homosexuellen der Ehe zwischen Mann und Frau vollkommen gleichstellt. Einige weitere Staaten lassen inzwischen aber eingetragene Lebenspartnerschaften zu. Bürgerrechtler sowie Schwulen- und Lesbengruppen erhoffen sich von dem Urteil Signalwirkung für die gesamten USA.

Hochzeitstourismus erwartet

In Kalifornien leben einer Studie zufolge 100.000 gleichgeschlechtliche Paare, von denen jedes zweite in den kommenden drei Jahren heiraten will. Kalifornien dürfte zudem ein Ziel für Hochzeitstouristen werden, da dort anders als in Massachusetts auch Homosexuelle aus anderen Bundesstaaten die Ringe tauschen dürfen. Anerkannt werden diese Ehen jedoch nur von den wenigsten Bundesstaaten. Auch die Regierung in Washington betrachtet sie als illegal. Trotzdem erhofft sich die kalifornische Wirtschaft durch den Hochzeitstourismus in den nächsten drei Jahren Mehreinnahmen von 700 Millionen Dollar (450 Millionen Euro).

In Kalifornien sammelten die Gegner der Homo-Ehe inzwischen genügend Unterschriften, um eine Volksabstimmung zu erwirken. Demnach stimmen die Wahlberechtigten am 4. November nicht nur über den künftigen US-Präsidenten ab, sondern auch darüber, ob ein Verbot der Homo-Ehe in der kalifornischen Verfassung verankert werden soll. Diese Frage sorgt zwischen den Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama jedoch für keinen Zündstoff. Beide Kandidaten lehnen die Homo-Ehe ab, sind gleichzeitig aber auch gegen ein in der Verfassung verankertes Verbot.

52 Prozent für die Homo-Ehe

Auch wenn das Thema zu den am schärfsten diskutierten Fragen der USA zählt, scheint die Bevölkerung in Kalifornien ihr gegenüber offener geworden zu sein. Während sich vor 30 Jahren fast 60 Prozent der Kalifornier gegen die Homo-Ehe aussprachen und nur knapp 30 Prozent sie befürworteten, sieht es heute nach den Ergebnissen einer Studie des Umfrageinstituts Field anders aus: Demnach waren 52 Prozent der Einwohner dafür, dass sich Schwule und Lesben das Ja-Wort geben können, 41 Prozent dagegen.

Quelle: n-tv.de