Politik

Rückkehr drei Jahre nach Fukushima Japan macht den Weg für Kernenergie frei

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Das Kraftwerk in der Präfektur Kagoshima liegt in der nähe eines Vulkans.

(Foto: AP)

Unter dem Protest vieler Gegner gibt Japans Politik grünes Licht für eine Rückkehr zur Kernenergie. Trotz der Katastrophe von Fukushima gilt die Technik als notwendig, um die Versorgung des Inselstaats zu sichern. Die Anwohner der Kraftwerke freut die Entscheidung.

Japan kehrt drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder zur Nutzung von Atomenergie zurück. Ungeachtet großer Skepsis in der Bevölkerung gaben das Parlament und der Gouverneur der im Süden gelegenen Präfektur Kagoshima grünes Licht für das Hochfahren von vorerst zwei Reaktoren im Atomkraftwerk Sendai.

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Gouverneur Yuichiro Ito will vor seiner Zustimmung "verschiedene Situationen umfassend" in Betracht gezogen haben.

(Foto: REUTERS)

Die Regierung in Tokio nahm die Zulassung mit Freude auf, während Umweltschützer vor den Gefahren einer neuen Katastrophe warnten. Unweit des Kraftwerks befindet sich ein Vulkan. Bereits im September hatte die Atomaufsichtsbehörde des Landes bekanntgegeben, dass die beiden Meiler von Sendai die nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom März 2011 verschärften Sicherheitsstandards erfüllten.

Yuichiro Ito, der Gouverneur von Kagoshima, übte sich nun jedoch noch in Zurückhaltung. Er habe die Regierungsentscheidung, die Reaktoren wieder hochzufahren, zur Kenntnis genommen und zuvor "verschiedene Situationen umfassend" in Betracht gezogen. Am Ende stellte er sich der Wiederzulassung jedoch nicht in den Weg.

Schwacher Yen treibt Energiepreise hoch

Die Regierung begrüße, "dass die Präfektur von Kagoshima so viel tut", um einen Neustart der Atomkraft zu ermöglichen, erklärte Industrieminister Yoichi Miyazawa in Tokio. Für Ministerpräsident Shinzo Abe ist das die Rückkehr zur Kernenergie ein Erfolg. Er kämpft seit langem dafür, da er die Energiequelle für alternativlos hält. Der Verfall des Yens hat die Energiekosten für Japan zuletzt in die Höhe getrieben.

Die Bevölkerung ist nach der Fukushima-Katastrophe gespalten. Bei der Doppelkatastrophe 2011 kam es in drei Reaktoren zur Kernschmelze, zehntausende Menschen mussten die Gegend um den Unglücksort verlassen.

Es war die weltweit größte Atomkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986, in deren Folge sämtliche Atomreaktoren in Japan heruntergefahren wurden. Zwei Reaktoren liefen zwischenzeitlich kurz an, derzeit sind aber wieder alle Anlagen vom Netz. Vor Fukushima bezog Japan ein Viertel seiner Energie aus der Kernkraft.

Anwohner für Wiederaufnahme

Erst Ende September hatten in Tokio 16.000 Menschen gegen das Wiederhochfahren von Reaktoren demonstriert. "Im Gegensatz zu Regierung, Behörden und Industrie kennen die Menschen von Kagoshima die Lehren aus Fukushima", erklärte Kazue Suzuki von Greenpeace Japan. "Sie wissen, dass ihre Gemeinden unter direkter Strahlungsbedrohung stehen, auch wenn sie viele Kilometer von Sendai entfernt sind."

Gerade die Bürger in der Nachbarschaft der Meiler sind allerdings oft für die Kernkraft, weil sie von der Industrie unterstützt werden und Arbeit finden. Die Reaktoren in Sendai werden vermutlich erst nächstes Jahr ans Netz gehen. Zuvor müssen die Behörden noch letzte Sanierungsarbeiten abnehmen.

Quelle: ntv.de, Shingo Ito, AFP